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Klaus Gorny und Tina Kulow. (Foto: Kati Jurischka)
23.03.2018   News
"Wir wissen, dass das bislang zu wenig war"
Lebenszeichen aus der Black Box: Im neuen PR Report gestehen die Facebook-Sprecher Tina Kulow und Klaus Gorny Fehler ein.
Der Datenskandal um die ominöse Firma Cambridge Analytica, „Fake News“, russische Propaganda, Hassbotschaften, Warnungen vor Sucht- und Gesundheitsgefahren – Facebook steckt in der schwersten Krise seiner noch jungen Geschichte.
 
Hierzulande stand der Konzern lange im Ruf einer verschlossenen Auster. Im neuen PR Report äußern sich die beiden deutschen Sprecher Tina Kulow und Klaus Gorny in einem ausführlichen Interview – das zwar Anfang März stattfand, aber aufgrund der Affäre um Cambridge Analytica kurz vor Redaktionsschluss noch einmal zusätzlich an Spannung gewonnen hat (als E-Paper und im iKiosk, für Abonnenten kostenlos).
 
Die beiden Kommunikatoren räumen darin ein, dass Facebook in Deutschland bislang zu wenig Gesicht gezeigt, sich zu wenig zu Wort gemeldet habe. „Wir wissen, dass das bislang zu wenig war. Wenn wir in einem Jahr noch einmal sprechen, hoffe ich, dass wir zeigen können, dass sich das verbessert hat und wir wesentlich mehr machen“, sagte Kulow. „Ich kann versichern, dass in puncto Transparenz und Offenheit noch mehr kommen wird. Das sind für uns keine hohlen Phrasen. Das Unternehmen und wir haben gelernt, dass es das Schlimmste ist, wenn Menschen sagen, es sei eine Black Box, von der man nicht wisse, was da passiert.“
 
Zur Frage, ob sich Facebook das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz selbst eingebrockt habe, weil es jahrelang so wirkte, als sei Facebook die deutsche Öffentlichkeit ziemlich egal, sagte Gorny: „Das denke ich nicht. Wir haben mit den Veränderungen in unseren Prozessen, mit denen wir etwa ,Hassrede‘ und Verleumdungen bekämpfen, nicht früh genug die Ergebnisse erzielt, die wir wollten. Mittlerweile zeigen die Löschraten, dass unsere Veränderungen greifen. Leider zu spät.“
 
Kulow ergänzte: „Wir verweigern uns keinem Gespräch und keiner kritischen Debatte. Gerade im letzten Jahr, das sehr wichtig war unter anderem wegen dem Thema „Hassrede“ und der Bundestagswahl, sind wir quer durch die Republik gereist und haben sehr viele Journalisten getroffen, um den kritischen Austausch zu suchen.“
 
Dennoch gestand Gorny, dass man Journalisten zu spät Einblicke in die sogenannten Löschzentren gewährt habe: „Das hat auch damit zu tun, dass wir als Organisation sehr schnell wachsen, aber nicht überall unbedingt die Ressourcen gleichermaßen mitwachsen, um so etwas zu betreuen. Zum anderen: Durch die Geschwindigkeit, in der Dinge bei uns passieren, versäumen wir es manchmal, dazu Medien und die Gesellschaft frühzeitig abholen zu können. Sondern wir fokussieren uns erst mal auf die Tätigkeit, mit Dingen, die gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstoßen, richtig umzugehen. Aber das Wichtige ist doch: Wir haben die Türen aufgemacht, auch wenn es vielleicht etwas zu spät war.“
 
Lesen Sie außerdem in unserer Titelgeschichte über Facebook: Warum Kulow auf den Fragenkatalog eines „SZ“-Journalisten mit einem Smiley reagierte und ob sich das Unternehmen von Journalisten unfair behandelt fühlt.
 
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