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News / Umweltschützer kämpfen gegen Zocker-Vorwurf
Campaigning-Experten: Mit der "Detox!"-Kampagne will Greenpeace Textilhersteller zwingen, auf giftige Chemikalien in der Produktion zu verzichten. Foto: Greenpeace
23.06.2014   News
Umweltschützer kämpfen gegen Zocker-Vorwurf
 
Nach dem Verlust von 3,8 Millionen Euro bei Währungsgeschäften hat Greenpeace 700 Unterstützer in Deutschland verloren. Das schreibt der "Spiegel" in seiner heutigen Ausgabe. Die Umweltschützer sehen sich mit Spekulationsanschuldigungen konfrontiert.

Die Presseerklärung vom Sonntag beginnt im Stile einer Unternehmensmitteilung: "Die internationale Umweltschutzorganisation Greenpeace passt sich mit einer neuen Organisationsstruktur den neuen Herausforderungen im globalen Umweltschutz an." Und sie schließt damit, dass bei solchen Umstrukturierungen nicht immer alles glatt läuft. Diese seien zwar nicht Ursache für den jüngst bekannt gewordenen Verlust beim Versuch der Währungsabsicherungen, erschwerten aber die Aufklärung. Die Greenpeace-Zentrale in Amsterdam sei damit zu langsam vorangekommen. Durch die notwendige Abstimmung mit den Kollegen in Holland könne Greenpeace in Deutschland kommunikativ auch nicht so schnell reagieren wie gewohnt, sagt Greenpeace-Campaigner Christian Bussau.

Greenpeace-Deutschland-Chefin Brigitte Behrens wehrt sich gegen Bestrebungen, den Verein in die Nähe von Börsenspekulanten zu rücken, und versucht es mit Aufklärung. In einem Offenen Brief greift sie den abschließenden Untersuchungen des Falles vor. "Die Verluste 2013 beziehungsweise die drohenden Verluste 2014 aus der Absicherung von Wechselkursschwankungen belaufen sich auf 3,8 Millionen Euro", schreibt Behrens, "Rücklagen zum Ausgleich des Verlustes sind vorhanden". Ein Fehler sei passiert, "es gab keine Zockerei an der Börse, es wurden keine Gelder angelegt, um Gewinne zu machen", betont sie.

Die Medienresonanz auf die "Spiegel"-Enthüllung ist gewaltig. "Devisenzockerei mit schweren Folgen", heißt es, von "Spenden-Gezocke" und "Zockerskandal" ist die Rede. Was war passiert: Laut Greenpeace Deutschland hat ein Kollege von Greenpeace International in Amsterdam 2013 über eine beauftragte Firma Devisenterminkontrakte abgeschlossen, um die Spendengelder abzusichern und Währungsrisiken zu vermeiden. "Als der Euro aber wider Erwarten stieg, konnten die Verträge nicht gekündigt werden und führten zu Verlusten." Den Begriff "Zockerei" werde die NGO nicht mehr rauskriegen, sagt Bussau. Er habe sich gewünscht, dass sich mehr Journalisten zunächst bei Greenpeace erkundigen. Sein Gefühl aber sei, dass viele die "Spiegel"-Berichterstattung und die dpa-Meldung nur übernommen hätten. "Wir haben eine Krise", gibt Bussau unumwunden zu. Die Organisation sucht jetzt vor allem das Gespräch mit ihren 580.000 Unterstützern und Förderern in Deutschland - direkt, online und über Social Media.

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