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Kai Tenzer ist Redaktionsleiter bei der 1998 von Alexander Springensguth gegründeten Agentur Cyrano
03.09.2014   News
"Wir sind eine unabhängige Redaktion"
 
Die Pharmaindustrie weitet ihre Kommunikation mit einem neuen Branchendienst aus. Ein Verein aus 17 Unternehmen, dem Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) und dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) finanziert das Onlineportal www.pharma-fakten.de. Den Content erstellen die Agentur Cyrano und Ex-Glaxo-Smith-Kline-Sprecher Florian Martius. Cyrano-Redaktionsleiter Kai Tenzer über den Dienst, den er gemeinsam mit Martius verantwortet

Herr Tenzer, Unternehmen betreiben ihre Produktkommunikation, VFA und BPI decken die Branchenkommunikation ab: Wieso bedarf es eines weiteren Kommunikationsmediums der Pharmaindustrie?

Wir gehen davon aus, dass es einen Bedarf an übergeordneten Informationen zur Gesundheitswirtschaft gibt. Den wollen wir bedienen. Wir als Redaktion übernehmen dabei eine Rolle, die sich von der klassischen Unternehmens- oder Verbandskommunikation unterscheidet. Wir sammeln die Stimmen sowohl aus der Branche, als auch außerhalb der Branche, etwa von Krankenkassen- und Ärztevertretern oder aus der Politik, um Themen zu beleuchten und um eine vollständige Betrachtung zu haben. Unsere Aufgabe ist es, den Redaktionen der Medien ein umfassendes Bild zu liefern, das sich aus den unterschiedlichen Perspektiven speist.

Und welches Ziel verfolgen Sie damit?

Wir wollen für Journalisten ein guter Ansprechpartner sein, der für den Bereich Pharma verlässliche, zusätzliche Informationen bereitstellt. Unser Ziel ist, dass unsere Inhalte so gut recherchiert, so gut aufgearbeitet und so relevant sind, dass sie verwendet werden.

Wie wollen Sie das erreichen?

Wir geben keine kompletten Geschichten vor, sondern holen Stimmen und Informationen vor allem zu laufenden Themen ein wie Ebola, die Diskussion um den Preis für die neuen Hepatitis C-Präparate oder den jüngsten Bestandsmarktreport der Techniker Krankenkasse. Ein Beispiel: Als die Weltgesundheitsorganisation gesagt hat, es sei ethisch, experimentelle Medikamente in Westafrika gegen Ebola einzusetzen, haben das nicht alle begrüßt. Wir haben dann Statements der Pharmaindustrie eingesammelt, von Ärzte ohne Grenzen, vom Gesundheitsministerium und aus Richtung der Forschung, um eine Übersicht über die jeweiligen Positionen zu bekommen. Das ist ein zusätzlicher Service, der in die Berichterstattung einfließen kann.

Ist das Misstrauen derjenigen, die Sie abfragen, nicht groß, wenn Sie sich als Dienst der Pharmaindustrie outen?

Wir sind insofern eine unabhängige Redaktion, als wir alle Texte und Inhalte im Redaktionsteam erstellen und abstimmen. Das heißt, wir haben keine Freigabeschleifen nach außen. Wir sind selbst rechtlich verantwortlich für die Inhalte, die wir produzieren und verbreiten. Wenn jemand Vorurteile hat, kann er auf die Website schauen und dort relativ schnell sehen, wie wir die Themen behandeln und ob das eine große Pharma-Werbetrommel ist oder ein ernsthafter, inhaltlich reflektierter journalistischer Dienst. Je nachdem werden wir Antworten bekommen oder nicht. Bisher hatten diejenigen, bei denen wir angefragt haben, keine Vorbehalte.

Wieso gründet die Pharmaindustrie extra einen Verein als Träger des Dienstes?

Wenn so ein Dienst aufgesetzt wird, steht immer die Frage im Raum, wie sich die Finanzierung organisieren lässt. Da hat sich ein Verein als ideale Form angeboten. Sie hält auch am optimalsten den Weg offen für weitere Verbände und Unternehmen, die Mitglieder werden wollen.

Wie viel investiert der Verein in seine "Pharma Fakten"?

Das ist eine niedrige sechsstellige Summe pro Jahr inklusive Agentur-, Fremd- und Vereinskosten. Der Etat ist für zunächst zwei Jahre verabschiedet worden.

Kai Tenzer ist Redaktionsleiter bei der Agentur Cyrano Kommunikation in Münster, die unter anderen auch die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) unterstützt. 

Interview: Uwe Förster

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