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Astrid von Rudloff (Foto: Edelman)
30.07.2018   Menschen
Edelman: Auch Astrid von Rudloff ist weg
Zweieinhalb Jahre nach der Übernahme von Ergo durch Edelman hat eine weitere Architektin des Deals die Agentur verlassen: Astrid von Rudloff. Der Abgang erfolgte heimlich, still und leise.
Bereits im Mai hat die 59-Jährige ihre Aufgaben abgegeben, wie Ernst Primosch, seit wenigen Wochen neuer Deutschland-CEO von Edelman, auf Anfrage bestätigte. Von Rudloff war seit dem Zusammengehen der beiden Firmen als Chief Client Relations Officer Mitglied der Geschäftsführung. Zuvor war sie CEO von Ergo und davor lange Jahre Deutschland-Chefin von Weber Shandwick.
 
Auch die beiden Ergo-Gründer Hans Ulrich Helzer und Tobias Mündemann haben bei Edelman keine maßgebliche Funktion mehr. Als die Agentur in der Karwoche die Knall-auf-Fall-Demission von Primosch-Vorgängerin Susanne Marell und die Schließung des München-Büros kundtat, gingen Schockwellen durch die Belegschaft. Der Standort, spezialisiert auf Technologiekunden, galt als profitabel. Marell war beliebt. Sie hat die Agentur breiter, digitaler und kreativer aufgestellt.
 
Offiziell hieß es, Marell gehe nach mehr als fünf Jahren von sich aus. Keine Entscheidung über Nacht, sondern ein längerer Entwicklungsprozess mit offenen Gesprächen, wie die 54-Jährige sagte: „Ich kam mir in den vergangenen Monaten vor wie ein Excel-Sheet auf zwei Beinen. Da stellte sich zunehmend die Frage, wie viel Freude und Spaß das noch macht, zumal der Spielraum für die Integration und Transformation der Agentur zunehmend kleiner und der Markt schwieriger wurde.“ Indes: Kurz nach dem Marell-Abgang meldete Edelman einen Umsatzrückgang von drei Prozent auf knapp 30 Millionen Euro.
 
Nachfolger Ernst Primosch hat eine große Aufgabe vor sich. Die Agentur wirkt angeschlagen. Die vergangenen zweieinhalb Jahre waren für die mehr als 300 Mitarbeiter extrem unruhig. Mit Ergo kaufte sich Edelman zwar Umsatz, Kunden und vor allem Corporate-Kompetenz ein. Aber was auf dem Papier gut zu passen schien, erwies sich in der Realität als teils schwer vereinbar – die berühmt-berüchtigten kulturellen Unterschiede zweier Firmen.
 
Die hohen Erwartungen an den Deal erfüllten sich wohl nicht alle, intensive Selbstbeschäftigung war ein Wachstumshemmer und international war Edelman zuletzt nicht mehr von starken Zahlen verwöhnt. Die weltgrößte PR-Agentur liegt im zweitgrößten Markt Europas auf dem vierten Platz und hängt dem Führungstrio weit hinterher, während die dahinterliegende Konkurrenz aufholt.
 
Da soll Primosch wohl anpacken, auch wenn er sagt: „Rechnet man die Werbeumsätze deutscher PR-Agenturen heraus, ist Edelman immer noch die stärkste PR-Agentur Deutschlands.“ Richard Edelman formulierte folgenden Auftrag: „Wir sehen großes Potenzial im Ausbau unseres Geschäfts mit Dax-30-Unternehmen. Und als Familienunternehmen haben wir auch ein großes Interesse an der Zusammenarbeit mit Privatunternehmen in Deutschland.“
 
Primosch konnte im Juli unbelastet antreten. Erste harte Schnitte waren exekutiert: Der bei stolzen Edelmännern unbeliebte, für eingefleischte Ergonauten aber emotional wichtige Namenszusatz „Ergo“ ist weg, München dichtgemacht. Der Standort gilt in puncto Personal als teures und schwieriges Pflaster.
 
Primosch sagte dazu: „Das wurde vor meiner Zeit beschlossen. In Deutschland wünschen sich die Kunden, dass Agenturen nah an ihnen dran sind, auch geografisch. Ich werde alles dafür tun, regionale Standorte zu erhalten, wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist. Ich wäre wahrscheinlich der Erste, der München wieder eröffnet, wenn genug Kunden das wünschen.“
 
Von Daniel Neuen
 
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