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News / Herr Sonneborn und die Deutsche Bank
13.11.2013   News
Herr Sonneborn und die Deutsche Bank
 
Ordentlich Staub wirbelte in dieser Woche ein Besuch des Ex-Titanic-Satirikers Martin Sonneborn bei der Deutschen Bank auf - ausgestrahlt bei der "Heute Show" am vergangenen Freitag.

Der Inhalt: Sonneborn stellt eine Interview-Anfrage an die Deutsche Bank, deren Rückmeldung enthält entsprechende Antworten - und ganz neue Fragen. Davon angestachelt will Sonneborn das von der Bank vorgestanzte Interview vor Ort in Frankfurt wortgetreu nachstellen. Der Deutsche Bank-Mann macht dabei keine gute Figur. Vier Wochen zuvor war derselbe Beitrag bereits auf dem ZDF-Junge-Leute-Kanal ZDF Neo gesendet worden, ohne dass es eine Welle gegeben hätte. Die brachte erst die Zweitverwertung in der "Heute Show" vor einem Millionenpublikum.

Seitdem gehen die Meinungen und Kommentare zu dem kurzen Stück auseinander: Die Masse amüsiert sich über die Pressestelle der Bank, die sich von Sonneborn offenbar narren ließ. Klischeehaft wird der Bank die Arroganz unterstellt, dem Journalisten weichgespülte Worte unterzuschieben - statt zu kritischen Fragen Stellung nehmen zu wollen.

Eine andere Perspektive sieht so aus: Freilich gab sich Sonneborn nicht von vorneherein zu erkennen. Die Interviewanfrage kam von der Produktionsfirma. Sie arbeite an einer Reportage zum Thema Banken und Finanzen, Zielgruppe: Junge Leute. Die Bank habe "seine" Fragen als zu komplex für ein junges Publikum abgelehnt, sagte Sonneborn unlängst der "FAZ".

Die Bank entgegnete Anfang der Woche in einem Statement: Die Reportage habe "möglichst locker, nicht zu fachspezifisch und ernst" daherkommen sollen, zitiert Bank-Sprecher Ronald Weichert. "Die der Produktionsfirma zugesandten Fragen und Antworten waren keine Vorgaben für ein Interview, sondern Beispiele", die dem CSR-Projekt "Finanzielle Allgemeinbildung" entnommen worden seien. Ein Projekt, unter dessen Flagge Sonneborns Interviewpartner - kein PR-Mann und offenbar auch kein regelmäßiger "Heute Show"-Zuschauer - auch in Schulen auftritt, um die Pennäler für wirtschaftliche Zusammenhänge zu interessieren und eventuell fürs Bank-Business zu gewinnen.

Die Deutsche Bank bietet durchaus viele Angriffsflächen für kritischen Journalismus, doch diese waren hier zunächst gar nicht auf der Agenda. Die Kommunikation der Bank ging offensichtlich von CSR-Kommunikation aus - und geriet dann an Sonneborn, ohne das zu bemerken. Diesen Fehler muss sich die Bankkommunikation eingestehen. Ähnliche "konstruktive Hilfestellungen" aus der PR-Abteilung sind indes nicht unüblich, als "externe Expertise" in vielen TV-Produktionen gar willkommen.

In diesem Fall wurde aus dieser Praxis für die Bank ein Eigentor.


Mehr zum Thema im Netz:
Sonneborn-Interview bei "Meedia"
"Handelsblatt"
 

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