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News / E-Mail für Sie
Murtaza Akbar
20.11.2018   Menschen
E-Mail für Sie
Unverbindlichkeit ist in, Anreden und Grußformeln sind Old School? Mag sein. Murtaza Akbar plädiert trotzdem für mehr Wertschätzung in der persönlichen Kommunikation.
Ich stehe auf Werte. Das gebe ich gerne zu. Dazu gehören auch Wertschätzung und Verbindlichkeit. Halten, was man (zu)sagt. Ganz einfach, oder? Eigentlich würde hier jetzt ein Smiley oder Emoji passen. Ich lasse das aber mal weg, komme darauf gerne wieder am Ende zurück. Sehen Sie es als Teaser, macht es spannender. Smiley.
 
Letztens hieß es: Sie haben Post. Okay, das wäre etwas nervig bei jeder Nachricht. Es war eine neue Mail reingekommen mit einer unverbindlichen, recht standardisierten Antwort. Nur konnte ich mich nicht mehr erinnern, um was es ging, deshalb habe ich runtergescrollt. Es war eine Antwort auf eine Mail, die ich vor vier Monaten geschrieben hatte.
 
Sollte ich mich darüber freuen? Das frage ich Sie wirklich, nicht nur rhetorisch. Was meinen Sie?
 
Wertschätzung in der persönlichen Kommunikation finde ich etwas Schönes. Wenn wir von E-Mails sprechen, trotz WhatsApp, Skype und Co. immer noch der am stärksten genutzte Kanal für geschäftliche Kommunikation, gibt es da doch einiges an Potenzial. Ist auch nicht so einfach. Es gibt keine Mimik, keine Gestik und keinen Ton, die so ein paar Sätzen den richtigen Drive geben können. Umso wichtiger sind Wortwahl, Anrede, Grußfor­mel und überhaupt.
 
Klingt banal, oder? Von fehlenden Anreden und Grußformeln zu sprechen, ist eh Old School. Okay, manchmal wandern Mails zwar durch ganze Konzerne, da macht so etwas keinen guten Eindruck, aber was soll’s? Viel spannender ist eher die Frage: Bekomme ich eine Antwort – oder nicht? Selbst, wenn es davor Telefonate, Mails und Videokon­ferenzen gab, ist das keine Garantie. Komisch. Doch isso. Und gar nicht mal selten.
 
Deshalb gebe ich Studierenden des Studiengangs Onlinekommunikation, die ja quasi E-Mail-Kommunikation im Studiengangnamen haben, einen einfachen, wirkungsvollen Tipp: Schreiben Sie eine Mail mehr, als Sie glauben, schreiben zu müssen. Und wenn Sie Anrede und Grußformel tippen inklusive vollständiger Namen, dann sind Sie schon vorne mit dabei.
 
Sie sind sich unsicher beim Mailtext? Dann speichern sie ihn in Entwürfe und lesen sie den Text nach 30 Minuten nochmal. Oder rufen Sie an. Viel Arbeit? Klar, Wertschätzung kostet – Zeit und manchmal sogar Gehirnschmalz. Der Hammer wäre, wenn sie zudem authentisch und verbindlich sind, Versprechen einhalten und achtsam mit Worten und Menschen umgehen.
 
Ja, ich weiß, Unverbindlichkeit ist in. Meine beiden Teenager-Söhne sagen auch gerne „vielleicht“, „mal sehen“. Mein Erziehungsauftrag scheint noch nicht zu Ende. Smiley. In unserer Agentur klappt das besser. Unser Team lebt die Werte der persön­lichen (E-Mail-) Kommunikation – und zwar ganz unabhängig, um wen es geht. Also, für alle Stakeholder. Hier gehört schon wieder ein Smiley hin.
 
Wie halten Sie es eigentlich mit Smileys in Mails? Ich finde sie gut, vielleicht nicht beim ersten Mal und schon gar nicht inflationär, aber hin und wieder gerne. Vor kurzem habe ich eine Anfrage von einem Dax-Konzern erhalten, Führungskräfte in persönlicher Kommunikation zu coachen. Auf die Antwort warte ich noch. Smiley.
 
Der Autor: Murtaza Akbar ist Geschäftsführer der Agentur Wortwahl in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation sowie Speaker, Trainer und Coach zum Thema Sprache und Kommunikation.


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