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Tobias Mündemann, Ergo Kommunikation, Köln
25.04.2013   News
"Rankings beflügeln unseren Ehrgeiz"
 
Jahr ums Jahr scheiden sich die Geister an Gerhard Pfeffers Rangliste der PR-Agenturen, die in Deutschland am Markt sind: Fragmentierte Branche, mangelnde Vergleichbarkeit, methodische Fehler - vielen passt der Spitzenreiter nicht. Allein, eine Alternative ist weit und breit nicht in Sicht. Alle Versuche scheiterten.

Warum braucht die Branche ein Ranking? Inwiefern ist Pfeffers Ranking eine valide Vermessung der Branche - oder eben nicht? Führt es Kunden in die Irre - oder nimmt das Ranking Branchenneulinge an die Hand? Und wie sähe eine echte Alternative aus?, haben wir für unseren Rundruf gefragt.

"Rankings sind eine tolle Sache, wir nehmen sie sportlich, sie beflügeln unseren Ehrgeiz, manchmal unsere Häme – wir sind auch nur Menschen – und wir würden sie vermissen", meint Ergo-Chef Tobias Mündemann in seinem Kommentar.


"Wichtiges Branchenbarometer? Blanker Unfug? Mit Rankings in der PR-Branche verhält es sich wie mit den einschlägigen Preisen und Auszeichnungen: Wer welche gewinnt oder verliehen bekommt, erklärt sie zum sichtbaren Ausweis der eigenen Kraft und Güte. Wer keine gewinnt, erklärt sie kurzerhand für eitles Beiwerk einer ohnehin zu Eitelkeit neigenden Branche.
 
Aber seien wir ehrlich: Wir alle schielen auf die Rankings. Und warum auch nicht? Natürlich lässt sich an Umsatz- und Mitarbeiterzahlen nicht ablesen, welche Agentur wirklich kreativ ist, gute Beratungsqualität abliefert oder einfach nur Dusel hatte, dass die Inkompetenz bisher nicht weiter aufgefallen ist. Und auch der Blick auf die Entwicklung von Jahr zu Jahr ('na, die hat´s aber kalt erwischt') gibt nicht wirklich Aufschluss über Wohl und Wehe, Können und Perspektiven einer Agentur. Dafür ist das Geschäft zu volatil, die Branche zu kleinteilig. Jede mittlere Schnapsdestille macht ja mehr Umsatz als selbst die Großen unserer Branche. Und jeden kann es mal erwischen.
 
Trotzdem: Wer über Jahre beständig auf den oberen Plätzen auftaucht, ganz gleich ob im stetigen Aufwind oder mal ein paar Plätze höher der niedriger, kann nicht alles falsch machen. Insofern gibt das Ranking durchaus Aufschluss darüber, welche Unternehmen sich auf dem vergleichsweise sumpfigen PR-Terrain ein solides Fundament erarbeitet haben. Für Kunden nicht das einzige, aber ein relevantes Signal.

Natürlich gibt es Verbesserungsbedarf. Die geforderte Verteilung von Umsatzanteilen auf einzelne Dienstleistungen ist konsistent gar nicht zu leisten und überdies in Zeiten zunehmender Integration verschiedener Disziplinen nicht mehr zeitgemäß. Das lädt zu taktischen Schwerpunktsetzungen ein. Ähnlich verhält es sich mit den Branchenschwerpunkten – auch hier ist eine konsistentere Aufteilung wünschenswert.

Und dann ist da noch die Gretchenfrage nach den Testaten. Einerseits ist es ärgerlich, wenn testierte Zahlen neben nicht-testierten stehen, nur weil sich insbesondere die internationalen Netzwerkagenturen hinter Sarbanes-Oxley verstecken dürfen. Andererseits würden uns die kleinen Einblicke in die und das Messen an den großen Multis fehlen. Insofern ist die Lösung, Gummipunkte für Testate zu verleihen, pragmatisch und angemessen. Kann so bleiben.
  
Fazit: Rankings sind eine tolle Sache, wir nehmen sie sportlich, sie beflügeln unseren Ehrgeiz, manchmal unsere Häme – wir sind auch nur Menschen – und wir würden sie vermissen. Dass Rankings  sowohl von den Agenturen als auch von den Kunden überbewertet würden, wenn es darum geht, den richtigen Agenturpartner zu finden, steht nicht zu befürchten. Dafür sind wir doch alle viel zu klug. Oder?"

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