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News / Der Mann, der bei "Bild" Kai Diekmann war ...
Kai Diekmann (Foto: Jan Zappner)
06.06.2018   Menschen
Der Mann, der bei "Bild" Kai Diekmann war ...
... und sich jetzt als Agenturgründer neu erfinden will. Ein Beinahe-Besuch im zurzeit wohl spannendsten Start-up der deutschen Kommunikationsbranche.
Fast hätte es geklappt. Aber drei Tage vor dem Termin kam der Dämpfer. Das Interview mit Kai Diekmann (als Print-AusgabeE-Paper und im iKiosk) sollte zwar weiter in Berlin stattfinden. Aber nicht, wie zunächst vereinbart, bei der Agentur Storymachine in Kreuzberg, sondern in Charlottenburg, in einer Seitenstraße zum Ku’damm. Dort hat der Mann, der anderthalb Jahrzehnte lang bei "Bild" herrschte und sich nun mit Mitte 50 als Gründer versucht, ein Büro im Hinterhof. Außen grün, innen edel – mit einer improvisierten Start-up-Garage hat das ungefähr so viele Gemeinsamkeiten wie Diekmann Chancen hätte, zum beliebtesten Deutschen aller Zeiten gewählt zu werden. 


Diekmann teilt sich das Gartenhaus mit Lars Dittrich. Der wurde einst als Handyverkäufer reich, betätigt sich nun als Filmproduzent ("Er ist wieder da") und "Business Angel". Vor Jahren hatte er mit dem früheren CNC-Vorstand Thomas Gauly eine Firma. Ziemlich nett haben es Dittrich und Diekmann hier, aber lieber hätten wir uns bei Storymachine umgesehen. Geht leider nicht, wehrt Diekmann unsere Bitte, man könne doch mal rüberfahren, ab. Schließlich sollen wir keinesfalls erfahren, für wen seine Agentur arbeitet. 


Zu spät zur Party? 
Diekmann tut mächtig geheimnisvoll. Aber wenn einer der einst mächtigsten, prominentesten und umstrittensten Journalisten der Republik eine Kommunikationsbude aufmacht, noch dazu im Verbund mit dem bekannten Eventmanager Michael Mronz und dem früheren "Stern"-Online­chef Philipp Jessen, interessiert das die Medienszene. Zu Kunden, Mitarbeiterzahl und Umsatzzielen verweigert der 53-Jährige zwar die Aussage, aber Namen angeblicher Auftraggeber sickerten schnell durch. Und unsere Recherchen ergaben, dass Storymachine bereits von einer Dax-Größe engagiert wurde (wer das ist, erfahren Sie in unserer neuen Ausgabe). 


Ansonsten war er ziemlich redselig. Zwei Stunden lang erlebten wir einen jovialen, gut gelaunten Diekmann, der besonders gerne und leidenschaftlich über Digitalisierung spricht – oder besser gesagt: doziert. Mit Vorliebe streute er immer wieder die eine oder andere Frage ein. Rein rhetorisch natürlich. Die Transformation vom Alpha-Journalisten zum Digital-Prediger ist ihm in jedem Fall gelungen.


Ob Diekmann, der parallel noch seinen Zukunftsfonds schmiedet, auch der Wandel vom Boulevard-Boss zum Agentur-Chef gelingt? Storymachine kommt mit dem arg "denglisch" klingenden Motto "We power your message" spät zur Party. Diekmann preist seine Firma zwar vollmundig an, aber das Geschäftsmodell (Content und Social Media) haben andere schon lange für sich entdeckt. Der Markt ist voll und umkämpft.


Aber dafür sind die Startbedingungen ziemlich gut: Geballte journalistische Kompetenz ist da, renommierte Köpfe auch – und Diekmann und Mronz als gut vernetzt zu bezeichnen, dürfte die Untertreibung dieser Ausgabe sein. Und wenn Diekmann, einer der Pioniere der deutschen Silicon-Valley-Pilgerer und großer Veränderer von "Bild", über Digitalisierung und Social Media redet, hat das eine andere Wucht, als wenn das Berater X von der Agentur Y tut, mag der noch so kompetent sein. 


Nach dem Vorsprechen muss indes bewiesen werden, dass hinter den selbstbewussten Tönen genug Substanz steckt: professionell, verlässlich und messbar. Und eine gesunde Portion Demut schadet als Dienstleister auch nicht.


Von Daniel Neuen


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