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28.08.2013   News
Schwarz-Grüne Lebenswelten passen nicht zueinander
 
CDU und Bündnis 90/Die Grünen sollten sich eine mögliche Koalition gut überlegen: Die Lebenswelten ihrer Anhänger haben kaum Schnittmengen. Dies zeigt eine Studie der Medienforscher Klaus Holthusen und Kommpassion-CEO Alexander Güttler. Weitere Einblicke in die Lebenswelten politischer Parteien und ihrer Anhänger: Linke lieben NGOs, Liberale den Luxus, alle lieben den "Tatort".

Für ihre Studie haben die Medienforscher Klaus Holthausen und Alexander Güttler, CEO der Kommunikationsberatung Kommpassion, die "Likes" von über 20.000 Facebook-Profilen ausgewertet. "Unser Ziel war es, hinter Parteiprogramme, Umfragen und Wahlkampfplakate zu blicken. 'Gefällt mir'-Angaben politisch engagierter Bürger lassen auf ihre Werte, gemeinsamen Interessen und Lebenswelten schließen.", sagt Studienleiter Güttler.

Die Methode: konform mit allen Datenschutzrichtlinien

Die neue Methodik der Facebook-Auswertung stammt von Medienforscher Klaus Holthausen. "Uns ist es erstmals gelungen, die 'Gefällt mir'-Angaben innerhalb von Facebook mit Marktforschungsmodellen und Hinweisen auf die Parteizugehörigkeit zusammen zu bringen."

Eine solche Form der politischen Meinungsforschung war bisher nicht möglich, weil Facebook zu komplexe Datensätze produziert, die mit "klassischen" Ansätzen der Marktforschung nicht vereinbar waren. Die Studie betrachtet ausschließlich öffentlich getätigte Angaben von Facebook-Nutzern. So wurden nach Angaben der Autoren keine personenbezogenen Daten erhoben oder Datenschutzrichtlinien verletzt. Die Summe der "Gefällt mir"-Angaben eines Facebook-Mitglieds verrät offensichtlich dennoch einiges über die Lebenswelt des Nutzers – die umso genauer analysiert werden kann, je mehr "Gefällt mir"-Angaben vorliegen.

Die "sozialen Genome" der Bundestagsparteien


"Aus den gesammelten Angaben der Nutzer lassen sich Assoziationsketten und Interessennetzwerke bilden - wir nennen diese Muster 'soziale Genome'. Facebook ist für unseren Forschungsansatz eine echte Goldgrube", erklärt Studienmacher Holthausen.

Die CDU/CSU-Anhänger beispielsweise - so die Facebook- Studie - sind stolz auf sich, die Parteigeschichte und Deutschland generell. Die Tagespolitik rückt fast in den Hintergrund. Stattdessen hoch im Kurs: Schlager, Kreuzfahrten und der FC Bayern. Ganz anders die SPD: Die Sozialdemokraten positionieren sich vor allem gegen Sachen, wie zum Beispiel Atomkraft, Ausbeutung und Rechtsextremismus.

Während den Grünen und Linke idealistische Seiten wie "Greenpeace" oder "Rettet den Regenwald" gefallen, stehen bei FDP-Anhängern Luxusmarken (Aston Martin, Boss), die "Lufthansa" und Initiativen gegen Tempolimits auf der Autobahn hoch im Kurs. "Der Hang zu großen Persönlichkeiten ist in der FDP überdurchschnittlich hoch", heißt es zudem in der Studie. Und weiter: "Diese sind durchweg männlich", wie etwa Otto Graf Lambsdorff, Hans- Dietrich Genscher, Theodor Heuss und Konrad Adenauer. "Frauen hingegen spielen bei den FDP-Anhängern keine große Rolle - außer auf der gern geklickten Männerseite." Vor allem Essen und Trinken sind für Grüne wichtig, auf politischer Ebene (Foodwatch) wie auch auf trivialer Ebene. Beim Konsum selbst gefallen den Grünen internationale Marken wie Guinness oder Heineken.

"Bei allen Unterschieden verbindet die surfenden Anhänger aller großen Parteien immerhin eines: die Liebe zum sonntäglichen Tatort", sagt Güttler.

Die politikneutralen - Schokolade und Tierliebe

Auch bisher unentschlossene Wähler beziehungsweise politikneutrale haben die Studienmacher bei ihrer Facebook-Analyse beobachtet und stellten fest: "Parteineutrale interessieren sich überdurchschnittlich stark für Schokolade, ihre Hunde und ihre Katzen. Vielleicht ein Ansatz für den ein oder anderen Wahlkämpfer", so Güttler.

Welche Koalition funktioniert?


Ein weiterer Aspekt der Studie: Die Überschneidung von Interessen und Lebenswelten der Parteianhänger: Bestehende Bündnisse werden bestätigt, die Chancen für Koalitions-Experimente stehen schlecht. Demnach teilen sich CDU/CSU viele Interessen mit der FDP, Sozialdemokraten, Grüne und Linke bilden einen eigenen Interessen-Block.

"Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün haben bei Facebook die größten Schnittmengen. Große Koalition und Ampel wären eher Zweckgemeinschaften. Für Jamaika und Schwarz-Grün sieht es düster aus - zumindest sind die Lebenswelten der Parteianhänger teilweise grundverschieden", fasst Güttler die Studienergebnisse zusammen.

Link zur Studie "Politik Intern 13"

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