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Andreas Bartels (Foto:Lufthansa)
08.01.2019   Menschen
"Selbstproduzierte Wahrheiten sind gefährlich"
PR-Chef Andreas Bartels sagt, warum Journalisten für die Lufthansa wichtig bleiben. Unabhängige Medien durch eigene Kanäle ersetzen zu wollen, hält er für aussichtslos.
PR Report: Journalisten stellen Ihnen ein gutes Zeugnis für Ihre Pressearbeit aus. Einer sagte uns: „Bei Lufthansa sind wir Journalisten noch wichtig.“ Wie lange wird das noch so sein?
Andreas Bartels: Solange ich in dieser Funktion bin, wird sich das nicht ändern. Es ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, ansprechbar zu sein, Hintergründe und Informationen zu liefern.
 
Ist das auch deshalb so wichtig, weil Ihr Vorstandschef Carsten Spohr als sehr akribischer Zeitungsleser gilt?
Wir definieren das in erster Linie als unseren eigenen Anspruch und eine Verpflichtung gegenüber unseren Stakeholdern. Nicht als Dienstleistung für unseren CEO.
 
Kollegen von Ihnen setzen zunehmend auf eigene digitale Medien, auf Social Media und auf
Influencer. Sie nicht?
Social Media spielt natürlich auch für uns eine immer wichtigere Rolle, und wir bauen diesen Bereich weiter aus. Ich betrachte das aber als Ergänzung unseres Portfolios. Wir wollen nicht unsere eigenen Kanäle nutzen, um die Arbeit mit externen Medien zu ersetzen. Das wäre unklug und aussichtslos.
 
Warum wäre das aussichtslos?
Weil unsere Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit so enorm groß ist, dass es immer ein hohes Maß an Interesse, Nachfrage und Berichterstattung über Lufthansa geben wird.
 
Genau dieses hohe Interesse an der Lufthansa wäre doch eine gute Voraussetzung dafür, mehr über eigene Kanäle zu machen, über die Sie theoretisch besser Ihre Kommunikation kontrollieren könnten.
So sehe ich die Welt nicht. Es mag vielleicht anstrengender sein, andere von unserer Sicht zu überzeugen. Aber das nehme ich gerne auf mich, weil es dem Unternehmen hilft, wenn unabhängig über uns berichtet wird. Die Medien halten uns einen Spiegel vor und oft ist das, was wir darin sehen, absolut richtig. Auch dann, wenn es uns manchmal nicht gefällt. Ein Unternehmen kann Dinge nur korrigieren, wenn sie bewusst gemacht werden. Ich halte es für gefährlich, wenn man sich nur noch mit selbstproduzierten Wahrheiten umgibt. Die Perspektive unabhängiger, fachkundiger Journalisten ist auch dem Vorstand wichtig. Wir würden sehr viel Bindung zu unseren Kunden verlieren, wenn wir die Bindung zu den Medien verlören.
 
Tipp: Bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug aus einem großen Interview mit Bartels im aktuellen PR Report. Darin spricht er ausführlich darüber, was der Newsroom bringt, wie er den Chaos-Sommer erlebt hat und über „Fake News“ aus dem Marketing.
 
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