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Dirk Loesch
12.11.2018   Karriere
"Nicht zu früh festlegen"
Woran erkennt man einen schlechten Chef? Welche Fehler sollten Talente vermeiden? An welchen Defiziten arbeiten? In unserer Serie gibt es Rat von renommierten PR-Profis. Diesmal: Dirk Loesch, Geschäftsführender Gesellschafter bei Loesch Hund Liepold.
Wenn ich heute 25 Jahre alt wäre, würde ich ...
... nach Abschluss meines Masterstudiums ein Jahr die Welt bereisen, Erfahrungen sammeln und dann in einer mittelgroßen, eigentümergeführten Agentur mit vielfältigem Portfolio und hoher strategischer und digitaler Kompetenz anheuern und mich auf den Weg machen, die Welt der Kommunikation zu erkunden und zu gestalten.
 
Nach welchen Kriterien sollte man seinen ersten Arbeitgeber auswählen?
Jeder Berufseinsteiger sollte sich drei Fragen stellen: Wo kann ich am meisten lernen? Wo werde ich fair behandelt – in Sachen Kultur, Arbeitsbedingungen und Geld? Wo bekomme ich den meisten Raum und Zeit sowie die beste Unterstützung für meine persönliche Entwicklung?
 
Der größte Fehler, den Berufsanfänger/Young Professionals in der Kommunikation machen können, ist ...
... sich zu früh auf eine Disziplin, eine Richtung, eine Branche, einen Karriereweg festlegen zu wollen.
 
Ein Mitarbeiter begeistert sie, wenn ...
... sie/er neugierig ist, mich und seine Kollegen ständig konstruktiv herausfordert, seine Grenzen kennt, sie aber dauernd zu überwinden versucht.
 
Mit Blick auf den Nachwuchs/Young Professionals: Wo/bei welchen Kompetenzen sehen Sie die größten Defizite?
Ich will da nicht von Defiziten sprechen, sondern vom größten Entwicklungspotenzial. Und das liegt ganz eindeutig in der persönlichen Entwicklung, in der Herausbildung der eigenen Persönlichkeit. Der Nachwuchs kommt jünger als früher und aus einem stark verschulten Hochschulsystem in den Berufsalltag. Da ist es nur natürlich, dass es in mancher Hinsicht an den Erfahrungen und Erlebnissen fehlt, die eine Persönlichkeit letztlich ausprägen. Hier sind Arbeitgeber gefordert, Raum, Zeit und Unterstützung zu geben.
 
Welche Kompetenzen brauchen moderne Kommunikatoren unbedingt?
Empathie, Analyse- und Strategiefähigkeiten, Kontaktfähigkeit und Kontaktfreude, Kompetenzen in Tools und Kanälen, Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit. Durch Digitalisierung, Beschleunigung und erhöhte Komplexität von Zusammenhängen sind eine Menge an neuen Einzelkompetenzen im Profil von Kommunikatoren hinzugekommen. Dabei ist vieles digitaler geworden, aber eher komplementär als ersetzend.
 
Welche Kompetenzen haben im Vergleich zu vor zehn Jahren an Bedeutung verloren?
Definitiv das Versenden von Pressemitteilungen und das Auszählen von Clippings.
 
Welche Kompetenzen kommen in der Kommunikation niemals aus der Mode?
Die Fähigkeit, Kontakt zu Menschen aufzubauen und zu pflegen. Und die Kunst, Sachverhalte zu durchdringen und in Kommunikationsempfehlungen zu übersetzen und diese in Sprache, Wort oder Bild - und sei es in 280 Zeichen - überzeugend zu vermitteln.
 
Digitale Kompetenzen braucht heute jeder. Was heißt Digitalkompetenz eigentlich konkret?
Digitalkompetenz bedeutet für uns ein umfassendes Verständnis für die Auswirkungen und Möglichkeiten, die sich durch digitale Technologien auf die Umwelt unserer Kunden und unsere eigene Agenturumwelt ergeben. Und wie ich unter dem Einsatz digitaler Technologien meine Kommunikationsziele erreichen kann. Digitalkompetenz reicht also vom Verständnis digitaler Wertschöpfungsketten über die Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Gesellschaft bis hin zum Verständnis von Instagram, Linkedin, Facebook & Co.
 
Müssen moderne Kommunikationsprofis (künftig) programmieren können?
Nein. Wir werden sicher eine Spezialisierung mit höherer Arbeitsteilung in der Kommunikation erleben, ein Prozess, der schon längst gestartet ist. Daraus ergibt sich aber nicht, dass jeder Kommunikator zwangsläufig programmieren können muss.
 
Welche Aufgaben in der Kommunikation werden künftig von Maschinen/Künstlicher Intelligenz erfüllt?
Die Hoffnung ist natürlich, dass es die Tätigkeiten sind, die weniger beliebt sind – beispielsweise Projektadministration, Customer Service oder Evaluationsaufgaben. Das wird es vielleicht oder sogar ganz sicher auch geben. Aber spannender ist natürlich, inwieweit Künstliche Intelligenz uns helfen kann, aus dem Konvolut von Daten die richtigen Informationen herauszufiltern und die richtigen Schlüsse für die Entwicklung der richtigen Strategie zu ziehen. Ob sie das intuitive Bauchgefühl guter Kommunikatoren ersetzen kann, daran habe ich so meine Zweifel. Aber das Bauchgefühl zu fundieren und substantiieren, das wäre eine echte Hilfe.
 
Eine Fähigkeit, die ein moderner Kommunikator unbedingt braucht, aber an der Universität nicht lernt?
Das empathisch und nicht nur rational getriebene Erschließen von Zusammenhängen und Beziehungsgefügen.
 
Einen schlechten Chef erkennt man ...
... daran, dass er nicht erkennt, was in einem steckt.
 
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