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Wigan Salazar, CEO der MSL Group Germany
21.03.2013   News
Wer ruft denn noch zur Unzeit an?
 
Das Interview im PR-Report mit Personalberater Ulrich Schuhmann über Work-Life-Balance und nötige Ruhephasen und die darauf folgenden Leserkommentare haben gezeigt, dass das Thema Arbeitszeiten in der PR-Branche nach wie vor für Kontroversen gut ist. Leider verläuft die Debatte oft ungeordnet, denn im Prinzip geht es um zwei leicht voneinander trennbare Themen: Zum Einen die Arbeitszeit als Ganzes, zum Anderen die Erreichbarkeit.

Was die Arbeitszeiten angeht ist die PR mit Sicherheit nicht das Berufsfeld, das eine 40-Stunden-Wochen garantiert. Allerdings halte ich unsere Branche mit Blick auf andere Berufsfelder wie Ärzte, Anwälte oder Unternehmensberater nicht unbedingt für die arbeitsintensivste. Ich möchte damit keineswegs sagen, dass Überstunden normal oder gar wünschenswert sein sollten. Im Hinblick auf den Einsatz beispielsweise von Eltern in Teilzeit müssen gerade Agenturen unter Beweis stellen, dass sie diese Modelle mit professionellem Zeitmanagement ermöglichen. Dennoch ist klar: Es gibt sowohl auf Agentur- als auch auf Unternehmensseite Spitzen, in denen mehr gearbeitet werden muss. Nur liegt es halt an jedem Manager, dafür zu sorgen, dass es bei wenigen Spitzen bleibt.

Ein Umdenken startet

Ein wenig aufgeregt erscheint mir die Debatte um Erreichbarkeit. Meine persönliche Beobachtung ist gegenläufig: Mich rufen mittlerweile deutlich weniger Kunden und Journalisten abends oder am Wochenende an. Und das liegt nicht daran, dass ich weniger Kunden hätte oder gar weniger arbeiten würde. Die neue Ruhe am Abend hat zwei Gründe: Zum einen helfen Smartphones dabei, das Arbeitsleben besser zu organisieren. Heutzutage verabredet man sich eher zu festen Telefonzeiten - und Mails müssen (dringende Ausnahmen ausgenommen) nicht immer umgehend beantwortet werden. Zum anderen scheint gerade auf Kundenseite ein Umdenken stattgefunden zu haben - sie wissen, dass auch Berater eine Familie haben können und richten sich darauf ein. Das war früher nicht immer der Fall.

Wigan Salazar ist CEO der MSL Group Germany

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