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News / Kommunikationslehre verpennt Entwicklungsbedarf
Die Forschungsergebnisse stellen die Effektivität einiger fundamentaler Aus- und Weiterbildungsformate in Frage.
16.07.2013   News
Kommunikationslehre verpennt Entwicklungsbedarf
 
Kommunikationsprofis von morgen fehlt es am nötigen Rüstzeug für ihren Job, warnt eine europäische Studie unter dem Titel ECoPSI: Während sich Anforderungsprofile an Kommunitionsleute radikal wandelten,  fehle es in der Branche an ausgeprägten Karrierepfaden und Konzepten fürs lebenslange Lernen. Laut Studie zweifeln Praktiker an existenten Studienangeboten auf BA- und MA-Level.

Den größten Weiterbildungsbedarf vermuten Entscheider im Feld Social Media Management: Es komme darauf an die strategischen Implikationen der neuen digitalen Kanäle besser zu vermittelen. Weitere offene Flanken sind offenbar interkulturelle Kompetenzen und die Fähigkeiten in internationalen Teams zu arbeiten - die vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und wirtschaftlichen Wandels wichtiger würden.

Auf der Ausbildungsebene hätten bestehende Austauschprogramme für Studierende wie insbesondere Erasmus eine hohe Bedeutung, heißt es in der Studie. Dazu Praktika oder Abordnung auf Zeit. Mehr Augenmerk müsse auf "training on the job" und Coachings gelegt werden.

Kaum Austausch im Middle Management

Insbesondere hebt die Studie die Bedeutung von ofiziellen wie informellen Netzwerken hervor, über die Wissen und Erfahrungen geteilt werden. Während die Seniors da gut aufgestellt seien und auch Einsteiger - etwa durch Ausbildungsangebote - Netzwerke pflegen, sehen die Autoren im mittleren Management Zurückhaltung, was Erfahrungsaustausch und die Diskussion von Schwächen angehe.

Gefragt seien "dynamische Generalisten im Kommunikationsmanagement" formulieren die Autoren. Sollten Kommunikationsentscheider Themen wie systematischer Kompetenzentwicklung und lebenslangem Lernen nicht beikommen, sehen die Beragten Unternehmen und Organisationen innerhalb der kommenden Dekade in arge Engpässe geraten. Kompetenzdefizite seien bereits heute zu beobachten, so die Ergebnisse der Studie.

"Kommunikationsabteilungen müssen sich darauf einstellen. Ein systematisches Kompetenzmanagement, strategisches Recruiting, lebenslanges Lernen und Führungskulturen, die auch mit virtuellen Teams umgehen können, sind nur einige Ansatzpunkte, über die man nachdenken sollte", kommtentiert Ansgar Zerfaß von der Uni Leipzig.

"Die Tätigkeitsprofile innerhalb der Kommunikationsbranche haben sich in den vergangenen 20 Jahren sehr stark ausdifferenziert und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen", sekundiert Ralph Tench von der Leeds Metropolitan University. Es sei daher wichtig, die notwendigen Kompetenzen im Berufsfeld zu identifizieren - damit sich Unternehmen und Praktiker daran orientierten.

Über ECoPSI

Die Ergebnisse von ECoPSI (European Communication Professionals Skills and Innovation Programm) beruhen auf einer Befragung von über 2.000 Kommunikationsmanagern aus mehr als 40 Ländern, Fokusgruppendiskussionen und 53 Tiefeninterviews mit Führungskräften der Unternehmenskommunikation in sechs europäischen Regionen – darunter Repräsentanten von Philips, Novartis, Shell, Telefonica, Henkel, BASF und Daimler. Ein Kurzbericht ist online verfügbar.

ECoPSI ist nach eigenen Angaben das bislang größte EU-finanzierte Forschungsprojekt zur strategischen Kommunikation. Das zweijährige Programm wird von sechs Universitäten - darunter Leeds und Leipzig - und der European Association of Communication Directors gestemmt.
 

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