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News / Kempe greift nach dem Etat
Wolfgang Lang, CEO Grayling Deutschland/Foto: Grayling
26.08.2014   News
Kempe greift nach dem Etat
 
Primark Deutschland
Seit Monaten bläst dem erfolgsverwöhnten Billig-Modefilialist Primark in Deutschland eisiger Wind ins Gesicht. Die Schönwetterkommunikation der Iren geriet in der Krise zum Desaster. Eingenähte Hilferufe in Kleidungsstücken, Proteste zur Eröffnung einer Filiale am Berliner Alexanderplatz, Gerüchte um eine systematische Bespitzelung der Mitarbeiter – jede einzelne der jüngsten Meldungen hätte in der Deutschland-Zentrale von Primark in Essen die Sirenen schrillen lassen müssen. Doch statt mit Stakeholdern in einen aktiven Dialog einzutreten, entschied sich das Management um Wolfgang Krogmann dafür abzutauchen.

Die Verantwortlichen für die aktuelle Krisenstimmung macht Krogmann aber nicht im eigenen Haus aus, sondern bei PR-Dienstleister Grayling. Der betreut seit mehreren Jahren die Consumer-Aktivitäten, Store Openings und den Bereich Social Media – Krise und CSR-Kommunikation gehörten bislang nicht zum Paket. Zuletzt agierte die Agentur mit wenig Fortune, offenbar weil ihn der Kunde Primark wiederholt ausbremste, wie die deutsche Ausgabe der Huffington Post jüngst in einem Artikel offenbarte.

Jetzt läuft ein Pitch. Wer die Teilnehmer der internationalen Ausschreibung sind und warum Primarks Partner Grayling zur Disposition stellt, sagt das Unternehmen nicht. Auf Anfrage verlautbart ein Sprecher nur: „Wir haben in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Agenturen in unterschiedlichen Ländern zusammengearbeitet und sind sehr dankbar für ihre Unterstützung. Trotzdem nehmen wir von Zeit zu Zeit Prüfungen dieser Art vor.“

Wolfgang Lang, CEO von Grayling Deutschland in Frankfurt, vermutet auf Nachfrage, Primark wolle „die vielfältigen Agenturbeziehungen konsolidieren“. Lang verweist auf die „extrem erfolgreiche“ Zusammenarbeit und gibt sich gegenüber seinem Noch-Kunden auffallend loyal. Doch im Pitch um Primark dürfte Grayling eher schlechte Karten haben.

Jüngst erst hatte die Agentur Anne Glier an Mitbewerber Fleishman-Hillard verloren, kurz nachdem bereits Birgit Rügert gewechselt war, um das neue Düsseldorfer Büro aufzubauen.

Glier hat bei Grayling auf Kunden wie Primark und Reckitt Benckiser gearbeitet. Umso besser scheint das Blatt für Fleishman Hillard. Wie Deutschland-Chef Hanning Kempe – zuvor selbst Chef von Grayling in Deutschland – bestätigt, treten die Frankfurter nicht nur bei Primark gegen Grayling an (über ihre Schwesteragentur Blue Current), sondern seit einigen Monaten auch bei Reckitt Benckiser – einer der größten Grayling-Kunden hierzulande.

Doch der aktuelle Etathalter hat ein Problem: Reckitt Benckiser fordert neben Knowhow in Kampagnen- und Markenführung zusätzlich Expertise im Bereich Healthcare ein. Grayling kann hier wenig aufbieten. Fleishman Hillard weiß inzwischen Anne Glier in seinen Reihen. Auch wenn Kempe abwiegelt, der Pitch um den Hersteller von Reinigungsprodukten und Haushaltswaren habe „mit Gliers Wechsel nichts zu tun“.

Während Kempe „mit Zuversicht auch auf diesen Pitch“ schaut, versucht Grayling-Chef Lang, jeden Zweifel über die Zukunft seiner Agentur zu zerstreuen: „ Wir hatten in 2012 ein zweistelliges Umsatzwachstum zu verzeichnen und dies 2013 auf hohem Niveau stabilisiert.“ Wichtige Kundenbeziehungen seien ausgebaut worden, etwa mit DHL, Nestlé und British Airways. Neugeschäft kam von Hilton, Kyocera, Messe Düsseldorf. „Wir sind auf einem guten Weg“, betont Lang, „und die Veränderungen der letzten Zeit waren dafür zwingend notwendig.“ Lang hatte Verantwortungen auf internationaler Ebene abgeben müssen – und offenbar läuft die Suche einem Deutschlandmanager bereits.

Die nächsten Wochen dürften nicht nur über Graylings Etats entscheiden.

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