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News / Nachwuchsdebatte: Lohnzuschlag für Fachwissen
Lan Anh Nguyen, Vorsitzende des PRSH
05.05.2014   News
Nachwuchsdebatte: Lohnzuschlag für Fachwissen
 
In der PR-Nachwuchsdebatte sind die Vereine campus relations (Münster), kommoguntia (Mainz), LPRS (Leipzig) und PRSH (Hannover) aufeinander zugegangen. Die Initiativen haben eine gemeinsame Positionierung gefunden und fordern die Praktiker der Kommunikationsbranche, speziell die Agenturleute, zu Gesprächen mit Ausbildungsinstitutionen und Studierenden über einen Leistungs- und Anforderungskatalog an akademische Berufseinsteiger auf.

Das Anforderungsprofil soll sowohl persönliche, als auch fachliche, studienbezogene Qualifikationen beinhalten. Ziel ist eine individualisierte und differenzierte Beurteilung und Bewertung von PR-Berufseinsteigern. Als Basis für den Dialog mit Vertretern aus Lehre und Praxis haben sich die Vereine auf folgende Punkte geeinigt:

1. Wertschätzung individueller Fähigkeiten
Volontariats- und Traineeprogramme sind an die studienspezifische Vorbildung eines jeden Bewerbers anzupassen. Im Rahmen der Agenturausbildung sollten Lehrinhalte, Dauer und Bezahlung an die persönlichen Fähigkeiten und fachbezogenen Vorkenntnisse der Bewerber angeglichen werden.

2. Berufliche Fortbildung
In der PR-Ausbildung an Universitäten und Hochschulen wird ein umfassendes Verständnis von Kommunikationstheorie, -arbeit und -wirkung vermittelt und analytisches Denken sowie Reflexionsvermögen gefördert. Die weitere Entwicklung erfolgt jedoch im Job und ist primär Aufgabe der Agenturen. Diese sollten den PR-Nachwuchs durch Fort- und Weiterbildungsangebote in ihrer persönlichen und fachlichen Entwicklung unterstützen.

3. Unabhängigkeit der Lehre
Im Sinne einer Professionalisierung des Berufsfeldes müssen Agenturen mit Universitäten und Hochschulen im ständigen Dialog stehen. Ein wechselseitiger Austausch ermöglicht es, die akademische Ausbildung an die Anforderungen der Praxis anzupassen und gegebenfalls auch Defizite in der Lehre aufzudecken. Nichtsdestotrotz muss die Unabhängigkeit der universitäts- und hochschulbezogenen Lehre gewahrt bleiben.

4. Kostendeckende Praktikumsvergütung
Studierende erweitern durch Praktika ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, stellen aber gleichermaßen auch wertvolle Arbeitskräfte für PR-Agenturen dar. Unabhängig von Dauer und Standort muss die Vergütung von Praktika in der PR-Branche mindestens kostendeckend sein.

Eine "kostendeckende Praktikumsvergütung" müsse mindestens die Kosten für den Lebensunterhalt abdecken, erläutert die PRSH-Vorstandsvorsitzende Lan Anh Nguyen. Und mit Blick auf Punkt eins betont sie, dass die Gehaltshöhe individuell an die akademische Vorbildung und Praxiserfahrung des jeweiligen Bewerbers angepasst werden solle. "Es kann nicht sein, dass ein fachfremder Bewerber im Volontariat oder Traineeship dieselbe Vergütung bekommt wie ein Bewerber eines einschlägigen PR- oder Kommunikationsstudiengangs", so Nguyen. Allerdings will sie die PR-Nachwuchsdebatte nicht auf eine Diskussion über Entgelte verkürzt wissen. "Wir wären zum Beispiel auch offen für eine ,immaterielle' Vergütung in Form von umfangreichen Fort- und Weiterbildungsangeboten." Dies müsse jedoch gemeinsam mit Hochschulvertretern und Berufspraktikern besprochen werden.

Den Anstoß für die Ausbildungsdebatte hatte im vergangenen Jahr GPRA-Präsident Uwe Kohrs gegeben, als er dem Nachwuchs unter anderem fehlende soziale Kompetenz vorwarf. Die Nachwuchsinitiative #30u30 des PR Report hat auch vor diesem Hintergrund Ideen zur Frage ausgearbeitet, wie sich junge Talente für die Kommunikationsbranche gewinnen lassen.


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