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27.02.2019   Wissen & Praxis
Fünf Mythen des Schreibens
Von Merkwürdigkeiten und Mutmaßungen. Warum nicht alles stimmt, was Lehrer und Professoren angeblich sagen.
Angehende Autoren bringen ihre Schreibsorgen mit in meine Kurse. Manchmal auch merkwürdige Dinge. Viele dieser Dinge sind Überbleibsel aus der Schule oder der Universität: „Mein Lehrer hat gesagt“ oder „Mein Professor meint“. Einige Merkwürdigkeiten und Mutmaßungen tauchen so oft auf, dass man sie bündeln sollte. Hier sind fünf populäre Mythen des Schreibens.

Mythos 1: Es braucht für jede Textsorte und jede Gruppe von Empfängern eine besondere Sprache, eine eigene „Tonalität“.
 
Nein, braucht es nicht. Wir arbeiten mit fünf Werkzeugen und achten auf sieben Baustellen, wir nutzen einen universell guten Stil. Der wirkt immer und überall. Die Angst vor dem allzu Besonderen können wir uns schenken. Besonders ist der Leser. Und den schauen wir uns in jedem Fall genau an.

Mythos 2: Ich habe kompetente, anspruchsvolle Leser. Die erwarten, dass der Autor ihnen auf Augenhöhe begegnet. Sonst nehmen sie mich nicht ernst.
 
Anspruchsvolle Leser lieben gut geschriebene, anregende Texte. Gut ist ein Text, wenn der Inhalt klar wird. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat besonders viele Abiturienten und Akademiker unter seinen Abonnenten. Ein anspruchsvolles Blatt, gut lesbar. Autoren aus dem Wissenschaftsbetrieb und aus Behörden hingegen verwechseln kompetent manchmal mit kompliziert. Zwischen beiden Wörtern gibt es in der Tat eine Beziehung, aber die sieht so aus: kompliziert ist ungleich kompetent.

Mythos 3: Man kann auch zu einfach schreiben.
 
Nein, kann man nicht. Einstein wird der Satz zugeschrieben: „Wenn du es nicht einfach erklären kannst, verstehst du es nicht gut genug.“ Manche Autoren – Kursteilnehmer – fürchten Verständlichkeit. Sie sagen zum Beispiel: „Der Adressat hält mich für dumm, wenn ich einfach formuliere.“ Solche Aussagen sind vielleicht Zeichen einer Vermeidungshaltung: Wer sich nicht verständlich ausdrücken kann, der will es auch nicht. Die Trauben sind mir viel zu sauer, sagte der Fuchs in der Fabel. Alle Welt klagt über unverständliche Texte (aus Justiz, Medizin, Wissenschaft, Verwaltung), keiner über zu einfache Texte. Also: Nur keine Angst! Wagen Sie das Risiko! Und sollte Ihr Text tatsächlich mal zu einfach geraten, können Sie ihn rasch verdichten.

Mythos 4: Man beginnt nie einen Satz mit dem Wort „und“.
 
Ja, klar. Und ein Satz muss immer Subjekt und Prädikat haben; was nicht im Duden steht, gibt es nicht; nach einem Ausrufezeichen darf nie ein Komma stehen. Und so weiter. Lehrweisheiten dieser Art sind unerklärlich. Aber zäh. Und unausrottbar. Mehr Mut!, das wäre meine Bitte. Wagen Sie etwas im Text! Richtig ist es, wenn es mündlich funktioniert.

Mythos 5: Starke Stilmittel – etwa Fragen und Alliterationen („Alles auf Anfang?“) – sind typisch Boulevard. Sie gehören nicht in einen anspruchsvollen Text, schon gar nicht in den Titel.
 
Starke Stilmittel sind schlicht guter Stil, kleine Werkzeuge. Boulevardzeitungen nutzen diese Werkzeuge. Manche Qualitätsmedien ebenfalls. Und beide erreichen ihre Leser. Was unterscheidet die einen Medien von den anderen? Der Inhalt.
 
Tipp: Bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug aus der PR-Werkstatt "Schreiben wie ein guter Journalist: Crashkurs für PR-Texter" von unserem Experten Uwe Stolzmann.
 

Zurzeit bieten wir zwei Pakete mit jeweils 5 PR-Werkstätten zum Preis von 24,95 Euro an.


 

Werkstatt-Paket 1


 
Krisenkommunikation – Schnell handlungsfähig im Ernstfall: Wie Sie sich auf Krisen vorbereiten. Dazu 7 Strategien mit ihren Vor- und Nachteilen.
 
Content-Strategie - Wirksam kommunizieren in der vernetzten Medienwelt: Wie Sie Inhalte, Technik und Organisation optimal koordinieren.

Social Media – Strategien für digitale Kanäle: Von der Analyse über die Wahl der Kanäle bis zur Erfolgskontrolle. Ein Leitfaden für Unternehmen.

Blogger Relations – Multiplikatoren für Marken und Unternehmen: Diese Werkstatt zeigt, wann Sie auf Blogger setzen sollten und wie Sie mit ihnen fruchtbare Beziehungen aufbauen.

Der Newsroom – Transformation der Kommunikation: Ob Internet oder Print, extern oder intern: Wie sich Themen über die Schaltzentrale der Unternehmenskommunikation effizient steuern lassen.

 


Werkstatt-Paket II


 
Die Kunst der guten Rede: Wie der Einstieg gelingt. Wie Sie im Hauptteil, beweisen, dass Sie kein Sprechautomat sind. Und wie der Schluss auch zum Schluss wird.

Das A und O der Pressemitteilung: Wie man gute Pressemitteilungen schreibt und diese richtig einsetzt. Die neun wichtigsten Bausteine - und warum auch Formales entscheidet.

Das 1 x 1 des PR-Fotos: Alles über gute PR-Bilder. Warum es ein eigenes Bildkonzept braucht und welche Bilder mehr schaden als nutzen.

Mit Kundenzeitschriften informieren, berühren, überraschen: Alles über Heftstruktur, Heftmischung und die sechs brauchbarsten Prototypen.

Wirksam schreiben für das Web: Am Bildschirm lesen Menschen anders als auf Papier. Was das für das Schreiben von Onlinetexten bedeutet, zeigt diese PR-Werkstatt.

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