Please wait...
News / Zeigen sie die besten PR-Kampagnen Europas? Ja und Nein!
06.12.2013   News
Zeigen sie die besten PR-Kampagnen Europas? Ja und Nein!
 
Auch auf den Eurobest Awards, der kleinen Schwester des Kreativfestivals in Cannes, gibt es jetzt die Kategorie "Public Relations". Eine Jury von zehn internationalen PR-Professionals, von denen ich dieses Jahr die Ehre hatte einer zu sein, bewertete Kampagnen in zwölf unterschiedlichen Techniken - von "Best use of Digital PR" bis zu hin zu "Public Affairs".

Die Preise werden am heutigen Freitag vergeben und man wird an den Auszeichnungen sehen, dass sowohl sehr kreative und zugleich effiziente Arbeiten geehrt werden. Die Grand Prix-, Gold-, Silber- und Bronze-Gewinner des diesjährigen Eurobest Awards zählen mit Sicherheit zu den besten PR-Kampagnen Europas.

Und doch ist es schwierig zu sagen, dass dies wirklich die besten Kampagnen sind. Warum?

Zum einen sind die Einreichungen in manchen Kategorien noch weit hinter den Erwartungen, was die Menge angeht. Auch regional ist die Verteilung nicht ausgewogen. Während die skandinavischen Länder, allen voran Schweden, bestens vertreten sind, sowie auch einige kleine Staaten wie Rumänien, gibt es nur wenige Einreichungen von grossen Märkten wie UK, Deutschland oder Frankreich. Spanien hat sich, so scheint es, aufgrund der Finanzkrise vorübergehend völlig aus dem Award-Geschäft zurückgezogen. Dort wurde auch der nationale Award ausgesetzt.

Auch mangelt es Kategorien wie Public Affairs, die das sensible Geschäft der PR besonders berühren, an Einreichungen.

Dazu mögen auch die Einreichungskriterien eine Rolle spielen. Bei den Eurobest Awards ist zwar eine Videoeinreichung nicht zwingend, doch wer gewinnen will, muss hier visuell stark überzeugen. Eine Spielregel, die in Kategorien wie Outdoor und Design locker gemeistert werden kann, die allerdings für viele gute PR-Kampagnen zur Bürde und Hürde wird.

So sind viele Einreichungen, die der PR-Jury vorgelegt wurden, integrierte Kampagnen, die in vielen Kategorien mehrfach eingereicht wurden. Dies ist legitim und angesichts des Kostenaufwands zur Produktion der Einreichung auch verständlich. Es obliegt dann der Jury, genau hinzusehen, um PR-spezifische Elemente und Taktiken sowie deren Erfolg zu prüfen. Oft kein leichter Job.

Werber dominieren

Doch dies erklärt auch, warum ähnlich wie in Cannes, so auch bei den Eurobest Awards in Lissabon, die meisten Einreichungen duch klassische Werbeagenturen erfolgten und warum auch viele Werber den Sieg in der PR-Kategorie davon tragen.

Es ist kein Urteil darüber, wie gut oder schlecht Kampagnen von PR-Agenturen in Europa sind, sondern darüber, dass wir in Zukunft in diesen für uns PRler "neuen Awards" noch viel mehr einreichen sollten - und zwar in weit mehr Kategorien als "nur" PR und dass wir uns auch einüben müssen, die Einreichungen passend für diese Awards zu gestalten.

Übergeordnet können wir sehr stolz sein, welch große Anerkennung unserer Disziplin sowohl in Cannes als auch auf den Eurobest Awards entgegengebracht wird. Kaum ein Talk, kaum ein Seminar des begleitenden Vortragsprogrammes, das nicht über PR spricht, das nicht betont, dass eine Kampagne erst dann gut ist, wenn sie Berichterstattung und Engagement generiert. "Earned Media" scheint das neue Lieblingswort der Werbeagenturen zu sein und da haben wir PRler doch ein gehöriges Wörtchen mitzureden.

Es wird vielleicht noch ein paar Jahre dauern, bis bei den Eurobest Awards ähnlich viele Kampagnen von PR-Agenturen eingereicht werden, wie beim European Excellence Award, der fast parallel verliehen wird. Und wo ähnlich viele PR-Agenturen beim Eurobest Award in der Gala sitzen wie beim EEA heute in München.

Aber ich bin da ganz zuversichtlich.

Petra Sammer ist seit 2010 Chief Creative Officer von Ketchum Pleon

Magazin & Werkstatt