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Prof. Dr. Alexander Schleppers
25.11.2013   News
Berufsverband Deutscher Anästhesisten e.V. (BDA): Prüfen, rufen und drücken
 
Projekt: Kampagne „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“
Aufgabe: Die Botschaft „Prüfen. Rufen.
Drücken!“ erlebbar machen, Mitglieder mobilisieren und als Unterstützer
gewinnen
Kunde: Berufsverband Deutscher Anästhesisten e. V.
Agenturen: circlecomm, Agentur für Gesundheitskommunikation, mangler+noller. living communication

Ein plötzlicher Herzstillstand kann jeden treffen. Obwohl jeder helfen könnte, greifen lediglich 15 Prozent der Bürger im Ernstfall ein. Deutschlands Anästhesisten haben sich zum Ziel gesetzt, diese Ersthelferquote zu erhöhen – für jährlich mehr als 5.000 zusätzlich gerettete Leben. Im Rahmen der Kampagne „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ startete die „Woche der Wiederbelebung“, um Berührungsängste in der Bevölkerung abzubauen und so viele Menschen wie möglich in Reanimation zu schulen.


Aufgabenstellung
Eine aktuelle Auswertung der Daten des German Resuscitation Council (GRC) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) zeigt: In Deutschland beginnen in nur 15 Prozent der Fälle Laien vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Mit diesem Wert ist Deutschland Schlusslicht in Europa – in Schweden und Norwegen etwa starten 60 Prozent der Bevölkerung im Notfall mit einer Herzdruckmassage.
Gemeinsam mit der DGAI, dem GRC sowie der Stiftung Deutsche Anästhesiologie verfolgt der Berufsverband Deutscher Anästhesisten e. V. (BDA) das Ziel, die Ersthelferquote in Deutschland nachhaltig zu erhöhen. Denn das Tätigkeitsfeld der Anästhesisten umfasst nicht nur das Legen einer Narkose, sondern auch die Schwerpunkte Notfallmedizin, Intensivmedizin und Schmerztherapie. Als Notfallmediziner meistern sie in Klinik und Rettungsdienst lebensbedrohliche Situationen und sind kompetente Ansprechpartner beim Thema Wiederbelebung. Mit der Erhöhung der Wiederbelebungsrate durch Laienhelfer könnten in Deutschland jährlich rund 5.000 Menschenleben zusätzlich gerettet werden.

Unter dem Motto „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ initiierten die Absender der Kampagne eine Aktionswoche, bei der sich die Verbandsmitglieder mit eigenen, kreativen Events beteiligen konnten. Die lebensrettende Botschaft „Prüfen. Rufen. Drücken!“ wurde so nach außen getragen und erlebbar.
Die auf fünf Jahre ausgelegte Kampagne verfolgt die Hauptziele:
Abbau von Berührungsängsten von Laien zum Thema Wiederbelebung. Steigerung der Laienreanimationsrate in Deutschland. Positionierung der Anästhesisten als Experten für Notfallmedizin/Laienreanimation.

Umsetzung
In der „Woche der Wiederbelebung“ fanden vom 16. bis 22. September 2013 zahlreiche Aktionen in ganz Deutschland statt. Die Initiatoren bauten dabei auf zahlreiche Mitgestalter aus den eigenen Reihen. Ein wichtiger strategischer Schritt war die Gewinnung von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr als Schirmherr. Die gesamte Kampagne setzte auf echte Vorbilder, welche die Relevanz des richtigen Verhaltens im Notfall erklären: Hierfür traten Retter und Gerettete sowie prominente Vorbilder gleichermaßen ein. Für die Initiatoren stand das Erleben der Botschaften im Mittelpunkt, also: mitmachen und das Reanimieren an Übungspuppen selbst üben.

Veranstaltungen fanden nicht nur in Kliniken, sondern auch in Schulen, Betrieben, öffentlichen Einrichtungen, Fußgängerzonen und Hilfsorganisationen statt. Im Mittelpunkt der Kommunikationsstrategie stand die aktive Gewinnung einer Vielzahl von „Überzeugungstätern“ – Menschen, die die Botschaft „Prüfen. Rufen. Drücken!“ in ihr eigenes Netzwerk weitertragen.

Zur Umsetzung stand für alle Teilnehmer ein kreativer Aktionskoffer bereit, mit dessen Hilfe Events vor Ort geplant und durchgeführt werden konnten. Parallel dazu richtete die koordinierende Kampagnen-Agentur circlecomm ein Servicebüro ein und stand den Aktions-Teilnehmern bei ihrer regionalen Öffentlichkeitsarbeit zur Seite. Die Verbände setzten Impulse und gaben Anreize für Ideen für regionale Netzwerk-Events, Schulungen und Pressearbeit. Die Anästhesisten konnten so als Initiatoren das Thema in Form von Info-Vorträgen, Wiederbelebungstrainings oder Flashmobs in die Öffentlichkeit tragen.

Für besonders aktive Städte stand eine intensive Unterstützung für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bereit. In Zusammenarbeit mit der Uniklinik Münster wurde eine außergewöhnliche Idee geplant und umgesetzt: Ein Weltrekord im gleichzeitigen Reanimationstraining.
Überregional gewann die Kampagne zusätzlich durch das Engagement von Comedian Kaya Yanar an Aufmerksamkeit: Die Botschaft „Prüfen. Rufen. Drücken!“ gelangte mit einem eigens produzierten Spot auf humorvolle Art und Weise ins öffentliche Bewusstsein.
Für die Bekanntmachung der „Woche der Wiederbelebung“ bei Aktionsteilnehmern und in der Bevölkerung wurde ein Mix aus verschiedenen Kommunikationskanälen gewählt:
PR-Kampagne: Kampagnenkoffer mit Ideen für eigene Events, Servicebüro für Aktionsteilnehmer für Fragen und Koordination. Klassische Medienarbeit: Presseveranstaltung im Bundesministerium, Presseaussand an Print- und Online Medien, Themenplacement, Zahlen und Fakten zur Wiederbelebung, Experten-Interviews, Storys von Rettern und Geretteten, FAQ. Social Media: Kommunikation über Facebook und Twitter, YouTube sowie Blogger Relations. Verbandskommunikation: „Call to action“-Mailings an alle Mitglieder, Beiträge in Verbandsmedien, Bereitstellen eines Aktionskoffers mit Materialien zur Bekanntmachung und Durchführung eigener Veranstaltungen. Aktionswebsite: www.einlebenretten.de zum Download des Kampagnenkoffers, Verknüpfungen zu Facebook und Twitter. Klassische Werbung: TV und Kino, digitale Displays (bundesweit), sowie Plakatwände.

Ergebnis
Mehr als 800 Kliniken, Rettungsdienste, Betriebe und Schulen haben die „Woche der Wiederbelebung“ mit eigenen Aktionen regional zum Leben erweckt: Durchschnittlich wurden auf jedem Event rund 200 Besucher geschult – insgesamt knapp 170.000 Menschen. Medizinisches Fachpersonal, Schüler und neugierige Besucher haben die Aktionswoche bundesweit zu einem besonderen Erlebnis gemacht. Die Teilnehmer kamen dabei nicht nur aus den Reihen der Anästhesiologie: Auch Ärzte anderer Fachrichtungen, wie etwa Innere Medizin oder Kardiologie, veranstalteten Aktionen zur „Woche der Wiederbelebung“.

Durch die auf ganz Deutschland verteilten Aktionen wurde der Blick der Öffentlichkeit auch überregional auf das Thema gelenkt. Der persönliche Einsatz bekannter Fürsprecher steigerte zudem die Präsenz auf allen Kanälen. Während der Pressekonferenz im Ministerium legte Gesundheitsminister Daniel Bahr selbst Hand an und führte an einer Übungspuppe die richtige Wiederbelebungstechnik vor. „Prüfst du – rufst du – drückst du“ lehrte Kaya Yanar im Video, das über TV, Kino und Social Media Millionen von Menschen erreichte. Die crossmediale Kampagne erreichte über 735 Millionen Medienkontakte – im Schnitt also jeden Einwohner Deutschlands acht Mal. Mit der Aktionswoche sind die Initiatoren dem Ziel, das Bewusstsein und die Handlungsfähigkeit in der Bevölkerung für das Thema Wiederbelebung zu schärfen, ein Stück näher gekommen.

Ein bemerkenswertes Ergebnis wurde in Nordrhein-Westfalen erreicht: Als erstes Bundesland hat es die Integration von Reanimationstraining in den schulischen Lehrplan in einen Erlass aufgenommen.

Der entscheidende Erfolgsfaktor der Kampagne war der hohe Erlebnis- und Mitmachfaktor bei den Veranstaltungen. In den kommenden Jahren soll daran angeknüpft und die Ersthelferquote um 2 Prozentpunkte erhöht werden.

Der Autor
Prof. Dr. Alexander Schleppers ist ärztlicher Geschäftsführer des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e. V. sowie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin.

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