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News / Vom Ende der Stabilität
Volker Klenk
06.08.2014   News
Vom Ende der Stabilität
 
Unternehmen verändern sich heute anders als früher. Stark vereinfacht gesagt gab es Veränderungen von Unternehmen früher vor allem dann, wenn sie in eine Krise gerieten. Dann folgte eine einmalige Strukturanpassung und es war für längere Zeit wieder Ruhe. Seit gut 20 Jahren sind in Unternehmen nicht selten gleich mehrere große Veränderungsprojekte am Start - parallel. In der Regel getrieben von kritischen Situationen mit begründbarer "sense of urgency".

Wir haben gelernt, zu akzeptieren, dass Organisationen ständig Feuer löschen, Fehlentwicklungen korrigieren müssen. Akzeptanz für harte Einschnitte und Massenentlassungen kann gewonnen werden mit dem Argument, dass dadurch der gesunde Teil des Unternehmens gerettet wird.

In der Tat wird heute noch überwiegend das Ziel der neuen Ordnung nach dem Change gepriesen. "Wir müssen da jetzt durch, auch wenn es Opfer kostet. Dann folgt ein neues Gleichgewicht. Eine neue Ordnung, die Bestand hat. Das gelobte Land." So oder so ähnlich hallen die CEO-Parolen durch die Townhalls.

Dazu zwei Beobachtungen im Hinblick auf die Herausforderungen für Unternehmenskommunikation.

Ende der Stabilität

Erstens: Die Vorstellung von einer anhaltenden Konsolidierungs- oder Ruhephase nach einer Changeperiode ist zunehmend realitätsfremd. Führende Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmensberater sind der Meinung, Unternehmen müssten sich in unserer multidimensional beschleunigten Umwelt neu erfinden noch während es ihnen gut geht. Die Boston Consulting Group spricht in diesem Zusammenhang von „preemptive transformation“. Die Auslöser und Befeuerer solcher vorauseilender Veränderungen, Anpassungen, Strategiewechsel sind Globalisierung, Digitalisierung, Big Data, Industrie 4.0, Social Feedback, disruptive Innovationen und andere.

Für Führungskräfte und Kommunikatoren gilt es hier eine Gratwanderung erfolgreich zu meistern: die funktionalen Elemente des bestehenden Geschäfts zu stützen dabei aber gleichzeitig die neue Bereitschaft und Offenheit für ständige Innovationsimpulse zuzulassen und zu fördern.

Gesunde Firmen restrukturieren

Zweitens: Die Katalysatoren für permanenten Change haben weitreichende Auswirkungen darauf wie Kommunikation gestaltet werden muss, um diese Veränderungsprozesse erfolgreich zu begleiten. Dazu gehören Digital Workplace Strukturen, Kulturwandel, Transparenz, nachhaltiges Stakeholder Management und Führungskräfte, die permanente Veränderungsbereitschaft auch vorleben.

Darüber hinaus stehen Unternehmen zunehmend vor der kniffeligen Herausforderung, auch in guten Zeiten harte Einschnitte umzusetzen. Die Akzeptanz zu gewinnen von Gewerkschaften, Mitarbeitern, Politik und Medien für Deinvestments, Stilllegungen, Entlassungen bei gleichzeitig hohen Gewinnen wird eine erfolgskritische Aufgabe. Change-Storys müssen vor diesem Hintergrund künftig anders entwickelt, geschrieben und vermittelt werden.

Dr. Volker Klenk ist Vorstand der Klenk & Hoursch AG, Agentur für Corporate & Brand Communications in Frankfurt am Main.

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