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News / Ronald Pofalla als Chef-Lobbyist der Bahn im Gespräch
Ronald Pofalla (c) CDU / slomifoto.de
02.01.2014   News
Ronald Pofalla als Chef-Lobbyist der Bahn im Gespräch
 
Der langjährige Vertraute von Angela Merkel, Ronald Pofalla (Foto), 54, soll Medienberichten zufolge als Chef-Lobbyist in den Vorstand der Deutschen Bahn wechseln. Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters und die Saarbrücker Zeitung, sie berufen sich dabei auf mit der Personalie vertraute Personen.

CDU-Mann Pofalla, seit 1990 im Bundestag, soll demnach für politische Kontakte in Berlin und in Brüssel zuständig werden. Dafür werde ein entsprechender Posten neu geschaffen. Die Bahn hat seit dem Amtsantritt von Unternehmenschef Rüdiger Grube im Jahr 2009 keinen Vorstand für Politik mehr. Grube hatte diese Aufgaben zur Chefsache gemacht. Für die politischen Kontakte unterhalb der Vorstandsebene ist derzeit der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Georg Brunnhuber, 65, zuständig.

Aufsichtsrat tagt im März

Bei der nächsten Bahn-Aufsichtsratssitzung im März könnte Pofalla ernannt werden, heißt es. Ein Bahn-Sprecher sagte den Berichten zufolge, das Unternehmen nehme grundsätzlich nicht zu Personalfragen Stellung. Ein Vorstandsposten bei der Bahn wird nach Angaben der Saarbrücker Zeitung mit 1,3 bis 1,8 Millionen Euro im Jahr vergütet.

Pofalla, der als Ex-Kanzleramtschef im Dezember überraschend seinen Rückzug aus der ersten Reihe der Politik angekündigt hatte, hat derzeit noch ein Mandat für den Bundestag. Er hatte im Dezember angekündigt, vor einem Wechsel in die Wirtschaft eine "Abkühlphase" einzulegen.

Der Geschäftsführer von Transparency Deutschland, Christian Humborg, äußerte sich dem "Kölner Stadt-Anzeiger" gegenüber kritisch zu dem möglichen Wechsel von Pofalla zur Bahn. "Angela Merkel unterzeichnet den Koalitionsvertrag mit Plänen zu Regelungen zum Drehtüreffekt und dann erlaubt sie ihrem Vertrauten Pofalla, zu einem Staatsunternehmen zu wechseln", sagte Humborg dem Blatt. "Dieser Wechsel zum Staatsunternehmen Deutsche Bahn ist unseres Erachtens ein weiteres Beispiel für den Verfall politischer Sitten. Pofalla wird sein Bundestagsmandat zurückgeben müssen. Wir finden es unanständig, wenn er sich erst von den Menschen wählen lässt, um nur wenige Wochen später auf einen lukrativeren Job in der Wirtschaft zu wechseln. Und wir finden es problematisch, wenn der Cheflobbyist ein Vorstandsressort erhält."

Zuletzt hatte der direkte Wechsel von Staatsminister Eckart von Klaeden (CDU) aus dem Kanzleramt zum Daimler-Konzern für Kritik gesorgt. Im November wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Berlin gegen den CDU-Politiker wegen möglicher Vorteilsannahme ermittelt.


Mehr dazu im Netz:

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