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News / Gewissenssache
Nico Kunkel
21.02.2013   News
Gewissenssache
 
Scientology

Zurecht ist Scientology umstritten und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Die empörten Reaktionen auf die Agentursuche des Konzerns in Deutschland aber sind meiner Meinung nach heuchlerisch. Vor wenigen Wochen schrieb Scientology offenbar 70 Kommunikationsagenturen an, auf der Suche nach „couragierten Profis“ für eine Imagekampagne, die die „Arbeit, Absichten und Zielsetzungen“ vorstellen solle, wie Deutschlandchefin Sabine Weber den Kollegen von „Horizont“ sagte.

Vor dem Hintergrund der Ressentiments, mit der die Firma hierzulande umzugehen hat, ist der Erfolg einer reinen Werbekampagne zu bezweifeln. Auch, weil Kommunikations- und Dialogbereitschaft im Geschäftsmodell der Organisation keinen Platz hat. Auf einen Schlag 70 Agenturen anzugehen, zeugt ebenso von wenig Sachverstand. Zumal die Kriterien für diese „Auswahl“ im Nebel liegen – führende Player der Branche blieben bei der Anfrage offenbar außen vor.

Das kollektive Igitt in der Agenturbranche kann ich absolut nachvollziehen – mir persönlich ging es auch so. Auf professionieller Ebene würde ich eine souveränere Reaktion erwarten, auch angesichts der vielen „heiklen“ Mandate, für die Kommunikationsagenturen hierzulande und andernorts ganz ohne Skrupel (und Aufhebens) zu Werke gehen.

Wie redlich ist zudem eine Stellungnahme des Agenturverbandes GWA, der den Mitgliedern quasi öffentlich untersagt, auf die Offerte einzugehen? Mir scheint, ein Verband hat andere Aufgaben, als Gewissensentscheidungen vorwegzunehmen. Weil es in diesem Fall keine juristische Regelung gibt, muss jeder, der über die scharfe Waffer „Kommunikation“ gebietet, selbst entscheiden, wo die Grenze ist – im besten Fall regelt es eine gesunde Ethik.

 

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