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News / "Den Mehrwert schafft der Arbeitgeber"
Thomas Lüdeke meint, dass Unternehmen "für überschaubar mehr Geld als dem Mindestlohn (…) fertig ausgebildete Absolventen" mit der Fachrichtung Kommunikation einstellen könnten
13.08.2014   News
"Den Mehrwert schafft der Arbeitgeber"
 
8,50 Euro Stundenlohn für Praktikanten ist ein Reizthema. Das zeigen auch die Reaktionen auf die jüngste Stellungnahme des Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) "Einheitlicher Mindestlohn nicht zielführend - Ausbeutung muss verhindert werden". Thomas Lüdeke, im DPRG-Bundesvorstand für die Nachwuchsförderung zuständig, erläutert die Verbandsposition.

Tatsache ist, dass vom 1. Januar 2015 an Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn bestehen wird, und zwar auch für Praktikanten. Allerdings gibt es eine Menge Ausnahmen: 8,50 Euro pro Stunde sind nicht für Pflichtpraktika vorgesehen und auch nicht für freiwillige Orientierungspraktika sowie ausbildungsbegleitende Praktika, sofern sie nicht länger als drei Monate dauern.

Dennoch würde "vielen Studierenden die Chance auf ein Praktikum komplett genommen", heißt es in dem Positionspapier des Verbands, das nicht überall auf Zustimmung stößt. Überheblichkeit attestiert der eine der DPRG in Person von Lüdeke, der andere hält es gar für eine Frechheit, einige reagieren mit Unverständnis. Das Statement - ein überfälliger Schuss aus der Hüfte?

Herr Lüdeke, warum hat die DPRG ihre Position in der Mindestlohndebatte erst so spät klargestellt?

Die Diskussion läuft noch, und einige Verbände und Interessengruppen haben sich schon gemeldet und eine Feinjustierung vor dem Start am 1. Januar 2015 gefordert. Somit ist der seit Juli im Amt befindliche Vorstand genau richtig unterwegs, und wir bringen uns als Branchenvertretung heute und morgen ein. Denn es ist eine der Aufgaben der DPRG, die Diskussion zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Nachwuchs voranzutreiben.

Dreimonatige Pflicht- und Orientierungspraktika sind von der Mindestlohnregelung ausgenommen. Damit hat sich die Problematik doch deutlich entschärft. Wieso sind Sie trotzdem auf der Zinne?

Erstens finden wir es nach wie vor grundsätzlich diskussionswürdig, ob eine staatlich verordnete Gehaltsregelung bei Praktika der richtige Weg ist. Nicht zuletzt die - größtenteils berechtigten - Forderungen der nachwachsenden Generation führten in den vergangenen ein bis zwei Jahren bereits zu einigen Verbesserungen: Arbeitgeber spüren die Kritikpunkte und hinterfragen ihr bisheriges Vorgehen. Aber klar: die Ausnahme von Pflichtpraktika bis zu drei Monaten geht immerhin weiter als der ursprüngliche Gesetzesentwurf. Zweitens: die Branche profitiert nach wie vor auch von Quereinsteigern, für die es durchaus von Interesse sein kann, ein freiwilliges Praktikum kurz nach einem Studium oder einer Ausbildung zu absolvieren. Für sie werden die Chancen auf einen Platz sinken. Drittens: Es gibt nach wie vor viele Arbeitgeber und auch Praktikanten, die mehr als drei Monate zusammenarbeiten möchten. Ein vier- oder fünfmonatiges Praktikum kann durchaus Sinn machen - die neue Regelung wird diese Option aber mehr oder weniger abschaffen.

Es trifft also Absolventen anderer Fachrichtungen als der des Kommunikationsmanagements, die erst nach dem Studium Orientierung suchen. Welches Bild muss ich mir von Arbeitgebern aus der PR machen, wenn ich das in Zusammenhang mit Ihrer Aussage bringe: "Der Mindestlohn wird beispielsweise dazu führen, dass Unternehmen und Agenturen eine viel härtere Auswahl treffen - denn für überschaubar mehr Geld als dem Mindestlohn können sie bereits fertig ausgebildete Absolventen einstellen."?

Unbezahlte Praktika, zweijährige Traineeships für 1.000 Euro brutto undsoweiter sind leider nach wie vor existent. Hier müssen wir ansetzen. Die Realität zeigt: aktuelle Gehälter von Trainees und Volontären pendeln sich in der Regel bei 1.600 bis 1.900 Euro ein, nur manche Arbeitgeber zahlen zum Einstieg auch merklich mehr. Im Durchschnitt liegt die Differenz zum Mindestlohn also wirklich nur überschaubar darüber. Wenn ein Arbeitgeber die Beschäftigung eines Praktikanten anbietet - und das ist für jeden, der es ernst meint, ein erheblicher Aufwand - sollten die Bedingungen auch aus seiner Sicht fair sein. Leider wird das Praktika-Image der Branche von vielen Negativ-Beispielen geprägt. Wir werden uns dafür einsetzen, dass möglichst viele Arbeitgeber den positiven Beispielen folgen. Und auch der Nachwuchs ist natürlich gefordert, Praktika mit guten Rahmenbedingungen zu suchen und weiter Überzeugungsarbeit zu leisten. Die DPRG unterstützt mit ihrem Netzwerk gerne bei der Suche.

Inwiefern wird die DPRG die Diskussion über Sinn und Inhalte von Praktika fortführen?

Das Thema Gehalt ist ja nur eine Facette in der ganzen Diskussion. Den wirklichen Mehrwert eines Praktikums schafft ein Arbeitgeber durch seinen persönlichen Einsatz, dem Praktikanten fundierte Einblicke zu bieten und Orientierung zu geben. Wir als DPRG wollen dabei unterstützen, Eckpunkte für ein Praktikum mit Mehrwert zu beschreiben. Am 21.9.2014 laden wir beispielsweise zum Nachwuchsdialog nach Düsseldorf, um über diese Mehrwerte zu sprechen. Meine Aufgabe wird es sein, Arbeitgeber und Studierende/Absolventen immer wieder neu an den Tisch zu holen.
Interview: Uwe Förster
 

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