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News / "Wie ein altes Ehepaar"
EnBW-Kommunikationschef Jens Schreiber und CEO Frank Mastiaux (r.). (Foto: Frank Kleinbach)
07.10.2018   News
"Wie ein altes Ehepaar"
Wie CEO Frank Mastiaux und PR-Chef Jens Schreiber dafür sorgen, dass der Stromriese EnBW wieder Freunde findet - und wie die Beziehung der beiden funktioniert.
Bei EnBW ist Kommunikation Chefsache. Das merken wir sofort, als wir vor einigen Wochen Frank Mastiaux, den Vorstandsvorsitzenden des Energieunternehmens, und Oberkommunikator Jens Schreiber zum Doppelinterview für unsere neue Ausgabe treffen (als E-Paper oder Printausgabe oder im iKiosk). Schon beim Foto-Shooting erweist sich Mastiaux als Mann mit festen Vorstellungen und dem Blick fürs Detail. Während Schreiber die Knipserei mit Laissez-faire-Haltung über sich ergehen lässt, legt der CEO Hand an.
 
Erst räumt Mastiaux Getränke und Geschirr vom Tisch, dann begutachtet er mit Adleraugen die Fotos auf dem Ipad unseres Fotografen Frank Kleinbach: Eilends wischt er durch die Bilder, zoomt ran, zoomt raus. Mal ist ihm sein Kinn zu hoch, mal das Hemd zu schief. Und immer wieder mahnt er, „der Jens“ solle doch endlich mal in die Kamera gucken.
 
Mastiaux, so erzählt es Schreiber, habe einmal zu ihm gesagt: „Ich habe zwei Nachrichten für dich. Die gute: Ich interessiere mich für Kommunikation. Die schlechte: Ich interessiere mich für Kommunikation.“ Wir wissen nun, was damit gemeint ist - und warum die beiden laut eigener Auskunft "wie ein altes Ehepaar" sind.
 
Wir haben aber auch erfahren, dass Mastiaux bei wichtigen Entscheidungen nicht nur auf Anwälte und Ingenieure hört: „Wir haben uns in einigen Fällen entschlossen, ein bestimmtes Projekt nicht zu bauen oder einen Rechtsstreit nicht zu führen, weil der vermeintliche Vorteil in keinem Verhältnis zum möglichen kommunikativen Schaden gestanden hätte.“
 
Wie viel Einfluss die Kommunikation bei EnBW hat und warum Schreiber ab und an genervt ist vom Eifer seines Bosses, lesen Sie in unserer neuen Ausgabe.
 
Was ist vermittelbar?
Auch beim zweiten großen Thema in dieser Ausgabe dreht sich vieles um die Frage, wie sorgsam das Top-Management zwischen betriebswirtschaftlichen Chancen und den Risiken für die Reputation abgewogen hat. Es geht um Bayer.
 
In Leverkusen hielt man es für eine gute Idee, rund 60 Milliarden Dollar für ein Unternehmen namens Monsanto hinzublättern. Für diesen stolzen Preis kaufte sich Bayer nicht nur den Saatgutriesen, sondern erwarb auch jede Menge neue Feinde. Kritische Medien, skeptische Börsianer und inzwischen mehr als 8.000 Klagen wegen Glyphosat gab es noch dazu.  
 
Viel Liebe erntet Bayer-Kommunikationschef Michael Preuss derzeit nicht. Preuss hat die (unmögliche?) Aufgabe, um Akzeptanz für die Monster-Übernahme zu werben und zu verhindern, dass der schlechte Leumund („Monsatan“) der neuen US-Tochter den guten Namen von Bayer vergiftet.
 
Selbst wenn Preuss und sein Team mal Zuspruch bekommen, ätzen die Gegner postwendend zurück. Im Juni moderierte ich auf dem DPRG-Zukunftsforum in Hamburg eine Diskussion mit Christian Maertin. Bayers Pressechef erklärte dabei unter anderem den Twitter-Konter des Konzerns gegen Renate Künast. Dafür hatte es bereits am Morgen Lob vom Journalisten Richard Gutjahr gegeben, der Bayers Replik in seiner Keynote als Beispiel für gelungene Unternehmenskommunikation im digitalen Raum gepriesen hatte.
 
Noch während Maertin die Fragen der Zuhörer beantwortete, winkte mir Gutjahr, der sich nach seinem Auftritt ins Publikum gesetzt hatte, aus der ersten Reihe mit seinem Smartphone zu. Künast hatte nämlich Maertins Vortrag auf Twitter spitzgekriegt und höhnte: „Und, er ist noch stolz darauf?“ Freunde werden Bayer und die Grünen-Politikerin definitiv nicht mehr.
 
Über Künast und andere Gegner, blaue Flecken und die Fehler von Monsanto spricht Preuss ausführlich im großen Interview.

Autor: Daniel Neuen, Chefredakteur PR Report

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