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23.09.2014   News
Die Newcomer
 
Her mit der Quote! So schallt der Schlachtruf neuer Formate wie „Frontal21“ (ZDF), „ZDF Zoom“, „Markencheck“ (ARD) oder den Undercover-Reportagen auf RTL. Angetreten sind alle mit dem Anspruch, den investigativen Journalismus zu demokratisieren – sprich: ein möglichst breites Publikum für kritische Vorgänge in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu interessieren. Doch die aufgerufenen Themen und vor allem deren Inszenierung rufen in den Kommunikationsabteilungen der meisten Unternehmen im besten Fall regelmäßig Kopfschütteln hervor. Und auch die Medien sparen wiederholt nicht mit beißendem Spott („journalistischer Offenbarungseid“, „ein Abend voller Binsen“, „so überflüssig wie ein verspäteter Zug“).

An das Format und die Coups eines „Extra“-Reporters Burkhard Kress reichen die Newcomer selten heran – Ausnahmen wie „Team Wallraff“ (RTL) mit Burger King bestätigen diese Regel. Traurig genug: Noch bis ins Jahr 2007 hinein war beispielsweise „Frontal21“ unangefochtener Marktführer im Segment der investigativen Prime-Time-Magazine. Doch populärer Trash und Effekthascherei haben nicht nur dieses Format stark erodieren lassen. Schade drum, beklagt ein Unternehmenssprecher unter vier Augen, die hätten gute Leute wie den Christian Esser, „der ist besser als das Format!“ Wie die anderen aufgezählten Magazine leidet es heute unter dem Zwang zur Boulevardisierung und Skandalisierung. Den kann Marvin Oppong – im Fokus seiner investigativen Berichterstattung stehen Korruption, Lobbyismus, Datenschutz und Medienthemen – pauschal zwar nicht erkennen. Doch auch Oppong kritisiert: „Das Label ,investigativí ist gut, um über mangelnde Investitionen in Recherchetiefe in der Breite und die Verflachung sonstiger Inhalte hinwegzutäuschen.“ RTL-Redaktionsleiter Jan Rasmus, der die Undercover-Formate seines Senders aus „Extra“ heraus entwickelt hat, will die Kritik für sein Haus nicht annehmen: „ Ziel ist die Offenlegung und Dokumentation der Missstände, nicht aber eine Skandalisierung. Diese erfolgt in der Regel erst durch die Entrüstung der Öffentlichkeit.“ Es bleibt dennoch das Fazit, dass die Newcomer allzu offensichtlich auf Quote schielen. Ihnen geht es weniger um Aufklärung, ihre „investigative“ Recherche erweist sich oft vielmehr als Selbstzweck.
 

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