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05.05.2014   News
Einfluss elitärer Netzwerke auf die Berichterstattung
 
Satirisch hat sich jüngst die ZDF-Kabarettreihe "Die Anstalt" der Frage angenommen, in welchen Beziehungen deutsche Journalisten zu Lobbyorganisationen stehen, die auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik aktiv sind. Ein Buch darüber ist schon länger auf dem Markt. "Meinungsmacht" heißt es. Und Autor Uwe Krüger hat in einem Telepolis-Interview seine Einsichten verraten.

"Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten - eine kritische Netzwerkanalyse" lautet der Untertitel des Buches. Die Arbeit untersucht das Umfeld von 219 leitenden Redakteuren deutscher Leitmedien. Demnach hatte jeder Dritte von ihnen informelle Kontakte mit Politik- und Wirtschaftseliten. Herausgehoben werden vier Außenpolitikjournalisten, die angeblich dichte Netzwerke im "US- und NATO-affinen Elitenmilieu" unterhielten. Ausgehend von der These, dass Politik und Wirtschaft Medien "kognitiv" vereinnahmen, kommt Krüger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig, nach Analyse der von den vier Journalisten verfassten Artikel zu dem Schluss: "Die Journalisten lagen ganz auf Linie mit den Eliten und benutzten sogar klassische Propagandatechniken."

Aus den Ergebnissen seiner Studie leitet Krüger die Forderung ab, "dass Journalisten keine Aufgaben in Organisationen übernehmen sollten, wenn es dort thematische oder personelle Berührungspunkte mit ihrem Berichterstattungsfeld gibt". Für ihn ist eine Grenze überschritten, wenn etwa Außenpolitik-Ressortleiter im Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik vertreten sind und in dieser Funktion die Bundesregierung in Sicherheitsfragen beraten. Es sei viel erreicht, "wenn solche Ehrenämter für Journalisten zum Tabu erklärt würden".

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