Please wait...
News / Was heißt hier "unvoreingenommen"?
Adrian Peter
16.09.2013   News
Was heißt hier "unvoreingenommen"?
 
Auf dem Wunschzettel von Pressesprechern steht meist ganz oben, dass die Kollegen von der Presse doch bitte "unvoreingenommen" recherchieren und berichten sollen. Klingt plausibel. Aber was heißt unvoreingenommen für einen investigativen Journalisten? Wenn sich ein investigatives Magazin überhaupt mit einem Unternehmen beschäftigt, dann deshalb, weil es einen berichtenswerten Vorwurf gegen das Unternehmen gibt.

Recherchen können "scheitern"

Wenn die Quellenlage den Vorwurf erhärtet, wird über das Unternehmen berichtet. Unvoreingenommen heißt in diesem Fall: Die Quellen werden kritisch geprüft, die Gegenseite gehört, Argumente für und wider die Story abgewogen. Und wenn sich die Vorwürfe nicht erhärten lassen, wird eben nicht gesendet oder gedruckt. Was Unvoreingenommen nicht heißt: Das Magazin berichtet über das Unternehmen auch dann, wenn man dem Unternehmen gar nichts vorwerfen kann. Unternehmenssprecher empfinden das häufig als höchst unfair. Aber das ist es nur auf den ersten Blick.

Denn es ist ja nicht so, dass sich eine investigative Redaktion entscheidet, mal irgend einen Bericht über die Deutsche Bank zu machen. Und dann ganz unvoreingenommen die Recherche abwartet, ob am Ende daraus ein wohlwollendes Unternehmensportrait wird oder ein kritischer Bericht. Investigativer Journalismus will und muss Missstände aufdecken und kritikwürdiges Verhalten hinterfragen. Für alles andere sind andere zuständig. Darüber könnte man klagen, wenn es in Deutschland nur kritischen, investigativen Journalismus geben würde und überhaupt nichts positives berichtet würde. Doch dem ist ja nicht so.

Unkritische Berichte gibt es genug

Im Gegenteil: Die allermeisten Medien - von Nachrichtensendungen bis hin zu Börsensendungen, von vielen Regionalzeitungen ganz zu schweigen - berichten meist affirmativ über Unternehmen. Das heißt, sie berichten häufig Unternehmensposition oder politische Positionen, ohne sie selbst kritisch zu hinterfragen. Gemessen an dem Heer von "Journalisten", die in der PR tätig sind, ist die Zahl investigativ arbeitender Journalisten in Deutschland geradezu verschwindend gering. Dass sie ihre Ressourcen und Sendeplätze nicht auch noch für positive Nachrichten verwenden, ist aus Sicht von Pressesprechern sicherlich bedauerlich - aus der Sicht von investigativen Journalisten selbstverständlich.

Adrian Peter ist CvD bei der SWR-Sendung Report Mainz. In seinem ersten Beitrag der Reihe #petersthesen beklagte er die "Mär von der Partnerschaft zwischen PR und Journalismus", im zweiten klärte er das Missverständnis auf, dass sich aus der Länge eines gegebenen Interviews irgendein Recht auf gesendete Minuten herleiten ließe. In seinem dritten Beitrag zeigte er, warum Journalisten immer weniger Angst vor Anwälten haben. Anschließend erklärte er, warum das Argument die einzig wirksame Waffe ist. Zuletzt sprach er sich dafür aus, Argumente selbstbewusst zu vertreten. und ging der Frage nach, warum Pressesprecher und PR-Verantwortliche manchmal schlecht informiert sind. Drei weitere Thesen stellen wir in loser Reihe vor und freuen uns über Kommentare! #petersthesen
 

Newsletter

Sie wollen immer auf dem Laufenden sein?

Magazin & Werkstatt