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News / Argumente vertritt man selbstbewusst!
Adrian Peter
10.06.2013   News
Argumente vertritt man selbstbewusst!
 
Es ist der Horror eines jeden Politikers und eines jeden Unternehmers: Während einer öffentlichen Veranstaltung taucht ein investigativer Journalist samt Kamerateam auf und stellt kritische Fragen - womöglich noch mit einem internen Papier unterm Arm und der Bitte, etwas dazu zu sagen. Gemein! Jetzt kann der Vorstand oder Politiker nur noch schlecht aussehen: Entweder er flieht; oder er bittet höflich, doch einen Termin mit dem Pressesprecher auszumachen; oder wird ungehalten wie einst Helmut Kohl, der auf die Frage nach seinen spendablen Freunden den Journalisten anraunzte: "Mit Ihnen rede ich doch gar nicht, Sie sind doch von ,Panorama'!"

Die Vorgeschichte entscheidet

Für Pressesprecher und PR-Agenturen ist das ein Gau. Im schlimmsten Fall kann es sie den Job kosten. Doch die meisten als "Überfallinterviews" verschrienen Situationen haben sie sich selbst zuzuschreiben. Professionelle investigative Journalisten stürzen sich nicht wie eine wildgewordene Wildschweinrotte auf jeden. Solche Konfrontationen sind häufig die letzte Eskalationsstufe. Auch deshalb, weil ja längst nicht immer garantiert ist, dass der Journalist in der Situation gut aussieht!

Tatsächlich geht solchen Interviews meist eine Reihe von Anfragen voraus, die unbeantwortet geblieben sind. Längst haben es sich einige Politiker und Unternehmer zur Regel gemacht, mit investigativen Magazinen nicht mehr zu kommunizieren. Bundesministerien lassen Anfragen häufig einfach unbeantwortet. Christian Wulff brüstete sich in seiner Zeit als Ministerpräsident sogar vor Journalisten damit, dass er investigativen Magazinen niemals ein Interview gibt. Warum auch! Schließlich gibt es Talkshows, in denen Politiker und Unternehmer zwar auch kritisch gefragt, aber selten mit harten exklusiven Recherchen konfrontiert werden.

Spontaninterviews sind Notwehr

So sehr ein solches Verhalten menschlich verständlich ist - klug ist es nicht. Denn die Magazine greifen dann eben zur Notwehr des Spontaninterviews. Schließlich sind sie ihrem Publikum eine Antwort schuldig, was Verantwortliche zu ihren Vorwürfen sagen. Viel souveräner ist es da, seine Argumente vor der Kamera zu vertreten! Natürlich wird das Interview hinterher gekürzt. Aber: Die Justiziare der Sender achten darauf, dass nicht sinnentstellend geschnitten wird, schon allein, weil sonst die Aussichten bei einer späteren gerichtlichen Auseinandersetzung düster werden. Wenn ein Magazin einen Vorwurf erhebt oder berichtet und es gibt eine Entgegnung, dann wird diese auch gesendet, auch in angemessener Länge.

Nicht zu antworten und den Kopf in den Sand zu stecken, lässt sich ohnehin meist nicht lange durchhalten! Ist ein Vorwurf ohne Entgegnung publiziert, steigen meist andere Medien auf das Thema ein, oft folgen politische Diskussionen. Spätestens dann kommen Betroffene um eine Antwort nicht mehr herum, wenn sie ihre Interessen wahren wollen.

Adrian Peter ist CvD bei der SWR-Sendung Report Mainz. In seinem ersten Beitrag der Reihe #petersthesen beklagt er die "Mär von der Partnerschaft zwischen PR und Journalismus", im zweiten klärt er das Missverständnis auf, dass sich aus der Länge eines gegebenen Interviews irgendein Recht auf gesendete Minuten herleiten ließe. In seinem dritten Beitrag zeigt er, warum Journalisten immer weniger Angst vor Anwälten haben. Zuletzt erklärte er, warum das Argument die einzig wirksame Waffe ist. Fünf weitere Thesen stellen wir in loser Reihe vor und freuen uns über Kommentare! #petersthesen
 

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