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News / Wird Nachhaltigkeitsberichterstattung jetzt verpflichtend?
Martina Hoffhaus
23.05.2013   News
Wird Nachhaltigkeitsberichterstattung jetzt verpflichtend?
 
Die Europäische Kommission hat Mitte April Forderungen zur Änderung der Rechnungslegungsrichtlinien vorgelegt. Ziel dabei ist, die Transparenz von Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern in sozialen und ökologischen Belangen zu erhöhen. Künftig sollen also Unternehmen über Grundsätze, Risiken und Ergebnisse in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte, Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie Vielfalt in den Leitungs- und Kontrollorganen offenlegen. 

Die europäische Behörde verlangt aber keinen umfassenden Nachhaltigkeitsbericht. Gefragt sind kompakte Informationen, die Auskunft darüber geben, was Betriebe in Sachen Nachhaltigkeit oder CSR genau tun. Der Vorschlag der Kommission enthält keine konkreten Vorgaben zu spezifischen Kriterien oder Indikatoren, zu denen die Unternehmen berichten sollen. Vielmehr wird ihnen ein Ermessensspielraum eingeräumt, wie sie die jeweils relevanten Aspekte erheben und wie sie darüber berichten. Wenn jedoch Unternehmen bereits Standards wie etwa den Global Compact, den Deutschen Nachhaltigkeitskodex oder die GRI-Guidelines anwenden, so soll sich auch die auf EU-Ebene angedachte Berichterstattung darauf stützen können.

Der deutsche Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE) begrüßt den Kommissions-Vorschlag und misst dabei vor allem der Transparenz gegenüber Investoren und dem Kapitalmarkt eine große Bedeutung bei. Kritiker einer gesetzlichen Verpflichtung zur Berichterstattung befürchten einen Qualitätsverlust. Weil der Maßstab nach unten gedrückt werden könne. Befürworter, zu denen auch ich gehöre, plädieren jedoch für eine Berichtspflicht, weil sie zu Risikominimierung, Innovationen und Dialog mit der Öffentlichkeit führt. Früher oder später bewirkt sie einen Wandel in Richtung einer sozialeren und ökologischeren Wirtschaft. Durch die Offenlegung werden Veränderungsprozesse in Gang gesetzt. 

Katastrophen wie gerade in Bangladesch geschehen, wo wegen mangelnder Sorgfaltspflicht 1.400 Arbeiterinnen ihr Leben dafür lassen mussten, damit wir noch billigere T-Shirts bei uns kaufen können, können verhindert werden: Wenn Unternehmen berichten, schaut die immer kritischer werdende Öffentlichkeit auf die Zulieferkettenthematik. Und wer schreibt, der muss auch nachweisbar tun, was er sagt. Handelt er nicht, wie geschrieben, droht ihm der öffentliche Pranger. Auch das führt zu Wandel, früher oder später.

Übrigens: Anfang Februar hatte der Deutsche Bundestag einen Antrag der SPD-Fraktion zur Einführung einer Berichtspflicht auf nationaler Ebene abgelehnt. 

Martina Hoffhaus ist Inhaberin von messagepool - einem Beratungsunternehmen für Nachhaltigkeitskommunikation in Frankfurt.

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