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23.09.2014   News
Die Alternativen
 
Wer als Medium etwas auf sich hält, hat heute ein Investigativ-Ressort. Unter Wettbewerbsdruck und in der Erwartung besserer Ergebnisse bilden sich dabei bisweilen bemerkenswerte Allianzen. Der Rechercheverbund aus NRD, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ ist so eine, angeführt von Ex-„Spiegel“-Chefredakteur Georg Mascolo. Dessen alte Wirkungsstätte zählt trotz unübersehbarer Boulevardisierung und anhaltender Selbstzerfleischung bei Kommunikatoren immer noch zu den ersten Adressen des investigativen Journalismus, ebenso wie die „SZ“ unter Hans Leyendecker. Der hat sich mit seinem aufklärerischen Wirken – ohne jedes Pathos formuliert – unbestreitbare Verdienste für das Land erworben, auch wenn nicht alle seine Hiebe saßen. Insofern muss man einen solchen Schulterschluss begrüßen.

Eine Alternative liegt in spendenfinanzierten Modellen eines unabhängigen Journalismus wie „Krautreporter“ (nach eigenen Angaben die bisher größte Crowdfunding-Kampagne im deutschen Onlinejournalismus) oder „Netzwerk Recherche“. Dessen Schatzmeister David Schraven hat ein neues Projekt angestoßen, dass die „Krautreporter“ noch übertrumpfen soll: Sein gemeinnütziges Recherchebüro „Correctiv“ will „in fünf bis sieben Jahren“ bis zu 30.000 Unterstützer einwerben. Schraven: „Wir wollen Missständen nachspüren und sie aufklären. Dabei benutzen wir alle zur Verfügung stehenden Methoden, von Datenerhebungen bis zu Auskunftsrechten und Informantengesprächen. Grundsätzlich beobachtet er „eine Entwicklung, in der sich viele Medien bemühen, tiefergehende und besser dokumentierte Geschichten zu produzieren“. Manchmal, so Schraven, gebe es „Ausfälle, wie beim Bobbycar für die Wulffs. Aber im großen und ganzen stimmt die Richtung. Es gibt eben kein Licht ohne Schatten“. Fazit: Der unabhängige Journalismus lebt. Doch in Teilen trägt er Züge einer geschickten Selbstvermarktung seiner Protagonisten. Es bleibt abzuwarten, ob ein weithin entwöhntes Publikum die Gradlinigkeit, Ernsthaftigkeit und den gesellschaftlichen Beitrag solcher Recherche-Multis erkennt und auf Dauer goutiert. Ein Erfolg versprechender Ansatz könnte sein, sich weg vom Personenkult und stärker hin zu den Institutionen zu bewegen – und die Medien damit ihre Rolle als vierte Gewalt im Staat zurückerobern.

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