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21.10.2013   News
Aus einem Guss
 
Neue Kommunikationsstruktur Der Stahlhersteller Thyssen Krupp hat seine Kommunikation reorganisiert. Wichtigste Änderungen sind eine Matrixstruktur analog zum Unternehmen und eine künftig konzernweite Steuerung aus der Hauptverwaltung in Essen heraus. Von Bijan Peymani

Im Rahmen seines Change-Prozesses unter dem Namen „ACT“ hat Thyssen Krupp seine Kommunikationstruppen in den vergangenen Monaten neu aufgestellt. Konzernsprecher Alexander Wilke setzt damit sein in diesem Frühjahr angekündigtes Vorhaben um, den von ihm geleiteten Verantwortungsbereich zu zentralisieren und dialogorientierter zu gestalten (PR Report, 5/2013, siehe auch Kasten rechts). Herzstück der Operation ist die Abbildung der Konzernstruktur in der Kommunikation über alle Organisationsebenen hinweg. Hierfür wurden entsprechende Abteilungen in den fünf Geschäftsfeldern (BAs) und Regionen (RHQs) geschaffen.

Der ganzheitliche Ansatz soll die strategische Weiterentwicklung von Thyssen Krupp hin zu einer veränderten Unternehmenskultur, stärkerer Performance-Optimierung und einer Rückgewinnung neuer Handlungsspielräume kommunikativ unterstützen. Dazu will Wilke mit seinem 50-köpfigen Team in der Essener Zentrale verstärkt inhaltliche Akzente setzen, indem sie sich der diversifizierte Industriekonzern vernehmbar zu Schwerpunktthemen wie Compliance, Human Ressources oder Nachhaltigkeit positioniert. Die Außenlinien in China und Asien-Pazifik, Indien, Brasilien und den USA werden zudem eng an der Leine geführt.

Die konzernweite Steuerung der Kommunikation über strategische Planung ist ein Novum für Thyssen Krupp. Bisher hatte das Unternehmen eine echte Kommunikationsstrategie vermissen lassen. Beobachter attestieren, der Konzern habe sich die Chance erarbeitet, in Zukunft mehrdimensional zu kommunizieren, weil alle Ebenen – Zentrale, Geschäftsfelder, Regionen – in die neue Aufstellung eingebunden sind. Die Rollen sind dabei klar verteilt: Während die Zentrale übergeordnet agiert und etwa die funktionale Online-Kompetenz an einer Stelle verdichtet, begleiten BAs und RHQs Spezialthemen und -zielgruppen vor Ort.


Kooperation in der Matrix
Um Brüche im Innen- und Außenauftritt oder Doppelarbeit etwa beim Messe-Design zu unterbinden, sollen funktionale Expertise und Standards sowie Inhalte und Tools allen drei Ebenen hoheitlich von Kompetenzteams zur Verfügung gestellt werden. Die Kooperation in der Matrix erfolgt gemeinschaftlich in Projekten und Initiativen, über Konzernfunktionen wie Investor Relations oder Corporate Development hinweg und im Schulterschluss mit Geschäftsfeldern und Regionen. Zu ersteren zählen „Components Technology“, „Elevator Technology“, „Industrial Solutions“, „Materials Services“ und „Steel Europe“.

Man habe sich „im Elfenbeinturm nach unten begeben“, heißt es aus dem Unternehmen. Mit der Neuorganisation einher ging eine Verstärkung von Wilkes Team auch durch externe Fachkräfte. Zu diesen zählen Caroline Thiedig und Robin Zimmermann. Thiedig kam im September von der internationalen Strategieberatung Booz, für die sie gut sieben Jahre tätig war, zuletzt im Range eines Principals. Bei Thyssen Krupp leitet die 34-Jährige ab sofort den Bereich Strategy, Content & Initiatives. Unter anderem zeichnet sie damit verantwortlich für Kommunikationsstrategie, -planung und -evaluierung. Thiedig berichtet direkt an Wilke, ebenso wie Zimmermann, seit 1. Oktober bei Thyssen Krupp an Bord.

Zimmermann agiert in der Essener Hauptverwaltung als Bereichsleiter Media Relations. Zu seinem Aufgabenbereich zählen neben der Konzern- auch die Finanzkommunikation sowie die Steuerung der Online- und Social-Media-Aktivitäten. Der 42-Jährige wirkte 13 Jahre beim Reisemulti TUI, wo er in den vergangenen sechs Monaten kommissarisch die Konzernkommunikation leitete, um die Staffelübergabe des langjährigen Vorstandschef Michael Frenzel an Friedrich Joussen zu begleiten. Zuvor hatte Zimmermann unter anderem die in- und externe PR unter TUI-Kommunikationschef Uwe Kattwinkel betreut. Die übrigen drei Stabsstellen auf der Thyssen-Krupp-Kommandobrücke unter Wilke sind mit Eric Marzo-Wilhelm (Internal Communications), Richard Crookes (Brand & Customer Communications) sowie Peter Sauer (Governmental Affairs) besetzt.


Change-Prozess
Von der gesamten Reorganisation der Kommunikation im Haus losgelöst läuft im Hintergrund der eingangs erwähnte Transformationsprozess. Bis Jahresende werden gut 1.700 Führungskräfte von Thyssen Krupp in knapp zwei Dutzend, international angelegten Workshops von Peking über Mumbai und Chicago bis Sao Paulo auf die neue Firmenkultur eingeschworen. Das Mandat für dieses ehrgeizige Projekt hatte sich die Düsseldorfer Agentur Deekeling Arndt Advisors nach einer Ausschreibung im Juni gesichert.


Die Vorgeschichte
In PR Report 5/2013 zeigte Bijan Peymani, wie Thyssen Krupp – noch unter Patriarch Berthold Beitz – mit Korruption, Intrigen und Missmanagement lange Zeit die Selbstzerstörung zum Prinzip erhoben hatte. Kurzlink zu Peymanis Beitrag: http://bit.ly/GRffWo

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