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News / Gotta get in to win
Nico Kunkel
24.06.2013   News
Gotta get in to win
 
Cannes Lions Diese Kulisse versprüht noch immer diesen Charme, als gastierten die Mad Men unter der Sonne Südfrankreichs, in diesen Hotels des alten Europa und ersäuften ihren Sarkasmus in Rosé. Doch zusehends mausert sich das Festival Cannes Lions vom einst dekadenten Werber-Treff zu einem – nicht weniger dekadenten – Hort der Kreativität. Cannes lockt mitnichten nur die sogenannten Kreativen, also Werber, und deren Kunden aus dem Marketing, sondern mehr und mehr auch deren CEOs, und zwar aus aller Welt. Auch die IT- und Digitalbranche hat sich längst eingerichtet: Panels laufen unter dem Emblem von Adobe, Facebook und Tumblr, spendieren Drinks am Strand und in der Gutter Bar – und auf der Dachterrasse der Hotel-Ikone Martinez erklären junge amerikanische Unternehmer, warum wir Real-Time-Bidding brauchen.

Die Plattform Cannes ist interdisziplinär, aber noch immer dominieren die Werbeagenturen, auch in der Sparte PR. Zum einen, weil sie sich über Jahrzehnte einen Dreh antrainiert haben, ihre Botschaften so zu verdichten, dass die Jurys jubeln. Zum anderen, weil sich PR-Agenturen rar machen, ihre Cases (zweifellos mit Siegchance) nicht den Weg finden; weil sie Cannes unterschätzen.

Mit frappierender Geschwindigkeit adaptieren Werber die Mechaniken anderer Disziplinen und münzen sie in einen Vorteil, mit dem sie bei ihren Kunden punkten. Sie sorgen dabei für einen wohltuenden Kreativitätsschub, greifen andernorts dafür zu kurz. Wo die Autarkie von Disziplinen schwindet, verhandeln sie in Cannes mit den Geldgebern die Zukunft der Kommunikation – und definieren dabei nonchalant das Wesen und eine neue Rolle für die PR.

Ich meine: Für die PR-Branche ist es fahrlässig, diese Debatte nur von den Rängen aus zu betrachten. Sie sollte aktiv mitreden, auch in Cannes.

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