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17.07.2013   News
Wie geht PR-Karriere für Frauen?
 
Unter den Leitfragen "Frauen an die Macht - oder Männerquote? Wie gleichberechtigt ist die PR-Branche – und was bedeutet das für die Karriereplanung von Männern und Frauen?", diskutierten Anfang Juli Prof. Dr. Alexander Güttler (CEO komm.passion) und Susanne Marell (CEO Edelman Germany) mit dem Moderator Georg Holzach beim Sommer Symposium des PR Career Centers in Düsseldorf. Besonders die mehrheitlich weiblichen Gäste der Veranstaltung für Berufseinsteiger und Young Professionals interessierte, wie sie in Top-Positionen der PR gelangen.

Frauen besitzen häufig eine "nicht nachvollziehbare Bescheidenheit"

Die Feminisierung des Berufsfeldes ist längst bekannt und dennoch haben die männlichen Kollegen das Ruder in der Hand. Auch unter den Teilnehmern des Sommer Symposiums spiegelte sich die Dominanz der Frauen wieder, doch mit Ernüchterung mussten sie erkennen: Frauen in der PR haben häufiger studiert und bessere Noten, verdienen jedoch weniger und besetzen meist mittlere Positionen, während Männer Führungstätigkeiten ausüben. Dies belegt u.a. eine ausgeteilte Studie von Studierenden der Westfälischen Hochschule.

Für die meisten Anwesenden im Raum steht frühzeitig fest: Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in der PR-Branche gleich Fehlanzeige. "Ich kenne leider viele Frauen, die eine – das kann man ruhig so sagen – nicht nachvollziehbare Bescheidenheit an den Tag legen", so Güttler zur Rechtfertigung der Situation.

Er erklärte das unterschiedliche Karriereverhalten von Männern und Frauen so: Männer betreten den Raum und bewerben sich instinktiv um die Aufgaben, ohne zu wissen, ob sie sie wirklich können. Dahingegen versuchten Frauen die Situationen erst "vorzufühlen" und Schwingungen wahrzunehmen, bestätigte auch Marell. Häufig fehle es Frauen an ausreichend Durchsetzungsvermögen und geschickter Selbstvermarktung. Dabei lasse sich beides antrainieren und beginne schon mit dem proaktiven Zugehen auf Vorgesetzte etwa. Nach der Einschätzung von Güttler gingen Männer überhaupt etwas geplanter und ehrgeiziger an das Thema Karriere heran - möglicherweise eine Frage der Ehrziehung.

Gegenseitiges Unterstützen lautet die Devise

Marell hat als angesehene Frau in der PR schon einige Seiten kennengelernt. Auf die Frage, wie es als einzige Frau in einer Runde von männlichen Entscheidern empfinde, berichtete sie von zunächst gemischten Gefühlen aus Anpassung und Hemmnis beider Geschlechter. Nichtsdestotrotz erwiesen sich die verschieden besetzten Führungsriegen mehrheitlich als erfolgreich. Frauen unter Frauen hingegen, werde nach Meinung des Moderators nicht selten Stutenbissigkeit und größerer Nachhall bei Konflikten nachgesagt.

Auch das sei ihr nicht fremd. Marell betonte: "Frauen müssen lernen sich auch gegenseitig zu unterstützen." Sie habe persönlich sehr gute Erfahrungen mit gegenseitiger Förderung sowohl von weiblicher als auch männlicher Seite gemacht. Um im Beruf voran zu kommen, brauche man ihrer Meinung nach immer Menschen, die einen an die Hand nehmen, einem aber auch Freiraum zum Entwickeln geben. Für Güttler gelte es beim Kampf um Macht und Führung zudem sportliches Verhalten zu zeigen. Entscheidungen würden akzeptiert, dafür sei an anderer Stelle weiterkämpfen angesagt: "Unter Kollegen gibt es häufig ein immerwährendes, professionelles Wechselspiel aus Partner und Wettbewerber."

Kind als ein "Karrierekiller"?

Vielfach zeige sich, dass die Karriere bei Frauen im Alter zwischen 30 und 35 Jahren "wegbricht", weil die Familienplanung und Work-Life-Balance an Bedeutung gewinnen. Marell plädierte dafür, dass Kinder nicht als "Karrierekiller" gesehen werden dürften. Sie selbst sei zwar erst sehr spät Mutter geworden, finde jedoch, dass sich jede Frau das Recht herausnehmen sollte, der Natürlichkeit des Mutterseins nachgehen zu können. Trotz Karrierebestrebungen in der PR sollte Frau auch stets das machen, was ihr Freude bereitee. Nach Marells Ansicht müssten Arbeitgeber stärker über flexiblere Arbeitszeitmodelle und mehr Vertrauenskultur nachdenken.

Sie kenne viele Frauen, die Beruf und Familie in einer flexiblen Arbeitsumgebung fantastisch meisterten. Auch für Güttler sind Kind und Karriere vereinbar. Er rät aber zu intensiver und langfristiger Planung gemeinsam mit dem Partner. Generell vertrat er die Meinung: "An allem im Leben ist ein Preisschild dran. Und ich muss mich bewusst dafür entscheiden den Preis zu zahlen oder es zu lassen. Es gibt keine Karriere ohne Einschränkung, weder bei Männern noch bei Frauen."

Wie es Frauen trotz allem in Führungspositionen schaffen?

Damit zukünftig der Anteil an weiblichen Führungskräften in der PR steige, sollten Frauen durchaus etwas mehr an ihrer Selbstvermarktung arbeiten und sich ruhig auch mehr trauen. Es sei wichtig, sich eine eigene Definition von Karriere zumachen und darauf hinzuarbeiten. Als entscheidenden Erfolgsfaktor benannte Güttler hierbei das Wagen eines "kontrollierten Regelbruchs". Insbesondere für die Berufseinsteigerinnen empfiehlt er nie darauf zu warten bis "man erkannt wird", sondern sich zu präsentieren und klare Forderungen zu stellen.

Marell sieht den Weg in die Führungsposition vor allem durch stärkeres Fördern und Vernetzten der Frauen auch untereinander. Dass es außerdem auf die richtige Mischung aus Durchsetzungsvermögen und Empathie ankomme, darin waren sich die Referenten einig. Beide ermunterten die anwesenden Frauen im Raum zum Nutzen ihrer weiblichen Potentiale.

von
Stefanie Friebel
Absolventin des Masters Communication Management der Universität Leipzig, zuletzt stellv. Vorstandsvorsitzende des LPRS e.V.

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