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News / „Da drängt sich doch der Fuchs unter lauter Gänse“
Olivera Kipcic machte sich auf dem Medienbeobachterkongress in Düsseldorf unbeliebt./Foto: Convento
28.05.2013   News
„Da drängt sich doch der Fuchs unter lauter Gänse“
 
FAZ auf dem Medienbeobachterkongress
Mit Verve traten Vertreter der „FAZ“ Ende April beim Medienbeobachterkongress in Düsseldorf auf: Olivera Kipcic, im Verlag für Nutzungsrechte zuständig, stellte – den Anwalt im Schlepptau – ihre „Medienbeobachtungslizenz“ vor, mit der Medienbeobachter ihr Geschäft auf rechtlich solider Basis betreiben sollen. Subtext: Bisher tun sie das nicht.

Die „FAZ“ will Medienbeobachter zur Kasse bitten, um – als erster Verlag – dem Urheberrecht Geltung zu verschaffen. Konkret geht es um digitale Quellen, etwa ePaper oder Online-Auftritte, die Medienbeobachter anzapfen, um für Kunden Analysen aufzubereiten. Während Medienbeobachter über die PMG Lizenzen für elektronische Pressespiegel beim Kunden erwerben, seien die „Vervielfältigungsvorgänge bei den Medienbeobachtern selbst für die Erstellung von Medienresonanzanalysen oder das Web-Monitoring unserer Internetseiten“ nicht durch die PMG abgedeckt, sagt Kipcic, deren Leute genau diese Inhalte verkaufen. Die „FAZ“ will auch dann verdienen, wenn Beobachter digitale Inhalte abgreifen, um komplexere Angebote zu verkaufen als einen Pressespiegel.

Medienbeobachter deuten das Recht anders, wollen nicht zahlen. „Ich wehre mich dagegen, hier kriminalisiert zu werden“, empörten sich viele. Zumal sie das Forum – ein Treffen, beim dem die Branche Kunden interessieren will – für unpassend und frech hielten. „Da drängt sich doch der Fuchs unter lauter Gänse.“

„Wir sind sehr an der Rechtssicherheit für unsere Kunden interessiert, sehen uns aber nicht betroffen, da wir selbst keine Crawler anbieten“, sagte Meta-Geschäftsführer Michael Maillinger. Er wundere sich über den Vorstoß der „FAZ“, die den Markt fragmentiere, sollte er tatsächlich gezwungen werden, mit einzelnen Verlagen Abkommen zu treffen. Die Preisbildung erfolge in „bilateralen Gesprächen“, sagte Kipcic vor Ort. Viele halten das für intransparent, in einem Markt mit hohem Wettbewerbsdruck. Manche berichten von „prohibitiv hohen Preisvorstellungen der FAZ“ für die Lizensierung von ePaper-Ausgaben – und lassen weiter Zeitungen schnibbeln.

Ein unglücklicher Start für die „FAZ“. Nun schaltet sich auch die PMG ein, an der die FAZ nicht unwesentlich beteiligt ist. Sie könnte als Clearing-Stelle ein verlagsübergreifendes Lizenzmodell anbieten, ein Entwurf soll bis Sommer stehen. Kipcic: „Wir sind in enger Abstimmung“.
 

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