Please wait...
News / Ringen um gute Reputation
25.03.2014   News
Ringen um gute Reputation
 
Bei Deutschlands größtem Geldhaus soll eine neue Kultur verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Unablässig mühen sich Kommunikationschef Thorsten Strauß und sein Team, die Ernsthaftigkeit des Unterfangens nach innen und außen zu belegen. Doch Skepsis bleibt – auch, weil die Spitze der Bank ungeschickt agiert. Von Bijan Peymani

2013 sei für die Deutsche Bank „ein Jahr grundlegenden Fortschritts“ gewesen, bekräftigte Co-Vorstandsboss Jürgen Fitschen mit Blick auf den eingeleiteten Kulturwandel Ende Januar auf der Bilanzpressekonferenz, „ein Jahr, in dem das Fundament gelegt wurde“. Vorausgegangen war eine interne Umfrage, an der sich gut jeder zweite der knapp 100.000 Deutschbanker beteiligt hatte. Wenige Monate später präsentierte der Führungszirkel einen Wertekanon, an dem sich seither alles Geschäftsgebaren ausrichten soll.

Parallel dazu hat die Deutsche Bank ihre Anreiz- und Vergütungssysteme verändert, interne Kontrollsysteme und -funktionen gestärkt – bis 2015 will sie dafür eine Milliarde Euro locker machen – und die Compliance-Abteillung um rund 200 Mitarbeiter ausgebaut. In diesem Jahr solle erneut eine vergleichbare Zahl hinzukommen, kündigt Fitschen an. „Der Kulturwandel ist kein Lippenbekenntnis oder eine PR-Maßnahme“, verdeutlicht Vorstandsmitglied Stephan Leithner, „er ist eine fundamentale Veränderung in der Art, wie wir denken und handeln.“


„Es ist ein langer Prozess...“
Um dies ihren Führungskräften nahezubringen, hat die Bank ihre 500 Managing Directors dazu verpflichtet, externe Dialogveranstaltungen zu besuchen. Begleitet werden diese seit Mai 2013 von der dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln angeschlossenen Akademie für Integres Wirtschaften. „Unser Part besteht darin, den Teilnehmern zu vermitteln, wie sie den Kulturwandel im Alltag tatsächlich umsetzen können“, erklärt Akademie-Chef Dominik Enste. Jeweils donnerstags und freitags bilden bis zu 20 Top-Kräfte einen Kreis.

In Kürze wird der erste Schulungszirkel mit den Säulen Ethik, Ökonomie und Psychologie abgeschlossen sein, dann durchlaufen die Banker die Veranstaltungen ein zweites Mal. Laut Enste sollen sie dabei ihre Erfahrungen austauschen und diskutieren, inwieweit sich die Kultur innerhalb der Deutschen Bank tatsächlich wandelt. „Es ist ein langer Prozess, den die Deutsche Bank da vor sich hat“, räumt der Wirtschaftswissenschaftler ein, „das kann man nicht lösen, indem man einfach einen Schalter umlegt.“ Und so bittet auch die Bank Medien und Öffentlichkeit um Zeit.


Das richtige Team?
Doch diese Beobachter bleiben skeptisch. Sie fragen sich vor allem, warum ausgerechnet jenes Duo, das die Skandale der vergangenen Jahre verantwortet oder wenigstens mitgetragen hat, qualifiziert sein soll, Reputation und Respekt für das Haus innerhalb der Gesellschaft wiederzuerlangen. PR-Chef Thorsten Strauß, der sein internationales Team derzeit entlang der Herausforderungen aufstellt, erntet bei Berufskollegen Respekt, aber auch Mitleid. Von außen betrachtet sei ein „Hauptproblem der Deutschen Bank, dass nicht wirklich ein Wendepunkt erkennbar ist“, analysiert Ernst Primosch, Kopf von Hill+ Knowlton Strategies Deutschland. Mit Blick auf die Rolle von Fitschen und seinem „Co“ Anshu Jain findet das Unternehmen keine befriedigende Antwort. Aufsichtsratschef Paul Achleitner sieht in den beiden schlicht „das richtige Team, um die Dinge im Sinne der Bank voranzutreiben“. Jain selbst äußert, es gebe „keinen Zweifel daran, dass ich geeignet bin – weder bei uns noch bei unseren Kunden“.

Das ist ein bisschen dünn, bedenkt man, dass Jain als ehemaliger Leiter der Investmentsparte in der Wahrnehmung mancher für jene windigen Geschäfte steht, die dem Image der Deutschen Bank geschadet haben.

Wenig hilfreich für den Wandel der Bank zum anständigen Unternehmen scheint auch, wie dünnhäutig Fitschen wiederholt öffentlich reagiert. Auf einer Veranstaltung der Bundesbank kanzelte der 65-Jährige, zugleich Präsident es Bundesverbandes Deutscher Banken, Kritiker jüngst als „arrogant und respektlos“ ab. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Magazin & Werkstatt