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News / Die Kampa im Endspurt
Blitzbesuch im Willy-Brandt-Haus: Der technische Wahlkampfleiter Stephan Schweitzerund SPD-Wahlkampfchefin Andrea Nahles führen durch die Kampa./Foto: Nico Kunkel
28.08.2013   News
Die Kampa im Endspurt
 
Blitzbesuch bei der SPD
Montags, fünf Wochen vor der Wahl: Am Wochenende war Deutschlandfest der SPD, für das die Partei Berlin-Mitte okkupiert hatte. „Das Beste, was wir seit langem gemacht haben“, sagt Wahlkampfchefin Andrea Nahles einer RTL-Kollegin beim Besuch in der Kampa, der Wahlkampfzentrale der SPD.
Anders als zu Gerhard Schröders Zeiten ist die Kampa in der SPD-Zentrale untergebracht. Auf zwei Etagen verteilen sich rund 80 Leute an grauen Schreibtischinseln. An der Tür grüßt ein riesiger Föhn, der laut Aufschrift „Merkels heiße Luft“ ausspuckt, die Wände sind bunt behängt mit Plakaten, Flipchartbögen und einer monströsen Zeitleiste, auf der alle Fäden am 22. September zusammenlaufen – am Wahltag, hier ganz optimistisch mal mit „Wahlsieg“ beschriftet.

„Sie können sehr viel vom Obama-Wahlkampf lernen, die Konzentration auf den direkten Kontakt zu den Wählern etwa“, sagt Stephan Schweitzer, der die Kampa vor gut einem Jahr aufsetzte. „Sie können allerdings nichts eins zu eins nach Deutschland übertragen. Die deutsche Gesellschaft tickt anders als die amerikanische.“

Ein Dreh: Eine Dialogbox, die von hier durch Deutschland gelenkt wird, und die Bürger und Kandidaten zum Gespräch einlädt oder dazu, „der SPD auch mal aufs Dach zu steigen“, witzelt einer.

Außerdem: Ein Team Direktkommunikation, ein Stockwerk tiefer, das eine Hotline für Wähler und Wahlkämpfer bietet, oder das Mitmachportal, das Freiwillige animieren soll. Für digitalen Druck sorgt der Newsroom, besetzt mit 12 Leuten, die Facebook, Youtube oder das Schwarzgelbblog bespielen. Gerne kantig, um die eigene Klientel zu mobilisieren und den trägen Gegner aus der Reserve zu locken. Bei extrem viel Kante muss Nahles zustimmen. Die Themen und den Gegner haben mehrere Stellen im Haus im Auge, nicht zuletzt die Parteizentrale und der Newsroom. Das Monitoring laufe über einen Mix aus Tools, es gebe kaum Dienstleister, deren Angebot auf Wahlkämpfe zugeschnitten seien, sagt Schweitzer.

Viel verspricht sich Nahles von den Hausbesuchen, die schon in Niedersachsen 2011 Wunder wirkten. Die Kampa eruiert, in welchen Bezirken sich das Klingeln am meisten lohnt. Vor allem in den letzten drei Tagen will Nahles Gas geben. 40 Prozent der Wähler seien bis zuletzt unentschlossen, Umfragen oder gar den Eindruck, den die Presse über den Verlauf des Wahlkampfs kolportiert, wollen die Genossen nicht annehmen.

Mehr als eine halbe Million Hausbesuche hebt sich die SPD für die letzten 72 Stunden auf.

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