Der Bundestag verabschiedet heute den Mindestlohnentwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Im Gegensatz zur aufgeregten Diskussion in der Agenturbranche sieht die Allianz inhabergeführter Kommunikationsagenturen (AIKA) der Regelung gelassen entgegen. Die neue Gesetzgebung werde sicher nicht das Ende der Agenturen bedeuten, sagt AIKA-Chef Carsten Lange.
Nahles' Entwurf sieht ab 1. Januar 2015 einen Mindestlohn von 8,50 Euro brutto pro Stunde vor. Davon sind natürlich auch die etwa 50 AIKA-Mitglieder betroffen. Eine Umfrage unter ihnen und weiteren 50 inhabergeführten Agenturen zeigt, dass die Hälfte der von ihnen vergebenen Praktika drei Monate oder länger dauern. Die AIKA-Agenturen vergüten dies gegenwärtig mit einem Stundenlohn zwischen 5,50 und 8,10 Euro. Fast 60 Prozent sind demnach grundsätzlich bereit, den Mindestlohn zu bezahlen - abhängig vom Einzelfall.
Die Neuregelung beinhaltet nach AIKA-Angaben aber weder einen Mindestlohn für ein dreimonatiges Praktikum, noch für Pflichtpraktika, die im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums vorgeschrieben sind. Das nimmt nach AIKA-Auffassung vielen Kritikern Wind aus den Segeln. Ansonsten lautet die Devise des Verbandes: "Wenn Praktikanten ein abgeschlossenes Studium haben und länger eingesetzt werden, tragen sie signifikant zum Agenturerfolg bei und sollten deshalb eine angemessene Vergütung bekommen", so Lange.
Die Interessenvertretung reagiert damit auf die heftige Diskussion, die die Branche in jüngster Zeit über die Zukunft von Praktika führt. Kritiker des Mindestlohns wie der
Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) und der
Deutsche Dialogmarketing Verband (DDV) befürchten, dass Studenten und Absolventen Chancen auf Praktika genommen und für Agenturen unbezahlbar würden. "Unsere Branche braucht keinen Mindestlohn und auch keine Politiker, die auf dem Rücken der Institution 'Praktikum' eine ideologische Unterhalts- und Gleichberechtigungsdebatte führen", schrieb etwa Christian Rätsch, CEO von Saatchi & Saatchi Deutschland, in einem Gastbeitrag für die
"w&v".
Demgegenüber meint Lange, dass die bislang in dieser Form geführte Debatte nicht dazu beitrage, die Branche für junge Menschen in ein attraktives Licht zu rücken. "Natürlich haben sich viele AIKA-Agenturen bei der Bezahlung an den üblichen Standards orientiert, und einige müssen in diesem Bereich vielleicht umdenken", gibt der Geschäftsführer der Agentur Lange + Pflanz zu. Aber wer länger in einer Agentur arbeite, sei eine echte Unterstützung und habe eine angemessene Bezahlung verdient. Auch längerfristig tätige Praktikanten tragen nach Ansicht Langes dazu bei, dass eine Agentur qualitativ hochwertige Dienstleistungen anbieten kann. "Qualität hat einen fairen Preis, und die basiert auf leistungsgerechter Bezahlung."