Please wait...
News / Schlechte Noten für Deutschlands Redaktionen
Der steigende Einfluss von Außen wird mit als Grund für journalistische Unfreiheit angeführt.
12.04.2013   News
Schlechte Noten für Deutschlands Redaktionen
 
Die innere Pressefreiheit in deutschen Redaktionen hat sich in den letzten Jahren drastisch verschlechtert. Journalisten sehen sich in ihrer Arbeit unter anderem durch Vorgesetzte und Inserenten drastisch eingeschränkt und die Qualität der Arbeit im freien Fall. Dies zeigt die Online-Studie "Gefahren für die Innere Pressefreiheit 2013" des Online-Magazins und Watchblogs Pressefreiheit-in-Deutschland.de.

Weniger Freiheit, mehr Rücksichtnahme

Freie Themenwahl, Unabhängigkeit der Kommentare, keine Vorschriften zu Überschriften und Kommentaren - das verstehen Journalisten unter "Innerer Pressefreiheit". Doch in der Praxis sehen viele diese Freiheiten stark eingeschränkt. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten sieht heute mehr Gefahren für diese Freiheit als noch vor fünf oder zehn Jahren. Obwohl 54 Prozent der befragten Journalisten sich noch frei genug in ihrer Redaktion wägen, fühlen sich 27 Prozent zu eingeengt.

Hierfür nennen sie diverse Gründe. Beispielsweise werden 24 Prozent vom Ressortleiter, 15 Prozent vom Chefredakteur eingeschränkt. Die Anzeigenabteilung nennen 11 Prozent - und überwältigende 71 Prozent fügen hinzu, dass regelmäßig auf Inserenten im redaktionellen Teil Rücksicht genommen würde.

Fremdbestimmung und Spitzen-Entscheidungen

Entscheidungen werden nicht demokratisch getroffen, sondern in der Redaktionskonferenz durch die Spitze beschlossen, meinen 35 Prozent. Damit meinen 42 Prozent den Ressortleiter, 39 Prozent den Chefredakteur.

Die Wahl der Themen wird immerhin noch von 72 Prozent als meistens frei benannt, nur 13 Prozent geben an, häufig nicht frei wählen zu können. Konfliktträchtige Themen werden heute, so 35 Prozent, eher vorsichtig angegangen als früher.

Einschränkungen senken Qualität

Die Gründe dafür, dass viele Journalisten die Innere Pressefreiheit eingeschränkt sehen, sind also beispielsweise eine starke Rücksichtnahme auf Inserenten, sinkende Recherche-Zeiten und die steigende Angst, den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren. All dies wird auch mit als Grund aufgeführt, warum die journalistische Qualität sich verschlechtert habe - wie etwas mehr als die Hälfte der befragten Journalisten angaben.

82 Prozent der Befragten haben zudem Angst, den Job zu verlieren. Diese Unsicherheit hat drastische Auswirkungen auf Arbeitsqualität und -verhalten: 77 Prozent merken den Anstieg eines "vorauseilenden Gehorsams" an, 76 Prozent Vorsicht bei der Bearbeitung von Themen, 57 Prozent halten sich bei den Wertungen in Kommentaren zurück und 70 Prozent gehen auf Nummer Sicher mit angepasstem Verhalten in der Redaktionskonferenz.

An der Studie von Pressefreiheit-in-Deutschland.de mit Unterstützung des DJV und der dju haben 291 Journalisten teilgenommen.

Magazin & Werkstatt