Please wait...
News / Gelähmt und gefrustet
24.06.2014   News
Gelähmt und gefrustet
 
Deutscher Rat für Public Relations
„Wir brauchen einen funktionierenden Rat“, beschwört Uwe Kohrs, Chef der Gesellschaft PR-Agenturen (GPRA). Doch davon ist der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) derzeit weit entfernt. Der ihn finanzierende Trägerverein wartet auf die Bestellung eines Notvorstands in Person des Berliner Rechtsanwalts Jan Mönikes. Erst dann kann erneut eine Mitgliederversammlung einberufen werden, um Beschlüsse zu fassen, wie es weitergehen soll.

Die Situation ist verfahren, ja kurios. Die Deutsche Gesellschaft für Politikberatung (Degepol), die gemeinsam mit der GPRA, der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und dem Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP) den Trägerverein bildet, hatte auf eine Mitgliederversammlung gepocht – und tut dies immer noch. Letztlich, um Haftungsrisiken für den DRPR und dessen Mitglieder auszuschließen und sie rechtlich abzusichern. Denn die ordnungsgemäße Einberufung war versäumt worden. Doch als es – verspätet – am 10. April in Frankfurt soweit war, blieb ihr Vertreter, Heiko Kretschmer, dem Treffen fern – angeblich, weil die Einladung nicht rechtzeitig eingegangen war. Die Anwesenden fassten dennoch Beschlüsse, um die Arbeitsfähigkeit des Rates aufrechtzuerhalten. Doch mit denen erklärte sich die Degepol nicht einverstanden. Darüber, ob die ohne die Degepol getroffenen Entscheidungen gelten, liegen unterschiedliche Rechtsgutachten vor. Mittlerweile steht alles auf dem Prüfstand. Ist etwa Kommunikationswissenschaftler Günter Bentele noch DRPR-Vorsitzender oder nicht mehr?

Ratsmitglieder, die von den Verbänden in das Gremium entsandt werden und sich darin an etwa fünf Tagen im Jahr ehrenamtlich mit Ethikfragen beschäftigen, schütteln den Kopf, über die Hintergründe des Vorgehens der Degepol herrscht vielfach Ratlosigkeit. Zwar werden die Vorwürfe der Politikberater als durchaus berechtigt anerkannt, aber eben nur bis zu einem gewissen Grad. Von „Geisterdebatte“ und „Vereinsmeierei“ ist die Rede.

Zur Information seiner Kollegen im Rat verschickte Bentele, der bereits schriftlich bekundet hatte, dass es ihm schwer falle, das Ganze „nicht als juristische Posse zu verstehen, Mitte Juni das Rücktrittsschreiben des Trägervereinsvorsitzenden Stephan Cremer. Der Topcom-Chef, der die Mitgliederversammlung zu spät organisiert hatte und dafür von der Degepol attackiert wurde, schmiss seinen Job Anfang Juni hin. Wohl auch, um persönlichen Diskreditierungen zu entgehen. Zuvor beantragte er noch beim Registergericht die Bestellung eines Notvorstands. Bei Redaktionsschluss weilte Cremer im Urlaub, meldete lediglich kurz, dass die gegenwärtige Situation ein Problem sei, „das wir intern regeln“.

Von „intern“ kann aber keine Rede mehr sein. Denn angesichts der Veröffentlichungen zum DRPR-Streit ist die Degepol unter ihrem Vorsitzenden Dominik Meier und ihrem Schatzmeister Heiko Kretschmer offenbar gar nicht daran interessiert, die Angelegenheit hinter verschlossenen Türen, zumindest im engen Kreis des Trägervereins, zu regeln. Über deren Zielsetzungen, auf den Regularien kompromisslos zu beharren, wird spekuliert. Würde die Degepol den Trägerverein verlassen, würden nicht auf allen Seiten Krokodilstränen vergossen. Doch mit den Verbindungen und dem Austausch zwischen den involvierten Verbänden ist es trotz Internetzeitalter angeblich nicht zum Besten bestellt – Vielleicht würde der Abgang der Degepol gar nicht bemerkt. (ufo)
 

Newsletter

Sie wollen immer auf dem Laufenden sein?

Magazin & Werkstatt