Please wait...
News / "Wir warten weiter"
Rüdiger Maeßen
14.03.2014   News
"Wir warten weiter"
 
Wieder strömten mehr als 30.000 Besucher zur Digitalkonferenz South by Southwest (SXSW) Interactive in Austin, Texas. Die Veranstaltung gilt als Pulsmesser der digitalen Wirtschaft, zeigt neueste Technologietrends und Innovationen. Allerdings: Das nächste große Ding - the next big thing - war in diesem Jahr wieder nicht dabei. Und Branchengrößen wie Google, Facebook und Foursquare waren auf der Veranstaltung erst gar nicht oder sehr reduziert vertreten.

Die meisten der gezeigten Ideen knüpfen vielmehr an Trends und Innovationen an, die sich bereits in den Vorjahren abzeichneten. Augenfälligstes Beispiel: Als "Most Innovative Company" wurde dieses Jahr The Eye Tribe ausgezeichnet, ein auf Eye-Tracking spezialisiertes Unternehmen aus Kopenhagen. Die SXSW Interactive 2014 war weiterhin beherrscht von Themen wie Big Data, verbunden mit der Fragestellung, wie aus den gewaltigen Datenmengen verwertbare Informationen geschöpft werden. Es gab "Wearables" in allen erdenklichen Formen zu bestaunen: smarte Brillen, vernetzte Uhren, Armbänder oder Kleidungsstücke mit Sensoren und Google stellte gleich dafür auch die entsprechende Software-Plattform vor. Weitere Trendthemen waren 3D-Printing und die Bedeutung von Privatsphäre in sozialen Netzwerken.

Appell an die digitale Elite: Edward Snowden

Und dann gab es eben doch noch ein Highlight auf der SXSW Interactive: Die erste Live-Diskussion mit Edward Snowden, der mit seinen Enthüllungen über die Überwachungstechniken der NSA das Vertrauen in die digitale Infrastruktur grundlegend erschüttert hatte. In der Diskussion via Google-Hangout forderte Snowden die Veranstaltungsbesucher dazu auf, zur Verfügung stehende Sicherheitstechnologien nicht nur zu nutzen, sondern vor allem weiterzuentwickeln - als Gegenwehr gegen die Ausspähaktionen der NSA. Er stellte mit seinen Themen auch den Live-Streaming-Auftritt von Julian Assagen medial deutlich in den Schatten. Fand die Übertragung von Snowdon doch international ein großes Medienecho. Interessantes Detail am Rande: Ein US-amerikanischer Kongressabgeordneter aus Kansas hatte die Konferenzleitung im Vorfeld per Brief (ganz analog) darauf gedrängt, den Snowden-Vortrag aus dem Programm zu streichen - vergeblich.

"Maker"-Kultur wird Mainstream

Eine weitere Erkenntnis der SXSW Interactive: Die Technologie für den 3D-Druck, bis vor wenigen Jahren für Otto Normalverbraucher noch unerschwinglich, wird immer kostengünstiger und vor allem leichter zu bedienen. Wie leicht, demonstrierte Emanuel Rahm, seines Zeichens Bürgermeister von Chicago. Er fräste live einen Flaschenöffner mit seinem Namen, computergestützter CSC-Fräse sei Dank. Ob der 3D-Druck von Lebensmitteln (Chefjet von www.3dsystems.com) ein Trend wird, bleibt abzuwarten. Aber die Technologie für das "Selbermachen" ist jetzt massentauglich. Damit zählen nicht mehr "Form" oder "Function" sondern nur noch die Fans, die für ein Produkt zu begeistern sind. Denn die für den Vertrieb notwendigen Plattformen sind etabliert.

Localisation unabdingbar in der Kommunikation

Die SXSW Interactive richtet sich mit ihren Themen immer auch an Kommunikations- und Marketingexperten. Speziell im Fokus stand die Lokalisierung. Neue Dienste wie MaxPoint, Yodle und Verve Mobile drängen auf den Markt. Zwar bestreitet keiner, dass der Inhalt weiterhin "King" ist - aber die Verteilung von Informationen zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort für die richtige Zielgruppe auf das passende Endgerät gewinnt eine zentrale Bedeutung. Damit einhergehend ist auch das "Transmedia Storytelling" in der Unternehmens- und Produktkommunikation angekommen. Eine der Leitfragen der SXSW Interactive dazu in diesem Jahr: Wie lässt sich eine Multiplattform-Kommunikation gestalten.

Wie fällt die SXSW-Bilanz in diesem Jahr aus? Der Wow-Effekt ist ganz klar ausgeblieben. Neue Tools und Technologien nutzen die heute verfügbaren technologischen Möglichkeiten, um sie für unterschiedliche Lebensbereiche und Zielgruppen anwendbar zu machen. Es lohnt sich aber, kleine, feine Entwicklungen im Auge zu behalten, denn sie könnten die großen Player schnell in den Schatten stellen. Beispiel Jally, die neue Anwendung des Twitter-Miterfinders Biz Stone: die fotobasierte Frage-Antwort-App nutzt das Netzwerk des Anwenders, um schneller Antworten zu finden, die das Internet heute noch nicht geben kann.

Natürlich gibt es keine SXSW Interactive ohne die Kuriositäten des Social Web: Auch in diesem Jahr setzte sich "Grumpy Cat" medial erfolgreich gegen neue Konkurrenz ("Lil Bub" und "Colonel Meow") durch - wer ein gemeinsames Foto haben wollte, musste da schon mal Wartezeiten von 30 Minuten und mehr in Kauf nehmen.

Rüdiger Maeßen ist Managing Partner von Ketchum Pleon Düsseldorf / Bonn und Head of Digital & Social Media Germany. Er twittert unter @rmaessen
 

Newsletter

Sie wollen immer auf dem Laufenden sein?

Magazin & Werkstatt