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News / Kommunikationskodex soll klare Bezugsgrößen schaffen
Eine vom Bundesverband deutscher Pressesprecher und dem PRSH gemeinsam organisierten Veranstaltung am 6. Mai widmete sich dem neuen Kommunikationskodex des Deutschen Rates für Public Relations.
23.05.2013   News
Kommunikationskodex soll klare Bezugsgrößen schaffen
 
"Langsam, aber gewaltig", prophezeit Günter Bentele die Veränderungen, die der im Dezember vergangenen Jahres von der DPRG beschlossene Deutsche Kommunikationskodex für die Ethik der PR-Branche mit sich bringen wird. Doch nach einer Reihe von Kodizes, wie dem Code de Lisbonne oder den sieben Selbstverpflichtungen nach Avenarius, fragten sich die PR Studierenden Hannover (PRSH) bei ihrer gemeinsam mit dem Bund deutscher Pressesprecher (BdP) organisierten Podiumsdiskussion Anfang Mai: Wofür brauchen wir einen Kommunikationskodex?

Podiumsgast Peter Szyszka (PR-Professor an der Hochschule Hannover), oftmals als Kritiker von bisher geltenden Verhaltenskodizes aufgetreten, begrüßte die Präzisierung vieler Aspekte. Während die Debatte um PR- Ethik in den 60er Jahren als Feigenblatt begann, trage der neue Kodex mit sprachlichem und inhaltlichem Update zu einer Professionalisierung der Diskussion bei. So räume der Kodex zumindest teilweise mit dem Paradoxon auf, dass die PR im Auftrag der Öffentlichkeit agiere und der gleichzeitigen Loyalität zu ihrem Auftraggeber. Dennoch sei die Wirkung eines solchen Verhaltenskodex nicht überzubewerten, sagte der Kommunikationswissenschaftler Szyszka.



Für Heiko Kretschmer (Geschäftsführer, Johannssen+Kretschmer), der die Agenturwirtschaft auf dem Podium vertrat, ist der neue Kodex handhabbarer und als Orientierung geeignet: "Der Kodex ist keine Revolution. Er ist vielmehr eine wichtige Basis, eine klare Bezugsgröße."



Von großer Relevanz für die Diskutierenden war der Aspekt der Wahrheit.

Für Günter Bentele (PR-Professor an der Uni Leipzig) steht fest: "PR-ler, die lügen, handeln gegen eine Norm. Damit ist diese Norm jedoch keinesfalls sinnlos und man muss ihre Einhaltung weiterhin verfolgen - mag es auch eine Sisyphusarbeit sein."



Einen praktisch orientierten Standpunkt vertrat Peter Szyszka. Dem verantwortungsvollen Umgang mit der Wahrheit sieht er eine eher professionelle, denn ethische Überlegung vorangestellt: "Lohnt sich eine Lüge, wenn ich ertappt werde?". Denn wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, gilt nicht nur für die sprechende Person, sondern auch für die Organisation, für die gesprochen wird.

Die Grenzen einer verantwortungsvollen Interessenvertretung scheinen also nicht rein ethische, sondern auch professionelle zu sein. So sind sich Kretschmer und Szyszka einig: Eine gute Ausbildung und die Fertigkeit das kommunikative Handwerk anwenden zu können, steht in Verbindung mit ethisch korrektem Verhalten - eben auch in kritischen Situationen, in denen Öffentlichkeit und Medien über den (vermeintlich) Schuldigen herfallen.

Informationsgesellschaft und eine kritische (Netz-)Öffentlichkeit machen es ohnehin zunehmend schwer, Missstände zu verheimlichen. Können Verhaltensrichtlinien, getragen von einem Organ der freiwilligen Selbstkontrolle, überhaupt noch etwas bewirken?

Für Kretschmer ist die Problematik grundsätzlich, dass PR - anders als Werbung - eher im Hintergrund wirkt und inkorrektes Verhalten schwieriger zu erkennen ist. Man sei daher auf Whistleblowing angewiesen: Ein Journalist, der darauf hinweist, wenn er sich unsauber behandelt fühlt. Medien, die ethische Grenzfälle anprangern. Mitarbeiter, die darauf aufmerksam machen, dass sie zum Lügen angehalten werden. Ein Kodex, auf den sich möglichst viele beziehen, stärke also auch den Einzelnen. Mögen die direkten Sanktionsmaßnahmen begrenzt sein, so Kretschmer, so steige zumindest die Entdeckungsgefahr von unethischem Verhalten und damit auch das Geschäftsrisiko, als unethisch handelnder Berater gebrandmarkt zu werden.

So werde bereits heute der Kodex in eine zunehmende Zahl von Arbeitsverträgen bei Agenturen und Unternehmen integriert und bilde auf diese Weise für Arbeitnehmer, wie Arbeitgeber eine klare Verhandlungsgrundlage.

Von Julia-Maria Blesin

Die Podiumsdiskussion "Brauchen wir einen Kommunikationskodex", organisiert vom PRSH in Kooperation mit dem Landesverband Bremen-Niedersachsen des Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP) wurde geleitet von Ulrike Buchholz, Dozentin an der Hochschule Hannover. Weitere Gastredner und Diskussionsteilnehmer waren Harald Händel (BdP) und Michael Konken (DJV).

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