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"Wie stark beschäftigt die Digitalisierung Ihre IR-Abteilung?", fragten die Forscher
19.06.2018   Wissen & Praxis
Strategische Bedeutung "nur unzureichend erkannt"
Nur 8 Prozent von knapp 100 befragten börsennotierten Unternehmen gaben in einer Umfrage der Uni Leipzig und des Deutschen Investor Relations Verband DIRK an, dass sie eine spezifische Investor-Relations-Digitalisierungsstrategie erarbeitet haben. Auch weitere Ergebnisse der Studie "Digital Leadership in Investor Relations" deuten auf eine "mangelnde Priorisierung" bei der Digitalisierung der IR hin, schreiben die Autoren.
Ein Großteil der Unternehmen orientiert sich an der Digitalisierungsstrategie des Unternehmens (58%) oder es gibt keine strategische Leitlinie für die Bewältigung der Digitalisierung (23%). "Damit wurde die strategische Bedeutung der Digitalisierung für die Finanzkommunikation bisher nur unzureichend erkannt", bemängeln die Autoren. Knapp ein Drittel (30%) der Befragten geben an, dass die Digitalisierung ihre Abteilung stark beschäftigt. 78 Prozent der Unternehmen verfügen über kein eigenes Digitalisierungsbudget und 12 Prozent haben einen Verantwortlichen für das Thema Digitalisierung in ihrer Abteilung benannt.


Ein Großteil der IR-Abteilungen setzen digitale Instrumente ein, um ihre Arbeit effizienter zu gestalten (71,3%) und um Standardprozesse in der Abteilung zu automatisieren (65,8%). 41 Prozent der Unternehmen wollen vor allem mit den üblichen Marktstandards mithalten. "Nur ein sehr geringer Teil nutzt die Digitalisierung, um sich im Wettbewerbsumfeld oder in der Branche als Vorreiter zu positionieren", schlussfolgern die Autoren. 


Die Globalisierung, das Interesse von Investoren und die positive Erfahrung anderer Unternehmen mit digitalen Kanälen halten die Autoren für die zentralen Treiber der Digitalisierung in der IR. "Nur wenige sind aber bereit, eine Vorreiterrolle einzunehmen", bemängeln die Forscher. Als Hauptbarrieren wurden von den Befragten die hohen Kosten der Implementierung neuer Instrumente sowie fehlende finanzielle und personelle Ressourcen angesehen. Der Datenschutz und die Datensicherheit betreffe in Zeiten der Datenschutz-Grundverordnung auch die Investor Relations und gelte vielen als Hindernis für eine weitere Digitalisierung der Finanzkommunikation: Für die Befragten ist er nach dem Ressourcenmangel die zweitwichtigste Hürde.


Die Studienautoren beschreiben vier "Digitalisierungs-Typen": Beim Digital Transmitter (44% der befragten Unternehmen) prägen die Erfüllung regulatorischer Normen sowie eine Orientierung an Marktstandards die Digitalisierungsaktivitäten. Der Digital Optimizer als zweite große Gruppe (42% der Unternehmen) strebt durch den digitalen Wandel eine Steigerung der Effizienz sowie eine Professionalisierung der IR-Arbeit an. Durch eine Profilierung und Positionierung mittels digitaler IR-Aktivitäten strebt der Digital Positioner (6% der Unternehmen) eine Vorreiterrolle in Bezug auf Digitalisierung an. Der Digital Pioneer (8% der Unternehmen) arbeitet aktiv an einer digitalen Transformation der Finanzkommunikation und hinterfragt grundlegend etablierte Prozesse – etwa durch eine automatisierte, personalisierte Kommunikation.


"Ein Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und der Entscheidung für eine Positionierungsstrategie besteht nicht", schreiben die Autoren. "Hier sind strategische Prioritäten der Unternehmens- und Abteilungsleitung ausschlaggebend", fügen sie hinzu. Die Klärung der personellen Verantwortlichkeiten für das Thema Digitalisierung sei verbunden mit einem höheren Grad der Digitalisierung der Finanzkommunikation.


"Mit der Studie ist es uns gelungen, den aktuellen Stand der Digitalisierung der Investor Relations in Deutschland abzubilden und unterschiedliche Herangehensweisen im Umgang mit der Digitalisierung in der Finanzkommunikation zu identifizieren," sagt Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement an der Universität Leipzig und Akademischer Leiter des Center for Research in Financial Communication. "Noch steht in der Praxis die Pflichterfüllung an erster Stelle. Häufig fehlt ein Verständnis, wie die Digitalisierung die Finanzkommunikation verändern kann – und entsprechend die Priorisierung des Themas in der Abteilung. Es mangelt an Strategien, klaren Verantwortlichkeiten, Budgets und auch Kompetenzen."


Die Studie "Digital Leadership in Investor Relations" des Center for Research in Financial Communication (CRiFC) an der Universität Leipzig und des DIRK – Deutscher Investor Relations Verband entstand in Kooperation mit der Deutsche Post DHL Group, Deutsche Telekom, innogy und SAP. 
 

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