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News / Leserkommentare nerven Journalisten – und beeinflussen sie
Die Macher von Online-Fachzeitschriften lassen sich einer Studie zufolge am ehesten von Leserkommentaren beeinflussen.
22.04.2014   News
Leserkommentare nerven Journalisten – und beeinflussen sie
 
Die meisten Journalisten halten Leserkommentare mittlerweile für wenig hilfreich und antworten ihnen selten. Dennoch besprechen 60 Prozent der Redaktionen Kommentare mehr oder weniger regelmäßig – und ein fast ebenso großer Anteil gesteht ihnen Einfluss auf die künftige Berichterstattung zu. Das sind Ergebnisse einer Studie des Ecco PR-Agenturnetzes und des Journalistenportals newsroom.de.

Insgesamt zeigen sich die Journalisten eher genervt von den Leserkommentaren. Nicht einmal mehr jeder Zweite (43,8%) der Antwortenden hält sie für eine sinnvolle Ergänzung der Berichterstattung. Vor drei Jahren lag dieser Wert noch bei mehr als 80 Prozent (84,3%). Gleichzeitig stimmen nur rund 20 (2011: 15,1) Prozent zumindest teilweise der Einschätzung zu, die Meinung der Kommentierer spiegle die Mehrheit der Leser wider.

Die Bedeutung der Kommentare zeigt sich für die Macher der Studie vor allem darin, dass sie in rund 60 (2011: 70) Prozent der Redaktionen regelmäßig besprochen werden. Und das, obwohl nach wie vor rund die Hälfte (51,2 Prozent, 2011: 48,9 Prozent) der Journalisten davon überzeugt sei, dass Leserkommentare in erster Linie nur von denjenigen gelesen werden, die sie auch selbst schreiben.

Der Ton wird polemischer

Der Stil der Kommentare ist in den letzten Jahren offensichtlich weniger sachlich und teilweise polemischer geworden. Gaben 2011 noch 68,2 Prozent der Antwortenden an, die Diskussionen seien in hohem Maß oder überwiegend sachlich, hat sich dieser Anteil auf 59 Prozent deutlich reduziert. Gleichzeitig ist der Anteil derer, die den Ton als polemisch bezeichnen, von 10,8 auf 16,9 Prozent gestiegen.

Der Anteil der Medien, die ihren Lesern die Möglichkeit zu Kommentaren via Facebook geben, hat sich von 11 auf 29,5 Prozent nahezu verdreifacht. Bei der Beliebtheit rangieren Social-Media Kanäle aber noch hinter der klassischen E-Mail. Hier steht der direkte Kommentar unangefochten an der Spitze der Skala.

Kaum Dialog mit der Redaktion 

Die Möglichkeit zum direkten Dialog mit den Lesern nutzen Journalisten nur selten. Jeder Siebte der Befragten (14,3% nach 13,2% in 2011) nutzt das Angebot des eigenen Mediums häufig. Hin und wieder betätigen sich dort 28,6 (2011: 25.7) Prozent der Journalisten. Mit rund 60 Prozent war und ist die Mehrheit waren dort kaum bis gar nicht aktiv.

"Unsere Untersuchung zeigt erneut sehr deutlich, dass Unternehmen es sich nicht leisten können, Leserkommentare zu ignorieren. Sie tragen trotz aller Vorbehalte erheblich zur Meínungsbildung in den Redaktionen bei", kommentiert Lutz Cleffmann, Geschäftsführer von ECCO Düsseldorf/EC Public Relations (GPRA) die Ergebnisse. Er empfiehlt, diese Bereiche in die Medienbeobachtung einzubeziehen und gegebenenfalls auch zu reagieren. "Wenn die Redaktionen darüber reden, sollte die Möglichkeit genutzt werden, den eigenen Standpunkt in die Diskussion einzubringen."

Die Studie ist kostenfrei online erhältlich

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