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News / Wie sich Drittrechte bei der Bildnutzung wahren lassen
Abgebildete Personen, Marken und Geschmacksmuster genießen eigene Persönlichkeits- und Schutzrechte. © Cultura/Simon Potter
04.12.2013   News
Wie sich Drittrechte bei der Bildnutzung wahren lassen
 
Drittrechte sind all jene Rechte, die über das Urheberrecht des Fotografen hinausgehen. Abgebildete Personen, Marken, Kunstwerke, Geschmacksmuster und Häuser also, die eigene Persönlichkeits- und Schutzrechte genießen. Denn mit dem Hinweis auf den Urheber eines Bildes ist es häufig nicht getan.

Eine kleine Übersicht:

Abgebildete Personen

Das ist ziemlich eindeutig: Kein Mensch darf ohne seine Einwilligung abgelichtet werden. Noch weniger darf ein Bild mit seinem Konterfei einfach veröffentlicht werden. Jede abgebildete Person muss schriftlich einer weiteren Verwendung des Bildes für die geplante Nutzung zustimmen (Model Release).

Marken

Es verhält sich bei allen gezeigten Produkten, die eindeutig einer Marke zuzuordnen sind, genau wie bei Personen. Die Markenschutzrechteinhaber müssen einer Veröffentlichung zustimmen. Es sollte also immer darauf geachtet werden, Produkte nicht allzu deutlich zu zeigen, zum Beispiel, das Logo und besondere Kennzeichen zu verbergen. Wer ein Glas Cola zeigen will, sollte also das Getränk in einem neutralen Glas wählen und nicht in Verbindung mit der unverkennbaren Flasche oder Teilen des Logos. Auch ein Smartphone sollte so eingeschränkt abgelichtet werden, dass der Hersteller nicht eindeutig zu identifizieren ist, dann kann nichts passieren.

Kunstwerke

Jedes schöpferische Werk ist geschützt, so also auch ein Gemälde, eine Skulptur oder andere Kunstwerke. Wer diese ablichtet, verletzt - sofern er nicht die Einwilligung des Schöpfers oder seines Vertreters eingeholt hat - das Urheberrecht des Künstlers. Und wer ein Foto eines Kunstwerkes verwenden will, muss gleich zweimal die Urheberrechte berücksichtigen: Die des Schöpfers des abgebildeten Werkes und die des Fotografen. Einschränkungen finden Sie im Punkt Panoramafreiheit.

Gebäude

Ja, auch Gebäude sind schöpferische Werke und genießen einen urheberrechtlichen Schutz, zumindest, wenn sie nicht in die Kategorie der funktionalen "Allerweltsgebäude" gehören. Ist der individuelle Stil eines Architekten erkennbar, ist das Gebäude geschützt. Das gilt übrigens bereits für die Bauzeichnung. Einschränkungen finden Sie im Punkt Panoramafreiheit.

Geschmacksmuster

Ästhetische Gestaltungsformen wie Grafiken, Muster und andere Darstellungen von bestimmten Farb- und Formkombinationen können ebenfalls urheberrechtlich relevant sein, wenn sie nach dem Geschmacksmusterrecht geschützt wurden. Auch hier gilt: Wenn die Einzigartigkeit einer Darstellung eindeutig ist, und diese Darstellung geschützt ist: Finger weg oder Einwilligung einholen.

Panoramafreiheit

Mit der gesetzlich verankerten Panaromafreiheit (§59 UrhG) werden manche Urheberrechte im Sinne der Öffentlichkeit etwas entschärft. So dürfen Gebäude und Denkmäler, die von öffentlichen Wegen aus einsehbar sind, von dort aus auch ohne besondere Genehmigung fotografiert und sogar veröffentlicht werden - sofern dabei nicht andere Rechte wie die der Bewohner verletzt werden. Man spricht bei Panoramafreiheit auch von der Straßenbildfreiheit.

Übrigens: Die Panaromafreiheit gilt in Deutschland nicht, wenn die Fotos vom Grundstück eines Gebäudes aus gemacht wurden, das nicht öffentlich zugänglich ist! Dann nämlich hat das Hausrecht Vorrang, das besagt, dass der Eigentümer zu verfügen hat, was getan darf oder unterlassen werden muss. Hierzu gab es einen aufsehenerregenden Fall im Jahr 2010. Damals entschied der Bundesgerichtshof zugunsten der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Diese hatte eingeklagt, dass sämtliche Fotos und Werke, die auf den Grundstücken der mehr als 150 historischen Gebäuden (darunter z. B. das Schloss Sanssouci) und über 800 Hektar Parklandschaften entstehen, von der Stiftung zur Verwendung freigegeben werden müssen. Auch wenn die Schlösser und Parkanlagen allesamt frei zugänglich sind: Der BGH hat in diesem Fall entschieden, dass die Rechte des Eigentümers, also der Stiftung, in diesem Falle schwerer wiegen als die der Öffentlichkeit.

Deutsches Recht unterscheidet sich vom Recht anderer Länder: In Österreich dürfen Bilder des Hundertwasser-Hauses in Wien auch dann gezeigt werden, wenn aus dem Haus gegenüber fotografiert wurde, auch wenn der Hausherr zustimmte. In Italien und Frankreich gibt es keine Panoramafreiheit.

Michaela Koch und Alexander Karst sind Die Bildbeschaffer GmbH aus Hamburg. Als Spezialagentur für Bildrecherche und Lizenzierung beraten sie Unternehmen und Agenturen in allen Fragen rund um das Bildmanagement.
 

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