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Gerald Schömbs, Geschäftsführer der Berliner PR-Agentur Schröder+Schömbs, kompensierte einst seinen Ärger per Facebook-Auftritt
14.05.2014   News
Gerald Schömbs: "Wir probieren es ohne Pitches"
 
Mitte Mai hat die Gesellschaft PR-Agenturen (GPRA) in Zusammenarbeit mit einer Kanzlei ihr Pitchblog gestartet. Damit wendet sich der Verband gegen unfaire Bedingungen bei Wettbewerbspräsentationen, indem er negative und positive Erfahrungen von Pitchteilnehmern öffentlich macht. Darum geht es seit 3,5 Jahren auch auf einer Facebook-Seite. "Pitch-Etiquette"-Initiator Gerald Schömbs (Schröder + Schömbs PR) über das bislang Erreichte und seine Konsequenzen

Herr Schömbs, wie sieht ihre Bilanz aus?
Mit 3.333 Fans hat die Pitch-Etiquette die Fahne in Deutschland bisher allein hochgehalten. Unsere Rolle war, die Diskussion rund um dieses Thema zu befeuern. Wir haben gute Gründe geliefert, es anders zu machen als bisher, und zwar nicht auf die Zahlung eines Honorars beschränkt. Unser Ziel war immer zu inspirieren - den weniger selbstbewussten Agenturen zu sagen: Ihr seid nicht allein, seid mutiger, es ist ohnehin wirtschaftlich und unternehmerisch kaum nachhaltig, sich auf unfaire Pitches einzulassen et cetera. Ich kann mir vorstellen, dass die Facebookseite eine ganze Menge Leute inspiriert und mutiger gemacht hat. Und ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere in den Verbänden gesagt hat, da müssen wir auch mutiger werden.

Wenn man die Klagen über Pitchabläufe hört, scheint sich in den 3,5 Jahren allerdings nicht viel getan zu haben.

So ein Aufklärungsthema braucht Zeit, wie alles, was alle Köpfe erreichen muss. Es gibt ja auch noch genügend Agenturen, die alles mitmachen und zwei Augen zudrücken. Wenn man einen Schritt nach vorn gegangen ist, wirft einen das wieder erheblich zurück. Meinem Eindruck nach gibt es eine leichte Bewegung nach vorn - ganz im Gegensatz zum internationalen Umfeld. Zumindest der anglo-amerikanische Raum ist bei diesem Thema Lichtjahre zurück.

Haben Sie auf Facebook die richtigen erreicht, nämlich die Kunden?

Nicht wenige Kunden, die uns angefragt haben, haben uns von vornherein mitgeteilt: "Ja, Pitch-Etiquette kennen wir, wir zahlen auch ein Honorar". Vielleicht haben die auch nur auf unsere Webseite "Kontakt" angeklickt, wo wir unsere Neugeschäftsanfragen kanalisieren. Dort stehen die Pitch-Etiquette-Empfehlungen. Wobei es oftmals Kunden gibt, die nicht wissen, wie man es besser machen könnte, weil sie in ihrer Karriere vielleicht nur ein oder zwei Pitchprozesse gestalten, während Agenturen mehr Erfahrungen damit machen und ihre Kunden bei der Gestaltung beraten können.

Wie beurteilen Sie die Aussichten des Pitchblogs der GPRA, etwas zu bewirken?

Es ist sehr gut, dass es ein weiteres Medium gibt, dass das Thema vorantreibt. Jetzt kommt es auf die inhaltliche Relevanz an: Es muss Klartext gesprochen werden. Etwas Optik hat auch noch keinem Medium geschadet.

Welche Konsequenzen haben Sie selbst für Ihre Agentur im Laufe der Zeit gezogen?

Wir haben schon seit einigen Jahren die strenge Politik gefahren, nicht an unbezahlten Pitches teilzunehmen und uns an die Pitch-Etiquette zu halten. Aber bei der Analyse der verlorenen Pitches 2013 haben wir festgestellt, dass es darüber hinaus immer noch eine Menge Faktoren gibt, die wir nicht durch gute Leistungen beeinflussen können. Beispiel: Im Laufe des Prozesses ändert sich die Einstellung des Unternehmens zu bestimmten Beurteilungskriterien wie Umfang oder Budget. Gleichzeitig haben wir unsere Neukunden nicht über Pitches gewonnen, sondern über Empfehlungen oder aus Screenings heraus. Deshalb sind wir jetzt einen Schritt weiter gegangen mit unserer No-Pitch-Policy. Wir befinden uns in einer Testphase, es mal ohne zu probieren.

Gerald Schömbs ist Geschäftsführer der Berliner Agentur Schröder+Schömbs PR

Interview: Uwe Förster

Zum Pitchblog der GPRA: Agenturen aus allen Kommunikationsdisziplinen haben die Möglichkeit, ihre "Foul Cases" oder "Best Cases" aus der täglichen Arbeit unter redaktion@pitchblog.de einzureichen. Nach Erstsichtung übernimmt die Anwaltskanzlei die Einzelprüfung und entscheidet über die Veröffentlichung auf dem Blog. In allen Fällen wird die einreichende Agentur anonymisiert, während die Auftraggeber kenntlich bleiben. Den betroffenen Unternehmen oder Institutionen wird die Chance zur Stellungnahme und Kommentierung gegeben.

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