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News / Social-Media-Studie: Journalisten werden schlampig
53 Prozent der Umfrageteilnehmer aus der PR halten Social Media für eine verlässliche Quelle
13.08.2014   News
Social-Media-Studie: Journalisten werden schlampig
 
Der Kampf um die schnellste News fordert seine Opfer. Eines davon ist die Überprüfungsrecherche. Der Studie "Social Media Impact on News" des niederländischen Allfinanz-Dienstleisters ING zufolge veröffentlicht fast die Hälfte der darin befragten Journalisten ihre Geschichten so schnell wie möglich, um sie erst danach, falls nötig, zu korrigieren.

Das registrieren auch die PR-Profis. Sie stellen fest, dass sie seit Aufkommen der sozialen Medien seltener von Journalisten kontaktiert werden, um Fakten zu überprüfen. Kein Wunder: Laut der Studie übt sich nur noch jeder fünfte Journalist darin, Informationen vor ihrer Veröffentlichung zu kontrollieren.

Die Ergebnisse korrespondieren mit der bereits 2008 publizierten Untersuchung "Journalistische Recherche im Internet". Leipziger Journalismus-Forscher kamen damals zu dem Ergebnis, dass Journalisten im Schnitt lediglich etwa elf Minuten pro Tag für Quellen- und Faktenchecks nutzten. Das wurde allerdings nicht in den Zusammenhang mit Social Media gebracht, sondern vor allem mit Zeitdruck im Arbeitsalltag begründet.

Die Studie der ING-DiBa-Muttergesellschaft stellt diese Beziehung durchaus her, indem die zeitliche Verringerung der Überprüfungsrecherche mit dem Aufkommen der Social Media zusammenfallen soll. Weiter heißt es darin, dass ein Drittel der befragten Journalisten Posts auf Facebook & Co. nicht als verlässliche Quelle betrachtet, wohingegen 50 Prozent behaupten, die sozialen Medien seien ihre Hauptinformationsquelle. Ebenfalls 50 Prozent halten die Meinung von Konsumenten für glaubwürdiger als Statements von Organisationen. 60 Prozent fühlen sich im Umgang mit sozialen Netzwerken auch weniger an journalistische Grundsätze gebunden als bei der Arbeit für traditionelle Medien.

An der Umfrage der ING-Gruppe nahmen 165 Journalisten und Blogger teil, davon 66 aus den Niederlanden und 99 aus anderen Ländern. Außerdem wurden 186 Pressesprecher und Kommunikationsmanager befragt, davon 100 aus den Niederlanden.

51 Prozent der PR-Leute glauben, dass die Glaubwürdigkeit von Nachrichten durch die mangelhafte Überprüfungsrecherche sinkt. Insbesondere in Großbritannien pflegen PR-Professionals den Kontakt mit Journalisten über Socia Media, 72 Prozent von ihnen vertreten die Ansicht, dass sich dadurch ihre Beziehungen zu den Medienvertretern verbessert hätten.

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