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News / "Social Media lebt vom Hier und Jetzt"
David Görges, Leiter Neue Medien/CRM bei Borussia Dortmund
24.05.2013   News
"Social Media lebt vom Hier und Jetzt"
 
Vor dem Champions-League-Finale gegen Bayern München herrscht Hochbetrieb in den Social-Media-Arenen des BVB. David Görges, 35, Leiter Neue Medien/CRM bei Borussia Dortmund, berichtet über den Fanandrang auf Facebook & Co. und erklärt, warum er und sein Team sich nicht auf eine Finalniederlage vorbereiten.

Schon auf dem Weg nach Wembley, Herr Görges?

David Görges: Längst da. Das Social-Media-Team ist bereits vor der Mannschaft angereist und stimmt BVB-Fans mit Tweets und Posts aufs Finale am Samstag ein. Auf Twitter zum Beispiel mit Hinweisen auf die Champions League-Ausgabe unseres Stadionmagazins "ECHT", mit Infos rund um die Mannschaft und Bewegtbild-Angeboten. Auf BVB.de, Facebook und Twitter läuft ein Countdown mit Ausflügen in die Vereinshistorie und Aktuellem aus London. Für die verschiedenen Social-Media-Plattformen haben wir den gemeinsamen Hashtag #fairytale eingerichtet, über den Fans alles rund ums Finale erfahren.

Klingt, als spielten Sie Pressing im Social Web.

Görges: Wir kümmern uns in London zu dritt um Social Media und stehen in der Tat unter Strom. Das Interesse am BVB ist riesig. In dieser Saison wuchs unsere Facebook-Gemeinde um rund 1,1 Millionen Anhänger auf über 2,5 Millionen, auf Twitter kletterte die Zahl der Follower von 80.000 auf mehr als 300.000, die Abos unseres YouTube-Channels verdreifachten sich nahezu. Dortmunds Erfolge in der Champions League haben einen Gutteil dazu beigetragen. Innerhalb weniger Stunden liketen uns etwa beim Heimsieg gegen Real Madrid im Halbfinale allein über 40.000 Fans auf Facebook. Insbesondere in Großbritannien verzeichnen wir bemerkenswerte Zuwächse, schon seit der Gruppenphase. Wir gehen deshalb zunehmend dazu über, zweisprachig zu kommunizieren. Ein Anglist unterstützt uns dabei.

Sind Sie vorbereitet auf den Worst Case, eine Niederlage im Champions League-Finale?

Görges: Social Media lebt vom und im Hier und Jetzt. Daraus ziehen Facebook, Twitter & Co. ihren Charme und ihre Authentizität. Wir sollten daher auf diesen Kanälen nicht zu viel vorbereiten. Einer von uns, wir sind zu dritt vor Ort, hat einen Presseplatz im Stadion und wird den Spielverlauf live im Social Web begleiten. Wie das Spiel am Ende ausgeht - das werden wir sehen. Unsere Aufgabe ist es, das Geschehen in Echtzeit zu kommentieren. Geschrieben aber wird die große Geschichte von den Spielern auf dem Platz.

Sie sind seit gut zwei Jahren Leiter Neue Medien beim BVB. Ihr erster Einsatz bei der Borussia ist das allerdings nicht.

Görges: Das stimmt. Nach dem Studium stieg ich 2003 beim Sportrechtevermarkter Sportfive ein und war dort im Team BVB für den Bereich Marketing tätig. Ich hatte meinen Arbeitsplatz bereits in der BVB-Geschäftsstelle. Ab 2008 war ich dann als Creative Director in der Hamburger Sportfive-Zentrale tätig und widmete mich dort vor allem auch den Neuen Medien. Das Thema hat mich schon früh interessiert. Deshalb reizte mich das Angebot, das Feld für den BVB als Leiter Neue Medien zu beackern.

Geholt hat Sie nach Dortmund Carsten Cramer, der ebenfalls von Sportfive zum BVB wechselte.

Görges: Richtig. Carsten Cramer leitet als Direktor Vertrieb, Marketing und Business Development die Abteilung Marketing/Vertrieb, welcher der Bereich Neue Medien zugeordnet ist. Bis vor zwei Jahren lag das Terrain weitgehend brach. In einem Stufenplan haben wir unser Engagement in den Sozialen Netzwerken Stück um Stück ausgebaut. In Phase eins ging es darum, dem Auftritt des BVB in Sozialen Netzwerken Relevanz zu verschaffen, etwa mit Exklusivmeldungen. Als Nuri Sahin seinerzeit den Wechsel zu Madrid bekannt gab, fand sich das zuerst auf dem Twitter-Kanal des BVB. Stufe zwei sah dann vor, aus allen Abteilungen regelmäßig über Kanäle der Sozialen Plattformen zu kommunizieren. Das Ziel: Facebook, Twitter & Co. als werthaltige Plattformen für den BVB und seine Sponsoren zu etablieren. Denn damit legen wir die Grundlage für Stufe drei: Wertschöpfung. Sponsoren erhalten Gelegenheit, ihren Namen auf Social-Media-Schauplätzen des Clubs ins Gespräch zu bringen. So wie gerade Turkish Airlines: Fans konnten an die Mannschaft ihre Wünsche zum Champions-League-Finale schicken. Die besten Beiträge haben wir gedruckt; im Flieger nach London werden diese an die Spieler verteilt.

Sponsoren hat der BVB zur Genüge. Droht ein Werbe-Overkill?

Görges: Nein. Wir achten darauf, dass Werbebotschaften in erträglicher Dosis stattfinden. So dürfen die kommerziellen Inhalte nur in Ausnahmefällen die Fünf-Prozent-Marke überschreiten. Im Mittelpunkt aller Aktivitäten steht die Fan-Bindung. Die schaffen wir durch exklusive Inhalte rund um den BVB. Denn nur so können wir gewährleisten, dass die Plattform dauerhaft attraktiv für unsere Fans ist und bleibt.

Neuerdings sind Sie auch auf Google+ unterwegs.

Görges: Ja, und auch hier verzeichnen wir enormes Wachstum. Wir loten derzeit allerdings auch aus, welche Aktivitäten auf Google+ am besten ankommen. Die dortige Community zeigt sich aufgeschlossen für ausführliche Berichte. Andererseits ist die Kommentardichte noch deutlich geringer als auf Facebook. Wir tasten uns an das Feld heran und kooperieren dabei eng mit Google+. Demnächst wird es dort auch die eine oder andere exklusive Aktion geben.

Seit April 2011 steuert David Görges, 35, als Leiter Neue Medien/CRM die Social-Media-Aktivitäten des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund. Schon von 2003 bis 2008 betreute er den BVB, damals als Manager des Sportrechtevermarkters Sportfive. Görges, in Dortmund geboren, studierte an der ortsansässigen Privatuni WAM Marketing und Kommunikation.

Interview: Martin Bell

Social-Media-Manager: Was sie können, sollen dürfen - ihr Berufsbild ist noch undefiniert. Bislang erschienen Kurzinterviews mit Thomas Mickeleit (Microsoft Deutschland), Jochen Mai (Yello Strom), Kristin Hentschel (Otto-Versand), Indra Zemzoum (Axel Springer Verlag), Ferdinand von Reinhardstoettner (Telefónica Germany), Anna Ermann (Playmobil) und Melanie Gömmel (WWF). Zudem hat Martin Bell acht Social-Media-Manager in der PR Report-Ausgabe September 2012 vorgestellt.

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