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News / "Gefragt sind Unternehmer mit Fachgebiet Kommunikation"
Jens Christmann (Foto: Kubinska & Hofmann)
13.04.2018   Karriere
"Gefragt sind Unternehmer mit Fachgebiet Kommunikation"
Nächster Teil unserer Serie mit Tipps für eine Karriere in der PR. Diesmal mit Jens Christmann. Er arbeitet in den USA als Senior Global Director Government & Public Affairs für den Süßwaren-Konzern Mars Wrigley. Für Christmann ist entscheidend, dass man versteht und darstellen kann, wie man mit seinen Spezialkenntnissen zur Wertschöpfung des Unternehmens beiträgt.
PR Report: Wo startet man am besten in den Kommunikationsberuf - in einem Unternehmen, in einer Agentur oder in einem Verband?

Jens Christmann: Eine Redaktion von Innen gesehen zu haben - zumindest im Rahmen freier Mitarbeit - halte ich nach wie vor für den besten Einstieg. Ein Gefühl für Sprache und die Interessen von Zielgruppen entwickeln, professionell informieren, erklären, moderieren - all das kann man auch in Seminaren lernen. Aber nirgends so effektiv wie im journalistischen "Training on the Job". In Zeiten digitaler, direkter Kommunikation nimmt die Bedeutung dieser Fähigkeiten eher noch zu.

Wie macht man heutzutage in einem Unternehmen Karriere?

Gefragt sind Unternehmer mit Fachgebiet Kommunikation - in dieser Reihenfolge. Entscheidend ist, dass man versteht und darstellen kann, wie man mit seinen Spezialkenntnissen zur Wertschöpfung des Unternehmens beiträgt. Dazu kommen grundsätzliche Tugenden wie Einsatz, Teamplay, Zuverlässigkeit und das gesunde Maß an ständiger Unzufriedenheit mit dem Status quo.

Womit können Bewerber Sie besonders überzeugen?

Fachkenntnisse sind natürlich Grundvoraussetzung, aber in Zeiten lebenslangen Lernens letztlich nur eine Momentaufnahme. Drei Kriterien sind für mich bei der Personalauswahl entscheidend: Intelligenz, Initiative, Integrität. Nur wer Urteilsvermögen, Energie und ein ethisches Fundament mitbringt, wird langfristig erfolgreich und eine Bereicherung für das Team sein.

Welche Kompetenzen braucht ein moderner Kommunikator unbedingt?

Stressresistenz und die Fähigkeit, trotz digitaler Transformation den Überblick zu behalten. Außerdem sind Selbstreflexion und Empathie von herausragender Bedeutung - Kommunikation, Teamplay und Personalführung erfordern Einfühlungsvermögen. In einer Berufswelt, die immer virtueller und schneller wird, ist diese Fähigkeit extrem wichtig, um Vertrauen und Veränderungsbereitschaft zu schaffen. Deshalb glaube ich auch: Wer mit Empathie und Kreativität punkten kann, dessen Job ist nicht durch Automatisierung bedroht.

Das Thema Digital als dringend notwendige Kompetenz wird heute strapaziert. Was heißt Digitalkompetenz eigentlich konkret?

Erstens müssen Kommunikatoren natürlich in Sachen digitale Medien und Analysetools versiert und in der Lage sein, Chancen und Risiken zu beurteilen. Zweitens geht es unternehmensintern darum, die strukturellen Vorrausetzungen für die Transformation der Kommunikation zu schaffen: Abteilungsgrenzen überwinden, Hierarchien und komplexe Abstimmungsprozesse reduzieren, Mitarbeiter und Kunden befähigen, Botschafter zu sein. Dazu kommen die Herausforderungen durch die Digitalisierung des Geschäftsmodells insgesamt. Hier geht es dann für uns, drittens, um die Themen interne Kommunikation und Change Management.

Wer ist in der PR eines Unternehmens falsch?

Andersherum geantwortet: Urteilsvermögen, Flexibilität und Durchsetzungsvermögen halte ich für essenziell. Wer das nicht mitbringt oder entwickelt, wird weder Freude noch Erfolg haben. Flexibilität wird in der angelsächsischen Kultur ganz besonders erwartet und sollte nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden. Es geht darum, Schnittmengen zu finden und Interessen zu bündeln - manchmal mühsam im Konzern, aber wer will schon in einer "Basta-Kultur" arbeiten?

Ihr wichtigster Tipp für Berufseinsteiger und Young Professionals?

Champions have feedback for breakfast: den Mut und die Energie aufbringen, seine Leistung zu hinterfragen und durch stetigen Austausch mit und von anderen zu lernen. Wie beim Tennis: Der Hobbyspieler hat Spaß daran, ein paar schöne Bälle zu schlagen. Der Profi analysiert hinterher zusätzlich, was beim nächsten Mal noch besser laufen könnte.
 
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