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News / Radio, jemand liebt dich noch
27.08.2009   News
Radio, jemand liebt dich noch
 

Themen liegen nicht immer nur auf der Straße, und manchmal werden sie erst entdeckt, wenn sie keine mehr zu sein scheinen. Dem ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust ist es zu verdanken, dass die geplante TV-Exklusivität des Duells Angela Merkel (CDU) versus Frank-Walter Steinmeier (SPD) am 13. September eifrig debattiert wird, nachdem sich seine Anstalt, ZDF, RTL und Sat.1 schon mehrheitlich auf den Ausschluss von Radio und Netz geeinigt hatten.

Also eigentlich gebührt wohl dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden des ZDF-Verwaltungsrats, Kurt Beck, Dank. Aber egal, Boudgoust ließ sein Schreiben an die anderen Senderchefs bezüglich der „Angelegenheit von nationaler Bedeutung“ parallel den Medien zukommen und kann sich nun als Anwalt der Radio- und Internetnutzer feiern lassen.
Es sei ihm zu gönnen. Denn in der Tat sollte eine Übertragung im Radio überhaupt nicht zur Diskussion stehen. Sie verschont den Hörer zumindest von all den optischen Mätzchen, die die Wahlkampfberater im Vorfeld definiert haben. Etwa ob die Kandidaten im Sitzen, Stehen oder Liegen streiten und welche Aufnahmen aus welcher Perspektive verboten sind. Über Ultrakurz- oder Mittelwelle bekommt das Wort die Bedeutung, die es verdient.
Ob dieses Wort noch die mobilisierende Wirkung haben wird, die Wähler zur Urne zu treiben, bleibt zu hoffen. Das TV-Duell hat in dieser Hinsicht mehr Einfluss, als die laufenden Kampagnen gegen Wahlmüdigkeit. Zur Live-Fehde 2005 kommentierten die „Salzburger Nachrichten“: „Zum Glück dauert der Wahlkampf in Deutschland nur noch zwei Wochen. Mühselig schleppt sich eine Auseinandersetzung dahin, der es an Pfeffer fehlt – ganz wie die TV-Debatte zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kanzlerkandidatin Angela Merkel.“ – Ein Duell kann die Müdigkeit aber auch befördern.  (fo)

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