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News / Was Qualität kostet
Nico Kunkel
26.08.2014   News
Was Qualität kostet
 
Mindestlohn
Die Branche streitet über den Mindestlohn, das Thema köchelt seit Wochen vor sich hin. Jüngst goss ein Statement der DPRG Öl ins Feuer, mit der Position, der Mindestlohn sei praxisfern. Schlimm genug, dass der Verband damit den Nagel auf dem Kopf trifft – aber nicht anregt, diese Praxis in Zweifel zu ziehen. Das Problem ist nicht akut: Pflichtpraktika und solche bis drei Monate Laufzeit bleiben von der neuen Regelung unberührt. Ob jemand grundsätzlich Mindestlöhne als erzieherische Maßnahme akzeptiert, hängt von der politischen Haltung ab. Sehr wahrscheinlich aber wird die Einführung zum 1. Januar 2015 zu einer Abnahme des Angebots von Praktika in Agenturen führen und vielen jungen Interessierten eine Chance nehmen.

Die einen beweinen diesen Verlust von Schnupperluft, andere bejubeln das Ende der Ausbeutung. Die Wahrheit liegt wie sooft dazwischen. Auch wenn angemessene Löhne wünschenswert wären – viele Agenturen kalkulieren aktuell anders. Und die bedarfsorientierte Argumentation der Studenten nach dem „Ich-brauche-aber-zum-leben“-Motto fördert eher die latente Abwehrhaltung der Arbeitgeberseite.

Das Geschäftsmodell von Agenturen baut in der Breite seit vielen Jahren auf substanzielle Zuarbeit von Praktikanten, und auch die Kunden planen damit, ohne dass man ihnen dies guten Gewissens in Rechnung stellen könnte. Auftraggeber befördern das System implizit über den Preisdruck, manche auch ganz unverblümt. In der Debatte halten sie sich bisher zurück und überlassen es der „Werkbank“, sich zu echauffieren. Der Mindestlohn legt den Finger in die Wunde und kaschiert gleichzeitig deren Ursache. Statt sich über den Mindestlohn aufzuregen, sollten Agenturen mit ihren Kunden darüber sprechen, was Qualität kostet.

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