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Alexander Wilke (Archivfoto)
17.08.2018   Menschen
"Wir trennen nicht nach Titel oder Berufsbezeichnung"
Über die gemeinsam mit Thjnk gegründete "Customized Agency" Bobby & Carl und über die Eigenschaften eines guten Kommunikators sprach Thyssen Krupp-Kommunikationschef Alexander Wilke mit den Leipziger Public Relations Studenten des LPRS e.V.
Warum ist Bobby & Carl entstanden? Was kann diese Agentur, was andere nicht können?


Alexander Wilke: Diese Entwicklung hat im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen wollte ich die Qualität der Kommunikation bei Thyssen Krupp verändern, das Bewusstsein für Kommunikation bei thyssenkrupp stärken und auf das nächste Level heben. Das haben wir zusammen mit Bobby & Carl auch schon sehr gut hinbekommen. Sowohl die Qualität als auch die Art der Kommunikation hat sich verändert und verbessert. Ein schönes Beispiel hierfür ist unsere Arbeitssicherheits-Kampagne. Dafür haben wir in einem Film Angehörige unserer Mitarbeiter zu Wort kommen lassen mit einer klaren Botschaft: passt auf euch auf! Die hätte es in dieser Form vorher nicht gegeben.

Der zweite Grund ist, dass ich mir mehr Flexibilität in der Gestaltung und Umsetzung unserer Kommunikation gewünscht habe. Das hat viel mit Talent und verfügbaren Ressourcen zu tun. Das klappt auch gut, weil wir durch Bobby & Carl ganz andere Ressourcen aufbauen und einsetzen können. Der größte Vorteil der Agentur ist die Nähe zu uns, denn dadurch entsteht eine bessere Form von Kommunikation.


Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Thyssen Krupp und Bobby & Carl: Welche Aufgaben verbleiben bei der Konzernkommunikation, welche werden ausgelagert?


Schwerpunkt der Agentur sind Kreativleistungen, da ist sie der Lead. Als wir die Fusion unserer Stahlsparte mit dem indischen Wettbewerber Tata Steel bekannt gegeben haben, hat Bobby & Carl beispielsweise im Sinne einer 360-Grad-Kommunikation unterstützt: Sie haben unter anderem einen Film produziert, die Mitarbeiterkommunikation mitgestaltet, die Landing Page gebaut und im Bereich Social Media unterstützt. Vor allem die digitalen Fähigkeiten und das Content Management von Bobby & Carl waren hier eine enorme Bereicherung. Generell arbeiten wir in großen Projektteams mit regelmäßigen Jour Fixes zusammen, da sitzt die Agentur auch immer als Partner mit am Tisch. Im Zusammenspiel mit der Konzernkommunikation gibt es aber nicht das eine Muster. Inzwischen werden die Kreativchefs von Bobby & Carl auch für klassische Beratungsleistungen gebucht. Wir trennen nicht nach Titel oder Berufsbezeichnung, das geht nicht. Stattdessen entwickeln wir ein Modell, das exakt auf den Kunden, auf Thyssen Krupp, abgestimmt ist.


An bestehenden Kommunikationsagenturen kritisieren Sie ihre mangelnde Flexibilität. Wie sieht Ihrer Meinung nach die Agentur der Zukunft aus?


Ich bin der Meinung, dass sich klassische Beraterstrukturen und Agenturen, wie sie noch vor fünf Jahren Usus waren und teilweise heute noch gelebt werden, nicht halten können. Man braucht Kommunikation integriert. Aber die Agenturen verändern sich ja dahingehend auch schon. Der Trend geht im Moment wieder stark hin zu Customized Agencies. Für die Kunden scheint es also einen klaren Wunsch nach einem neuen Agentur-Kunden-Verhältnis zu geben. Bei uns war das auch so. Wir wollten mehr Nähe und ein vertrauteres Miteinander. Thyssen Krupp ist ein sehr komplexes Unternehmen; die Strukturen muss eine Agentur erst einmal verstehen. Wenn man den Anspruch hat, Kommunikation im Ganzen zu verändern, braucht man einen Partner, der das Unternehmen genau kennt und versteht. Es besteht außerdem der Bedarf, Ressourcen schnell und einfach zusammenzusetzen. Das kann eine Customized Agency natürlich besonders gut – das können andere Agenturen aber auch lernen. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass die Zukunftsagentur unbedingt eine Customized Agency sein muss.


Ihr ehemaliger CEO Heinrich Hiesinger hat das Unternehmen vor wenigen Wochen verlassen. Was bedeutet das für Sie und die Konzernkommunikation?


Zunächst einmal ist es unfassbar schade, auch wenn ich Herrn Hiesingers Entscheidung nachvollziehen kann. Meine Abteilung und ich haben neben der allgemeinen Konzernkommunikation ganz maßgeblich für ihn kommuniziert; für seine Strategie und seinen Veränderungsprozess. Währenddessen ist natürlich ein besonderes Verhältnis entstanden. Er ist ein besonderer Mensch und Kommunikator, für den es eine Ehre war zu arbeiten.


Sie sind einer der erfolgreichsten Kommunikatoren des Landes – kamen mit 38 Jahren in die Position des Kommunikationschefs bei Thyssen Krupp und wurden im letzten Jahr bei den PR Report Awards als Kommunikator des Jahres ausgezeichnet. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis, was können Sie angehenden Kommunikatoren mitgeben?


Ich hatte das alles gar nicht geplant. Aber ich wollte immer schon gestalten. Das Wichtigste ist, dass man die Dinge, die man tut, mit Leidenschaft tut. Dann macht man sie meistens auch gut und erhält Anerkennung. Zudem ist Neugierde ganz wichtig, also der Wunsch, Dinge und Menschen besser verstehen zu wollen. Als guter Kommunikator verbindet man Rationalität mit Emotionalität. Ich glaube, das ist eine große Stärke, die Kommunikatoren mitbringen. Wenn es uns gelingt, einem Unternehmen eine Seele zu verleihen, erfüllen wir eine wichtige Aufgabe. Das Schöne an Kommunikation ist, dass man viele Dinge einfach machen kann. Und das sollte man auch tun. Glück und Durchhaltevermögen schaden auch nicht, denn wahrscheinlich hat man auch mit einigen Härten zu kämpfen, durch die man sich durchbeißen muss. Gleichzeitig sollte man sich selbst treu bleiben und eine eigene klare Meinung vertreten.


Interview: Anna Stephan-Odenthal, LPRS e.V.
 

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